Brugg

Sie haben dem «Gschechte-Rad» Leben eingehaucht

Das Kunstwerk im Stadtgarten könnte sich zu einem regelmässigen Treffpunkt für die Bevölkerung entwickeln. Der Auftakt mit Frauen von der Bibliothek ist geglückt. An weiteren Ideen fehlt es nicht.

Claudia Meier
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Zuerst Geschichten, dann Cervelat-Bräteln: Die Gäste geniessen das gemütliche Zusammensein im Brugger Stadtgarten.

Zuerst Geschichten, dann Cervelat-Bräteln: Die Gäste geniessen das gemütliche Zusammensein im Brugger Stadtgarten.

Claudia Meier

Der Schrott für das «Gschechte-Rad» stammt aus Brugg. Ebenso der Künstler Dominik Bingisser. Und die Geschichten, die Joséphine Erne-Anrig und Käthi Süess von der Stadtbibliothek am wärmenden Feuer am Donnerstagabend im Stadtgarten erzählen, handeln ebenfalls von Brugg. Rückblick: Anfang Mai letzten Jahres schenkte die CVP-Stadtpartei der Bevölkerung das «Gschechte-Rad».

Die Plastik mit alten Werkzeugteilen ein einer Traktorenfelge soll die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpfen und zum Erfinden von Geschichten anregen. Um das zu erreichen, hat die Ortspartei nun erstmals einen öffentlichen Anlass mit zwei Geschichtenerzählerinnen und anschliessendem Cervelat-Bräteln organisiert. Rund 30 Neugierige sind gekommen.

Bözbergstrasse entscheidend

Die Präsidentin des Vereins Stadtbibliothek, Käthi Süess, hatte in den alten Brugger Neujahrsblättern gestöbert und nimmt die Zuhörer mit auf Reisen über den Bözberg und die ersten Aare-Brücken, die aus einfachen Baumstämmen bestanden. «Genau genommen ist es die Bözbergstrasse, die die Stadt Brugg zu dem gemacht hat, was sie heute ist», fasst Süess die Entwicklung über mehrere Hundert Jahre in einem Satz zusammen.

Besonders gross war jeweils die Angst vor Hochwasser. So verwundert es nicht, dass die Brücke an der engsten Stelle der Aare im Lauf der Zeit höher, stabiler und breiter wurde. 1923 baute man die Brücke, die noch heute Bestand hat. «Erst mit der Eröffnung der Casino-Brücke im Jahr 1980 wurde die alte Aare-Brücke vom vielen Verkehr entlastet und konnte sich erholen», sagt Süess.

Bibliotheksleiterin Joséphine Erne-Anrig hatte in Büchern Geschichten über das neuere Brugg entdeckt. Sie liest unter anderem aus dem Krimi «Böckels Mysterium» von Ursula Reist vor und verrät, was sich in den Terrassenhäusern hinter der Stadtbibliothek abgespielt haben könnte. Zum Abschluss empfiehlt sie den Anwesenden, den Roman «Als der Regen kam» von Urs Augstburger. Der Autor beschreibt darin den Ausnahmezustand, der während dem Jugendfest in der beschaulichen Stadt herrscht.

Keine politische Absichten

Die Idee, dem Kunstwerk mit Geschichten Leben einzuhauchen, hatte CVP-Fraktionspräsidentin Barbara Iten. «Es gibt zwar Leute, die skeptisch sind, wenn eine Partei einen gesellschaftlichen Anlass organisiert.» Iten beteuert aber, dass keine politischen Absichten dahinter stecken. Sie ist überzeugt, dass es in Brugg vermehrt solche Veranstaltungen geben sollte, wo sich die Bevölkerung unkompliziert austauschen kann. Während der gemütlichen Gesprächsrunde am Feuer werden bereits neue Pläne für weitere öffentliche Anlässe im Brugger Stadtgarten geschmiedet. An Ideen fehlt es nicht.