Brugg

Wegen mehrerer Coronafälle: Pflegezentrum Süssbach macht für zwei Wochen dicht

Eine Umfrage im Bezirk Brugg zeigt, wie in Pflegezentren mit der verschärften Coronasituation und dem grossen Druck umgegangen wird.

Katja Gribi
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Im Pflegezentrum Süssbach ist die Krise auch am Eingang präsent.

Im Pflegezentrum Süssbach ist die Krise auch am Eingang präsent.

Katja Gribi

Am Montag musste das Pflegezentrum Süssbach in Brugg seine Türen schliessen. Wegen mehrerer Coronafälle auf zwei Stationen werden Besuche für 14 Tage nicht zugelassen und die Tages betreuung zugemacht. Das Restaurant ist nur für Mitarbeitende zugänglich.

Seit die Coronafallzahlen wieder angestiegen sind, ist umso grössere Vorsicht gefordert, um die zur Risikogruppe gehörenden Bewohner zu schützen. Eine Umfrage bei den Altersheimen des Bezirks Brugg zeigt, wie sich die erneute Verschärfung der aktuellen Coronasituation auf den Alltag der Bewohner und Pflegenden auswirkt.

Besuche nur unter strengen Schutzmassnahmen

Im Lindenpark Sanavita in Windisch ist das Restaurant nach wie vor geöffnet – auch für externe Gäste. Möglich sei dies aber nur, weil dort zwei Räume zur Verfügung stehen und die Gäste strikt von den Bewohnern getrennt werden können, erzählt Geschäftsführer Walter Weber. Anderenorts sind die Restaurants nur für Bewohner und Besucher zugänglich oder ganz geschlossen.

Dennoch: Die aktuellen Verhältnisse unterscheiden sich stark von denen während des Lockdowns im Frühling. Um einer erneuten Trennung der Bewohner von den Angehörigen vorzubeugen, werden Besuche meist ermöglicht. Vielerorts ist eine Voranmeldung nötig, die Besucherzahl ist zudem auf maximal zwei Gäste beschränkt.

Die Angestellten setzen viel daran, den Bewohnern einen normalen Alltag zu gewährleisten. Es sei darum umso frustrierender, wenn sich Besucher nicht an die Vorschriften halten und ihre Masken in den Zimmern ihrer Verwandten dann abziehen, erzählt Anita Schmidt-von Arx, Co-Leiterin des Alters- und Pflegeheims Auhof in Veltheim. Auch Walter Weber vom Lindenpark spricht über die Schwierigkeiten bei der Disziplin einiger Besucher. Man könne den Besuchern nur nahelegen, auch bei Ausflügen den nötigen Abstand zu wahren.

Im Auhof betont man, wie stark die Angestellten von der Krise betroffen sind: «Das ganze Team verzichtet auf soziale Kontakte und Abwechslung aus Sorge, das Virus ins Pflegeheim zu bringen. Dies alles ist ein grosser psychischer Druck», erzählt sie. Dass trotz aller Vorsichtsmassnahmen Ansteckungen fast nicht zu vermeiden sind, zeigt die aktuelle Lage des Pflegezentrums Süssbach.

«Bei den Bewohnern hatten wir bis letzten Freitag keinen Coronafall, dann aber auf einer Station einen und auf einer zweiten Station dreizehn positive Fälle», berichtet Hanspeter Müller, CEO des Süssbach Pflegezen trums. Das Zentrum wurde daher für zwei Wochen geschlossen.

Andernorts traten ebenfalls einzelne Fälle auf, jedoch nur bei Mitarbeitenden, die sich daraufhin isolierten. Im Pflegeheim Schenkenbergertal in Schinznach-Dorf wurde bisher nur ein positiver Fall bei einer Angestellten festgestellt, teilt Leiter Edgar Bussinger mit. Auch der Lindenpark hatte seit Beginn der Krise vier Fälle bei Mitarbeitenden zu verzeichnen.

Im Auhof will man sich nicht zu Coronafällen äussern, Leiterin Schmidt-von Arx stellt klar: «Alle Heime verfügen über gute Schutzkonzepte und sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass Heime, welche (noch) keine Fälle haben, vorsichtiger und besser arbeiten. Die hohen Ansteckungszahlen erhöhen einfach das Ansteckungsrisiko.»

Die Freizeitgestaltung der Bewohner soll dennoch abwechslungsreich bleiben. Die Aktivierungsprogramme wurden in den letzten Wochen wegen der Pandemie teils sogar verstärkt, wie Müller erklärt: «Wir haben die Aktivierungsteams verstärkt und das Programm ausgebaut, sodass auf den Stationen individuell auf die Bewohner eingegangen werden kann.»

Das kalte Wetter verhindert lange Aufenthalte draussen. Dass die Bewohner ihre Zeit an der frischen Luft verbringen konnten, erleichterte die Arbeit im Sommer, meint Schmidt-von Arx.

Schutzmasken erschweren die Kommunikation

Auch die Schutzmasken stellen nach wie vor ein Problem dar, hält Schmidt-von Arx fest. «Den Bewohnern machte und macht es am meisten Mühe, dass wir seit März mit Schutzmasken arbeiten. Sie haben sich zwar daran gewöhnt, aber es erschwert doch die Kommunikation», sagt sie.

Nebst dem Mehraufwand, den das Schutzkonzept mit sich bringt, sei auch die Arbeit mit an Demenz erkrankten Bewohnern intensiver. Um auch hier die Einhaltung der Schutzmassnahmen zu gewährleisten, wird viel Aufklärungsarbeit verrichtet. «Es kann durchaus sein, dass die Kunden verstehen, was mit Schutzmassnahmen gemeint ist, dies aber relativ schnell wieder vergessen. Andere muss man begleiten und sicherstellen, dass die Massnahmen umgesetzt werden», schildert Müller.

Auch in Lupfig wird das Schutzkonzept allen Bewohnern täglich vermittelt. «Wir versuchen durch das Vorleben und Integrieren im Alltag, den Bewohnern die Schutzmassnahmen nahe zu bringen», lässt Beatrice Böhringer, stellvertretende Geschäftsführerin des Haus Eigenamt verlauten.

Bei den personellen Kapazitäten kommen viele Pflegezentren an ihre Grenzen. So auch im Pflegezentrum Süssbach: «Mitarbeitende, die getestet werden, fallen aus und müssen allenfalls in Quarantäne. Diese Ausfälle werden mit steigenden Fallzahlen immer häufiger», bemerkt Müller. Eine Beruhigung der Gesamtsituation wäre daher eine grosse Erleichterung.