Schinznach-Dorf
Kündigung: «Chinderhuus Tabulino» sucht verzweifelt ein neues Zuhause

Das Tabulino muss nach fünf Jahren raus aus der Villa an der Ausserdorfstrasse. Leiterin Sybille Lüscher erzählt, weshalb es so schwierig ist, ein geeignetes Objekt zu finden. Sie sagt, warum es mit der letzten Immobilie nicht geklappt hatte.

Barbara Schlunegger
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Die Tabulino-Villa wurde an eine Grossfamilie verkauft.

Die Tabulino-Villa wurde an eine Grossfamilie verkauft.

EMANUEL PER FREUDIGER

Das «Chinderhuus Tabulino» in Schinznach-Dorf existiert seit bald zehn Jahren. Jetzt muss die Montessori-Tagesstätte samt Kindergarten die Villa mit siebeneinhalb Zimmern einer kinderreichen Familie überlassen – die Immobilie mit Nebengebäuden an der Ausserdorfstrasse 27 wurde verkauft.

Ein Architekt will auf einem Teil des Grundstücks Einfamilienhäuser bauen. Es sei halt «noch der einzige Fleck einigermassen vernünftiges Bauland», wie ihn Sybille Lüscher, Leiterin des Chinderhuus, zitiert.

«Wir sind verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Zuhause», sagt sie. Die Zürcherin konnte es nicht fassen, als sie im Dezember in einem Schreiben des neuen Vermieters erfuhr, dass der Mietvertrag auf Juni gekündigt werde.

«Als wir vor fünf Jahren vom Zulauf-Areal hierhin zogen, versicherte uns der Vermieter, wir müssten uns keine Sorgen machen, dass diese Liegenschaft in naher Zukunft verkauft werden würde», erzählt die 31-Jährige. Immerhin kann sie jetzt kurzfristig aufatmen. «Wir haben noch eine ‹Schonfrist› erhalten und müssen erst im Dezember raus», sagt Lüscher.

Was sie sehr getroffen habe, sei der Umstand, dass es der Vermieter «nicht fertigbrachte, uns die Kündigung selbst zu übermitteln». Er behauptete, der Leiterin im November eine Nachricht auf den Geschäftstelefonbeantworter gesprochen zu haben und so die Kündigung mündlich angekündigt zu haben. «Ich habe damals nachgesehen und keine Mitteilung von ihm auf dem Beantworter erhalten», ärgert sie sich.

Zu früh gefreut

Obwohl dem Chinderhuus der Vertrag fristgerecht gekündigt wurde, kann die Leiterin nur den Kopf schütteln. «Ich finde das ethisch und moralisch überhaupt nicht vertretbar, eine soziale Institution mit 47 Betreuungsplätzen einfach so rauszuwerfen», sagt die Montessoripädagogin.

In der Zwischenzeit hätte das Chinderhuus-Team eine einzige geeignete Liegenschaft in Schinznach-Dorf ausfindig gemacht: eine Immobilie an der Unteren Mühle. Die Gemeinde hatte aber nicht so kooperiert und Unterstützung geboten, wie Lüscher sich das vorgestellt hätte.

Urs Leuthard, der Gemeindeammann von Schinznach, sagt dazu: «Die Bauabnahme des neu erstellten Einfamilienhauses ist infolge einer hängigen Einsprache noch nicht erfolgt. Dies hat mit dem Tabulino aber nichts zu tun.»

Das Chinderhuus müsse noch zeigen, dass die Sicherheit der Kinder in und ums Haus gewährleistet werden kann, so Leuthard weiter. Ausserdem müsse das «Bord noch abgenommen werden». Es würde jedoch auf eine «gütliche Einigung» gehofft, sagt er.

Kein Interesse der Gemeinde?

Das Tabulino-Team legte der Gemeinde bereits im November vergangenen Jahres ein zehnseitiges Konzept zur baulichen Gestaltung und Sicherheit vor. Der az liegen Umnutzungsgesuch sowie Antwort der Gemeinde vor: Der Gemeinderat bemängelte beispielsweise, dass ein Bord ungesichert sei und die Zufahrt zum Chinderhuus nicht optimal wäre.

Wann ist ein Haus passend?

Folgende Objektkriterien sollten erfüllt sein:
• Fenstersicherung
• Fliegengitter in Küche
• Grünfläche
• Mindestens 180 Quadratmeter Wohnfläche
• Abstellplatz für Kinderwagen

Sybille Lüscher ist dankbar für jeden Hinweis:
Tel.: 056 443 01 35
E-Mail: chinderhuus@tabulino.ch (az)

Lüscher erwidert: «Es war von Anfang an klar, dass das Bord durch einen Zaun hätte gesichert werden müssen – das stand nie zur Debatte.» Auch die Zufahrt hätten sie in ihrem Konzept geregelt. Was die Leiterin auch nicht versteht, ist, dass die Gemeinde wenig Interesse bekunde.

Dies, obwohl «viele Eltern aus dem Dorf» von ihrem Angebot profitierten. Die Pädagogin zuckt verständnislos mit den Schultern.

Welche Eigenschaften muss denn ein Objekt haben, damit es als Kindertagesstätte in Frage kommt? «Wir ziehen grundsätzlich jede Immobilie ab 180 Quadratmetern in Betracht», sagt Lüscher (weitere Wunsch-Eigenschaften siehe separater Text). Die Villa, die das Tabulino noch bis Dezember bewohnt, weist eine Fläche von 250 Quadratmetern auf.

Der Umzugsstress ist nicht der einzige Faktor, der die Zürcherin beansprucht: Die 31-Jährige ist mit Zwillingen schwanger.

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