Stadtfest Brugg

«Leuchtstofflager»: Diese Beiz ist ein echter Blickfang

Das «Leuchtstofflager» am Stadtfest Brugg fällt nicht nur durch die Musikwahl auf, auch die Deko ist besonders.

Prisca Böcher
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Die neonfarbige Spandex-Dekoration ist ein Blickfang.

Die neonfarbige Spandex-Dekoration ist ein Blickfang.

Prisca Böcher

«Alles begann mit einer dämlichen Idee. An diese haben wir dann angeknüpft», lacht Janine Rehm. Gemeinsam mit ihrem Partner Severin Matter und den drei anderen Mitgliedern des Vereins Finsterwald betreibt sie die Beiz Leuchtstofflager mit Techno-Musik am Stadtfest.

Rehm und Matter sind seit acht Jahren ein Paar. Kennen gelernt haben sich die Polygrafin und der gelernte Hauswart über die Musik. Die beiden organisieren mit ihrem fünfköpfigen Verein In- und Outdoorpartys unter anderem mit Goa- und Psytrance-Musik. Am Stadtfest spielen sie nur Techno. Das sei für ein grösseres Publikum interessant, begründen sie den Entscheid.

Fürs Stadtfest haben sie sich ins Zeug gelegt. Die Planung und Organisation des Leuchtstofflagers startete bereits im letzten Jahr, erzählt Matter. Den Stand aus Holz bauten sie selbst. Lussi, eines der Teammitglieder, trägt den Übernamen Holzwurm.

«Viele haben ein schlechtes Bild von der Szene.» Severin Matter und Janine Rehm – Musik verbindet das Paar.

«Viele haben ein schlechtes Bild von der Szene.» Severin Matter und Janine Rehm – Musik verbindet das Paar.

Prisca Böcher

Das Leuchtstofflager kann sich sehen lassen

Auch die neonfarbige, reflektierende Dekoration ist Handarbeit. Mit der Nagelschere schnitten sie aus Spandex-Stofftüchern Netze. Der Stoff dient unter anderem zur Herstellung von Bikinis. Für ein einziges Tuch investierten sie etwa vier Stunden. «Das gab den einen oder anderen Handkrampf», schmunzelt Matter. Die Deko kommt so gut an, dass eine selbstkreierte Eule am ersten Festwochenende verschwunden ist. Rehm und Matter freuen sich über diese indirekte Wertschätzung. «Einfach fragen hätte man uns schon dürfen», finden beide.

Im Leuchtstofflager steht gute Musik im Vordergrund. Dazu hat der Verein namhafte Künstler aus der Region, aber auch aus Zürich engagiert. Heute wird von 21 bis 3 Uhr mit JayPhonic und Kent Kaina (Flugrost) gefeiert. Tagsüber sorgen Matters Eltern für das leibliche Wohl der Besucher. Es gibt Paella und Ghackets und Hörnli mit Öpfelmus. «Der Papi kocht besser», betont Matters Mutter. Sie habe dafür genäht. Die beiden sind gute und vielseitige Helfer.

Es war super Stimmung am ersten Wochenende

Alle im OK arbeiten Vollzeit. Matter hat für die Vorbereitung einen Monat unbezahlten Urlaub genommen. Das erste Wochenende sei gut gewesen, sagt er. «Die Gäste waren gut drauf, die Stimmung war super.» Zwei DJs aus Zürich bemerkten, dass die Brugger «aber auch noch festen» könnten.

Einzig über den Stromausfall vom Freitagabend ärgert sich Matter. Während der Hauptbesuchszeit fiel beim Stand 45 Minuten lang der Strom aus. Das zieht finanzielle Einbussen nach sich.

Die Kosten für die Beiz am Stadtfest Brugg werden von vier Personen gestemmt, alles Geld fliesst zurück in den Verein. Beruflich würden Rehm und Matter gern vermehrt in diese Richtung gehen. «Wir möchten unsere Musik auf legalem Weg unter die Leute bringen», sagt Rehm. Die Szene stehe oft in schlechtem Licht, weil Plätze nach Anlässen übel hinterlassen werden. Oder weil sie schnell mit Drogen in Verbindung gebracht wird. Aber Drogen würden auch in anderen Musikszenen konsumiert, relativiert Matter. Der Umgang sei bei Techno höchstens etwas lockerer.

Der Verein möchte Farbe ins Leben der Festbesucher bringen. Rehm lächelt: «Wenn eine Veranstaltung gelungen ist, wissen wir wieder, wieso wir es machen.»