Windisch

Rücktrittsforderung aus Lehrerschaft: Schulpflege zieht externen Berater bei – anonymer Brief aufgetaucht

Die Windischer Schulpflege sagt, wie es weitergeht, und die CVP stellt sich hinter ihre Schulpflegerin. Derweil ist ein anonymer Brief aufgetaucht.

Janine Müller
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90 Lehrpersonen haben den Rücktritt der CVP-Schulpflegerin Zeynep Karavus gefordert.

90 Lehrpersonen haben den Rücktritt der CVP-Schulpflegerin Zeynep Karavus gefordert.

Alex Spichale

Nachdem über 90 Lehrpersonen den Rücktritt der CVP-Schulpflegerin Zeynep Karavus gefordert haben, nimmt der interimistische Leiter der Schulpflege, Suad Maliqi, schriftlich Stellung zur Situation.

Auf Nachfrage der AZ schreibt er, dass die Schulpflege zu dritt weitermachen wird. Dies auch nach der jüngsten Berichterstattung, in der der Ex-Schulpflegepräsident bekannt gab, dass er Karavus bereits im Jahr 2016 zum Rücktritt aufgefordert hatte. Grund für den Entscheid, weiterzumachen: «So bleiben wir weiterhin als Gremium handlungsfähig. Dieses ist wichtig, um die Schule Windisch strategisch führen und weiterbringen zu können», sagt Maliqi.

Die Schreiben der Lehrpersonen habe die Schulpflege zur Kenntnis genommen. «Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt. Nach einigen Gesprächen werden wir nun eine Antwort auf die Schreiben der Lehrpersonen erfassen.»

Der Schulpflege sei es wichtig gewesen, «dass wir zuerst ein Gesamtbild über die aktuelle Situation erhalten, bevor wir weitere Schritte planen und durchführen».

In diesem ersten halben Jahr 2019 werde sich die Schulpflege intensiv damit beschäftigen, die Organisation zu stabilisieren und die Kommunikation zu verbessern. «In der Kommunikation ist es uns wichtig, klare Kommunikationswege zu schaffen und transparent zu kommunizieren», sagt Maliqi. Und: Aufgrund fehlender Ressourcen werde man nun einen externen Berater im Wiederaufbauprozess miteinbeziehen. «Als Schulpflege blicken wir positiv in die Zukunft und sind überzeugt, die richtigen Massnahmen getroffen zu haben.»

Partei sucht das Gespräch

Nach den Aussagen des Ex-Schulpflegepräsidenten in der AZ wird die Leitung der Windischer CVP das Gespräch mit ihrer Schulpflegerin und dem zuständigen Gemeinderat suchen. Susanne Keller, die als Präsidentin der CVP zurückgetreten ist, ist zurzeit noch immer Ansprechperson des Parteivorstands.

Auf Nachfrage der AZ, warum die CVP nach den Vorkommnissen im Jahr 2016 Zeynep Karavus dennoch erneut als Schulpflegerin nominierte für die neue Amtsperiode, sagt sie: «Sie war motiviert und interessiert am Amt, hatte genügend Zeit dafür und konnte zudem auf Erfahrung zurückblicken.»

2016 habe es erstmals ein Problem gegeben. «Wir sind davon ausgegangen, dass es ein persönliches Problem zwischen dem damaligen Schulleiter und ihr war», sagt Keller. «Entsprechend hofften wir, dass sich dieses mit dem neuen Schulleiter löst.» Allerdings habe die CVP keine Kenntnisse von den konkreten Vorkommnissen gehabt – wegen des Amtsgeheimnisses.

Den Vorwürfen, dass Karavus aufgrund ihrer Sprachkenntnisse nicht für das Amt genügt, widerspricht die CVP-Leitung. «Sie spricht Hochdeutsch und versteht Schweizerdeutsch.» Keller betont, dass es Leute aus Schulnähe gebe, die Karavus’ Arbeit schätzen. «Wir hören Stimmen, die sagen, dass es gut ist, dass jemand den Lehrpersonen Paroli bietet.»

Kritik an Unterschriftenaktion

Am Freitag erhielt die AZ ein anonymes Schreiben per Post. Titel: «Reaktion besorgter Lehrpersonen der Schule Windisch». Darin heisst es: «Es gingen verschiedene Schreiben umher, in denen die Schulpflege dazu aufgefordert wurde, zurückzutreten. Wir Lehrpersonen sollten diese unterschreiben und so das Anliegen unterstützen.» Die Umstände, unter welchen diese Aktion stattfand, seien fragwürdig, genauso wie der freie Wille, unter dem die Unterschriften eingesammelt wurden. Die Absender schreiben weiter: «Uns wurde dieses Bild vermittelt: Von nun an führen Judith Zürcher und Philipp Grolimund die Schule Windisch gemeinsam. Judith Zürcher hat stets als Unterstützerin von Philipp Grolimund agiert, dabei aber nicht das Bild vermittelt, Teil einer Aufsichtsbehörde zu sein.» Und: «Der Gesamtschulleiter hat sich nie bereitwillig auf ein Gespräch mit uns eingelassen.»

Verantwortlich für die schlechte Stimmung seien Zürcher und Grolimund. Die Absender hoffen, dass es einen neuen Gesamtschulleiter gibt, der «die Anliegen aller berücksichtigt und ernst nimmt» und dass die kommenden Schulpflegemitglieder ihre Aufgaben gewissenhaft ausführen werden. Aufgrund der Anonymität ist nicht klar, wer hinter dem Absender steckt. Die Quelle des Absenders ist – im Gegensatz zu den Briefen der über 90 Lehrpersonen – unbekannt.