Brugg

«time flies»: Sie führt uns mit ihrem Plakat das Schicksal vor Augen

Im Rahmen des Projekt «Denkzettel», gestalteten junge Grafiker Plakate zum Thema «Entschleunigung». Das Plakat der Grafik-Studentin Alexandra Wardle wird nun bald in der ganzen Deutschschweiz ausgestellt.

Deborah Bläuer
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Das Plakat von Alexandra Wardle wurde am Freitag an der Vernissage in Luzern präsentiert.

Das Plakat von Alexandra Wardle wurde am Freitag an der Vernissage in Luzern präsentiert.

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Die Uhr tickt. Gnadenlos bewegt sich der Sekundenzeiger vorwärts. Schon ist wieder eine Minute um, bald sind es zehn und in Kürze wird eine Stunde vergangen sein. Dabei gibt es noch so viel zu erledigen. Unsere heutige Zeit ist geprägt von Hektik und Eile. Alles soll immer schneller und am besten jetzt sofort geschehen.

Alexandra Wardle zeigt: Wie der Eintagsfliege (unter dem E), kann auch dem Menschen die Zeit davonrennen

Alexandra Wardle zeigt: Wie der Eintagsfliege (unter dem E), kann auch dem Menschen die Zeit davonrennen

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Die Werbefirma APG/SGA Luzern hält mit Plakaten dagegen. Das Unternehmen fordert den Betrachter im Rahmen von «Denkzettel» auf, innezuhalten. Bei diesem Projekt, das heuer bereits zum 21. Mal durchgeführt wird, sind junge Menschen eingeladen, ihre Gedanken, Ideen, Wünsche und Erwartungen zum Jahreswechsel zu formulieren.

Deswegen gestalten die Studenten im zweiten Jahr der Fachklasse Grafik des Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrums Luzern jedes Jahr Plakate zu einem bestimmten Thema. Diesmal ist es «Entschleunigung». Rund 30 angehende Grafiker bekamen im vergangenen März drei Wochen Zeit, um sich Gedanken dazu zu machen und diese gestalterisch umzusetzen.

Pro Person konnten fünf Ideen eingereicht werden. Die besten zehn wurde am letzten Freitag an der Vernissage in Luzern präsentiert und sind dort noch bis zum 30. Januar auf der Piazza vor der Luzerner Kantonalbank ausgestellt. Anschliessend werden sie auf Plakatwänden in der ganzen Deutschschweiz zu sehen sein.

Zu den ausgewählten Plakaten gehört auch das der Bruggerin Alexandra Wardle. Durch die knallgelbe Farbe fällt es sofort auf. Gut sichtbar steht in grossen schwarzen Blockbuchstaben geschrieben «time flies», was auf Deutsch übersetzt «die Zeit fliegt» heisst. Die englische Redewendung entspricht dem Ausdruck «Die Zeit vergeht wie im Flug.» Unter dem Buchstaben E des Worts «time» liegt eine kleine, zerdrückte Eintagsfliege.

Parallelen zu einer Eintagsfliege

Wardle erklärt, wie das zu verstehen ist: «Das Plakat hat mit dem Leben einer Eintagsfliege zu tun.» Denn wie diesem Insekt, könne auch uns Menschen die Zeit davonrennen oder wie im Flug vergehen. Entschleunigen ist Verlangsamen und mit ihrem Plakat will sie das Gegenteil davon thematisieren und dem Betrachter auch die unentrinnbare Schicksalhaftigkeit des eigenen Lebens vor Augen führen.

Gelb hat sie gewählt, weil die Farbe auffällt. Schliesslich bestehen auch viele Warnschilder aus gelbem Hintergrund und schwarzer Schrift. Eine Hürde sei erst mal der Begriff «Entschleunigung» gewesen, erzählt Wardle.

«Die erste Reaktion von meinen Mitstudenten und mir war, zu googeln und Synonyme zu diesem Wort zu suchen.» Daraus hätten sich dann nach und nach die Ideen für ihre beiden Werke entwickelt. Auf ihrem zweiten Plakat zeigt sie übrigens eine Alltagszene: eine Bahnunterführung, die voll mit Menschen ist.

Wardle erfuhr per Whatsapp, dass ihr Plakat «time flies» unter den zehn besten Arbeiten ist. Denn an jenem Tag, als in der Schule die Gewinner bekannt gegeben wurden, legte die 19-Jährige selbst eine unfreiwillige Entschleunigung ein.

Sie war krank und blieb zu Hause. Da war die Überraschung natürlich umso grösser. Familie und Freunde freuten sich mit ihr. «Das ist ein cooles Plakat, wir sind stolz auf dich», hiess es aus Wardles Umfeld.

Seit diesem Tag und der Vernissage liegen fast zehn Monate. Die Zeit rast eben. Wie im Flug vergeht sie für Wardle übrigens auch, wenn sie ihrer Leidenschaft dem Gestalten nachgeht und sich ganz in der Arbeit verliert.