Schinznach-Bad
Von «Fortyseven» bis Corona: Geschäftsjahr von Bad Schinznach Gruppe war geprägt von Hochs und Tiefs

Am Bilanzgespräch in Schinznach-Bad gaben CEO Daniel Bieri und Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wyss Einblick in ein durchwachsenes 2021. Sorgenkind war weiterhin der Bäderbereich.

Maja Reznicek
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Der Bäderbereich musste im letzten Jahr einen weiteren Umsatzrückgang von minus 7,1 Prozent verkraften.

Der Bäderbereich musste im letzten Jahr einen weiteren Umsatzrückgang von minus 7,1 Prozent verkraften.

zvg

Es ist ein Luftschnappen nach dem Tauchgang. Zwar sei das Ergebnis der Bad Schinznach Gruppe im letzten Geschäftsjahr nach wie vor von den Folgen der Coronapandemie geprägt. Wie CEO Daniel Bieri und Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wyss am Bilanzgespräch am Donnerstag bekanntgaben, konnte das Unternehmen trotzdem einen Umsatz von 48,72 Millionen Franken – das sind 2,32 Millionen Franken mehr als noch 2020 – erwirtschaften.

Insgesamt lag der Gewinn bei 2,25 Mio. Franken. Wyss erklärt:

«Wir waren betrieblich besser vorbereitet und wurden von der Pandemie nicht überrascht.»

Für eine Aufwertung in der Bilanz sorgten im vergangenen Jahr gemäss Wyss die Unterstützung verschiedener Kantone. Die Coronahilfen für das Jahr 2020 verbesserten dem Gewinn im 2021 um 1,5 Millionen Franken. Des Weiteren habe die Möglichkeit, Kurzarbeit für die Mitarbeitenden einzugeben, enorm geholfen. Bieri sagt: «Darum mussten wir auch niemanden entlassen.»

Privatklinik hat Belegungszahlen wie vor Corona

Gemäss Bieri und Wyss sind sowohl die Privatklinik sowie das Kurhotel Im Park in Schinznach-Bad und die Klinik Meissenberg in Zug deutlich besser durch die Krise gekommen als im Vorjahr. Nach einem «äusserst schwierigen Start» verbesserte sich die Lage in der Privatklinik im zweiten Quartal. Im Geschäftsbericht heisst es:

«Auf das ganze Jahr gerechnet, weisen wir wieder Belegungszahlen wie vor der Coronakrise aus.»

19’688 Pflegetage verzeichnete die Institution im Jahr 2021, 2020 waren es noch 17’737 gewesen, 2019 19’491. Im Kurhotel lag die Zimmerauslastung im Gesamtjahr bei «beachtlichen» 73,7 %. 10’736 Logiernächte wurden hier verbracht (2020: 9174).

Daniel Bieri (links), Vorsitzender der Geschäftsleitung, und Hans-Rudolf Wyss, Verwaltungsratspräsident, rechnen im aktuellen Jahr mit keinen weiteren schweren Einschränkungen durch die Coronakrise.

Daniel Bieri (links), Vorsitzender der Geschäftsleitung, und Hans-Rudolf Wyss, Verwaltungsratspräsident, rechnen im aktuellen Jahr mit keinen weiteren schweren Einschränkungen durch die Coronakrise.

Maja Reznicek

Sorgenkind blieb 2021 wie im Vorjahr der Bäderbetrieb. Gemäss Geschäftsbericht lag die Anzahl Eintritte bei den Thermalbädern mit 212’196 (2020: 203’946) immer noch deutlich unter denen vor der Pandemie (2019: 322’125). Im Vorjahr wurden mit 41’372 Tickets ebenfalls noch deutlich mehr Eintritte für die Sauna verkauft (2021: 27’564).

Dies mag nicht verwunderlich sein: Bis am 1. März 2021 musste der Bäderbereich aufgrund der Coronamassnahmen geschlossen bleiben, danach durfte der Aussenbereich des Aquarena Fun öffnen. Im Herbst folgte dann zuerst die Restriktionen durch die 3G-Regel, im Dezember dann 2G-plus. Gemäss Mitteilung der Bad Schinznach Gruppe erzielten die Thermalbäder einen Umsatzrückgang von minus 7,1 Prozent (zirka 500’000 Franken).

Die Restriktionen hielten die Menschen von einem Besuch im Aquarena Fun ab.

Die Restriktionen hielten die Menschen von einem Besuch im Aquarena Fun ab.

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Im letzten Jahr eröffnete mit dem «Fortyseven» in Baden ein weiteres Thermalbad im Kanton. Daniel Bieri sieht die neue Konkurrenz entspannt: «Wir beobachten die Situation natürlich. Nach sechs Monaten lässt sich aber sagen: Wir spüren vom Fortyseven überhaupt nichts.» Man komme gut aneinander vorbei, habe beispielsweise unterschiedliche Zielgruppen.

Baustart von Projekt «Hotel» soll im 2024 erfolgen

Der Start ins aktuelle Jahr ist gemäss CEO Daniel Bieri gelungen. Im Januar zeigten sich die Besucherzahlen im Bäderbereich noch verhalten. Seit Mitte Februar arbeiten alle Geschäftsbereiche – sowohl bei der Bad Schinznach AG als auch in der Klinik Meissenberg AG – wieder gut. Im Geschäftsbericht heisst es dazu:

«Allein in den ersten vier Tagen nach der Abschaffung der Zertifikatspflicht konnten wir 70 Prozent mehr Besucherinnen und Besucher zählen als in der Periode eine Woche zuvor.»

Bieri fügt jedoch an: «Was uns im Herbst erwartet, wissen wir noch nicht.»

Das Kurhotel Im Park erlebte 2021 eine Belegung von über 70 Prozent.

Das Kurhotel Im Park erlebte 2021 eine Belegung von über 70 Prozent.

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Nichtsdestotrotz will das Unternehmen im aktuellen Jahr ein neues Projekt vorantreiben. Dabei soll gemäss Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wyss ein Neubau mit 25 Zimmern für Kurgäste entstehen. Das bisherige Gebäude für den Hotelbetrieb würde dann für den Klinikbereich umgenutzt. Ziel sei es, die Baubewilligung 2022 zu erhalten und im Frühling/Sommer 2024 mit der Realisierung des Projekts zu starten. Gleichzeitig finden laut Hans-Rudolf Wyss aktuell etappenweise Erneuerungen der Klinikzimmer statt.

In wenigen Tagen begeht die Bad Schinznach AG zudem ein Jubiläum: Mit der Gründung am 19. April 1922 wird die Aktiengesellschaft 100 Jahre alt. Abgesehen von einem Anlass für die Mitarbeitenden werde man aber auf grosse Feierlichkeiten verzichten, versicherte Wyss.

Man strebe dafür eine volle Dividendenausschüttung an die über 800 Aktionärinnen und Aktionären an. Beantragt wird dies am 18. Mai an der 100. Generalversammlung in der Turnhalle Schinznach-Bad.