Bözberg

Softair-Pistolen-Vorfall: Bözberger Vizeammann brachte Affäre ins Rollen

Ein Bözberger Lehrer führte seinen Schülern im Unterricht eine Softair-Pistole vor. Nun ist klar: Es war die Mutter eines Schülers, welche die Schulleitung informierte, konkret um die Frau Vize-Gemeindeammann. Hatte ihre Beschwerde politische Gründe?

Janine Müller
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An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf. (Symbolbild)

An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf. (Symbolbild)

TeleM1/az

Die Schule Bözberg kommt nicht zur Ruhe. Das hätten sich alle Beteiligten gewünscht. Stattdessen wurde am Freitag bekannt, dass Vizeammann Carmen Stahel Auslöserin des Aufruhrs an der Schule ist. Sie war jene Person, die sich mit einem Brief an die Eltern der Fünft- und Sechstklässler gewendet hat, wie der «Blick» schreibt.

Die 44-jährige Stahel ist im Gemeinderat für die Bildung zuständig. Nur: Im Brief bezog sie sich offenbar nicht auf die Vorkommnisse mit der Softair-Pistole, die Lehrer S. P.* zu Vorführungszwecken im Schulzimmer verwendete.

Gemäss «Blick» habe Stahels Sohn «von einer Begebenheit mit einer Plastikspielzeugpistole während des Unterrichts» erzählt. Auf Nachfrage habe er gesagt, es sei «ein Witzli» des Lehrers gewesen.

«Er selber fand dies aber wegen der damit verbundenen Symbolik nicht ganz so lustig», heisst es im Brief von Carmen Stahel. Weiter: «Scherze mit Waffen – egal welcher Art – sind im pädagogischen Umfeld nicht angebracht.»

Sie habe betont, dass es sich nach den Worten ihres Sohns «nicht um die Waffe handelte, welche auf dem Pausenplatz konfisziert wurde». Laut Stahel gab es eine zweite Pistole, die S. P. den Schülern zeigte.

Dabei handelte es sich offenbar um eine Spielzeugpistole. «Von Nötigung oder Bedrohung der Kinder war nie die Rede», wird Stahel im «Blick» zitiert. Mit der Schulleitung sei sie so verblieben, dass diese den Lehrer darauf anspreche.

Die Schulleitung allerdings nahm keinen Kontakt mit dem Lehrer auf, sondern mit dem Schulinspektor und der Schulpflegepräsidentin Barbara Dethomas, die ihr Amt sowieso per Ende Jahr niederlegt.

Angriffe nicht gerechtfertigt

Die Folgen sind bekannt: Es kam zu einem Polizeieinsatz an der Schule. Schulzimmer, Auto und Wohnung des 54-jährigen Lehrers wurden durchsucht. Gegen ihn läuft jetzt ein Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie versuchter Nötigung. Er hat aber bereits vor diesen Ereignissen per Ende Januar gekündigt und hat auch eine neue Stelle.

Nun haben sich offenbar besorgte Bözberger an den «Blick» gewandt. Sie schreiben: «Sie hat ein persönliches Problem mit dem Lehrer und wollte ihn loswerden.» Stahel soll stören, dass der Lehrer Sparmassnahmen bekämpfe.

Jetzt steht also ein Mitglied der Gemeindebehörde im Fokus. Gemeindeammann Peter Plüss sagt dazu: «Der Gesamtgemeinderat steht hinter Carmen Stahel. Er bedauert die persönlichen Angriffe auf die Ratskollegin, weil sie nicht gerechtfertigt sind.»

Dass Carmen Stahel am einberufenen Elternabend nicht auftauchte, der zur Aufarbeitung der Ereignisse einberufen wurde, findet er richtig. Ansonsten ist er der Meinung, dass sich der Gemeinderat nicht in die Ereignisse einmischen soll.

«Bisher war es nicht die Aufgabe des Gemeinderats, sich um dieses Thema zu kümmern. Das ist Sache der Schulpflege», sagt Peter Plüss. Es bleiben einige Fragen offen. Beantworten will die zurzeit niemand.

Weder Carmen Stahel noch Schulpfleger Hans Peter Flückiger, über den die Kommunikation läuft, wollten sich gegenüber der az äussern. Folgende Fragen bleiben also offen:

  • Warum sprach die Schulleitung nicht mit dem Lehrer?
  • Was passiert mit den zwei Schülern, die die Softair-Pistole an die Schule brachten? Haben sie ebenfalls ein Verfahren am Hals?
  • Warum nahm Carmen Stahel nicht am Elternabend teil?
  • Was hat es mit dem Vorwurf auf sich, dass Carmen Stahel offenbar ein persönliches Problem mit S. P. hat?

Gemäss Aussage von Hans Peter Flückiger und Peter Plüss wird die Schulpflege nächste Woche über den Fall informieren.

*Name der Redaktion bekannt

So funktionieren Softair-Waffen

Softair-Waffen sind Druckluftwaffen. Sie verschiessen mit Federdruck, Gas oder einem elektromechanisch betriebenen Druckluftsystem Rundkugeln aus verschiedenen Materialien. Sie sind oft täuschend ähnlich echten Waffen nachempfunden, führen aber keine lebensgefährlichen Verletzungen herbei. (jam)