Vize-Kommandant Raphael Sutter spricht von Mobbing

Nur ein halbes Jahr nach der Fusion der Feuerwehren Remigen, Rüfenach und Villigen zur neuen Feuerwehr Geissberg hat der Vizekommandant Raphael Sutter seinen Austritt bekannt gegeben. Nicht ganz freiwillig, wie er selbst findet.

Marc reinhard
Drucken
Teilen
Schlussübung 2010 der Feuerwehr Geissberg

Schlussübung 2010 der Feuerwehr Geissberg

Zur Verfügung gestellt

Gestern hätte der Remiger seinen letzten Einsatz an der Hauptübung wahrnehmen können. Er hat «dankend abgelehnt». Zuvor war sein Abschiedsmail mit unmissverständlicher Botschaft in den Mailboxen der Mitglieder gelandet.

Dank mit Unterton

Das Mail beginnt harmlos: «Ich möchte mich bei Euch bedanken und mich verabschieden», schreibt das zweithöchste Kadermitglied. Er habe interessante Leute kennen gelernt, mit denen das Arbeiten Freude gemacht habe. Dann ändert der Stil, und zwischen den Zeilen kommt eine deutliche Portion Frust zum Ausdruck.

Seine Feuerwehrkameraden, notabene nicht nur die Kaderleute, bekommen Sutters Zwist mit Kommandant André Jacquat aus Villigen deutlich zu lesen. Sutter schreibt: «Meine Arbeit (im Beruf, Anm. der Redaktion) ist an Schichtdienste gekoppelt, weshalb ich nicht immer an allen Übungen teilnehmen konnte.» Diese Tatsache sei nicht akzeptiert worden, und so sei der Vizekommandant nach und nach aus den Entscheidungen der Führungsriege ausgeschlossen worden. Der Begriff Mobbing sei hierfür nicht ganz falsch.

Kräfteverhältnis «nicht ausgeglichen»

Der nunmehr ehemalige Vizekommandant wirft seinem Vorgesetzten ausserdem vor, bei der Vergabe der Kaderpositionen für das neue Organigramm parteiisch vorgegangen zu sein. «Wir sind zwar alle in der Runde gefragt worden, welchen Posten wir uns am besten vorstellen können. Heute sind aber trotzdem fast alle bedeutenden Positionen mit Villigern besetzt.» Das politische Kräfteverhältnis sei alles andere als ausgeglichen.

Letzteres dementiert Kommandant André Jacquat nicht: Weil zum Beispiel die Brandschutzanforderungen im Paul-Scherrer-Institut spezielle Geräte und Ausbildungen erforderten, seien die Feuerwehrleute aus Villigen dahin gehend besser ausgebildet. Der grossartige Einsatz in Rüfenach habe jedoch gezeigt, dass die fusionierten Teams sehr gut zusammanarbeiten. «Man merkt nicht, wer woher kommt, und das ist auch nicht wichtig in der Feuerwehr Geissberg.»

Zu Sutter persönlich hält er klar fest: «Er hat eine Aufgabe angenommen, die mit seinem beruflichen Zeitplan offensichtlich nicht vereinbar ist. Ich hatte Verständnis, als er seine Demission angekündigt hat.»

Für den Stil hat Jacquat weniger Verständnis. «Schade», sagt er nur. «Gewisse Gespräche habe ich mit Raphael Sutter nicht in Einigkeit beendet. Trotzdem habe ich mit ihm im Grunde kein Problem.»

Sind viele Alpha-Tiere sinnvoll?

Für Thomas Meier, Präsident der Regionalen Feuerwehr Geissberg, sind Spannungen nach einem solchen Fusionsschritt nachvollziehbar. «Es sind drei Kulturen aufeinandergeprallt, für viele war die Fusion eine Vernunftlösung, weniger ein Wunsch.» Ob eine Organisation mit vielen Alpha-Tieren in Zukunft sinnvoll sei, werde sich zeigen.