Windisch/Gebenstorf
Neuer Übergang für Fussgänger und Velos: Die Spinnereibrücke überquert die Reuss ohne Pfeiler

185 Tonnen Stahl auf 85 Metern: Ende Februar 2023 soll der neue Übergang für den Fuss- und Veloverkehr zwischen Windisch und Gebenstorf realisiert sein.

Michael Hunziker
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Eine unterspannte Stahlträgerbrücke: Im Wettbewerb hat das Projekt Kanagawa das Rennen gemacht.

Eine unterspannte Stahlträgerbrücke: Im Wettbewerb hat das Projekt Kanagawa das Rennen gemacht.

Visualisierung: zvg/Kai Timmermann

Es handelt sich um eine wichtige und schnelle Verbindung über die Reuss für die Fussgängerinnen und Fussgänger sowie die Velofahrerinnen und Velofahrer: An seiner nächsten Sitzung entscheidet der Windischer Einwohnerrat über den Kredit von 2,45 Mio. Franken für den Neubau der Spinnereibrücke. Mit dem geplanten Projekt Kanagawa kann gemäss Gemeinderat ein zeitgemässer, adäquater und langfristiger Ersatz sichergestellt werden.

Notfallmässig musste die Spinnereibrücke zwischen Windisch und Gebenstorf gesperrt werden im Herbst vor zwei Jahren: Die maroden Brückenpfeiler waren derart stark unterspült, dass sie als Sofortmassnahme mit Stahlprofilen stabilisiert werden mussten.

Eine spätere Klassierung als Radroute ist möglich

Ein Studienauftrag kam in der Folge zum Schluss, dass ein Ersatzneubau einer Instandsetzung der über 100-jährigen Eisenbetonbrücke klar vorzuziehen sei. Lanciert wurde ein Projektwettbewerb. Zum Sieger kürte das Preisgericht – mit Vertretungen von Gemeindepolitik und Anwohnerschaft sowie mit Fachexperten – das Projekt Kanagawa der Büros Fürst Laffranchi Bauingenieure GmbH aus Aarwangen BE sowie Felgendreher Olfs Köchling Architekten aus Azmoos SG.

Diese schlugen eine unterspannte Stahlträgerbrücke vor, die mit geringem Materialaufwand den gesamten Flussraum stützenfrei überquert. Für die Überbrückung der Spannweite von 85 Metern werden 185 Tonnen Stahl verwendet, was gemäss Beschrieb gerade mal 2,2 Tonnen Stahl pro Laufmeter entspricht. Die Fahrbahnbreite beträgt 4 Meter. Ausgestaltet wird die Spinnereibrücke wieder für den Fussgänger- und Veloverkehr. Zudem kann sie genutzt werden vom Kommunalfahrzeug für den Unterhalt.

Die unterspülten Brückenpfeiler mussten stabilisiert werden.

Die unterspülten Brückenpfeiler mussten stabilisiert werden.

mhu (28. März 2021)

Die Route über die Spinnereibrücke ist im Verzeichnis Wanderwege und im Inventar historischer Verkehrswege Aargau aufgeführt. Derzeit ist der Übergang nicht als kantonale Radroute vorgesehen, hält der Gemeinderat fest. Mit den anstehenden Agglomerationsprojekten sei eine Zunahme des Radverkehrs zu erwarten und eine spätere Klassierung als Radroute möglich.

Die erhöhte Lage wirkt sich positiv auf den Hochwasserschutz aus

Die Unterkante der neuen Spinnereibrücke muss in der Mitte 1,2 Meter und am Rand 0,7 Meter über dem Wasserspiegel eines hundertjährigen Hochwassers liegen. Aufgrund der Höherlegung sind Zugangsrampen notwendig, die ihrerseits eine Erhöhung der bestehenden Ufermauern erfordern. «Die Anpassungen am bestehenden Terrain und die erhöhte Lage der neuen Brücke wirken sich positiv auf den Hochwasserschutz aus», stellt der Gemeinderat fest und ergänzt:

«Das Hochwasser im Juli 2021 zeigte eindrücklich, dass eine Erhöhung der Brücke notwendig ist, um Schäden bei einem grossen Hochwasser zu vermeiden.»

Geplant ist, die Bauarbeiten Anfang Oktober 2022 zu beginnen und Ende Februar 2023 abzuschliessen. Während dieser Zeit ist der Übergang gesperrt. Auf ein teures Provisorium wird verzichtet. Für den Fuss- und Veloverkehr wird eine Umleitung signalisiert über das Fahrgut und die Zollbrücke. Die Erschliessung der Baustelle ist ab der Seite Gebenstorf vor­gesehen.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf voraussichtlich 4,815 Mio. Franken, die von den Gemeinden Windisch und Gebenstorf getragen werden. Eine Subventionierung der Massnahmen im Rahmen der Agglomerationsprogramme seitens des Bundes ist laut Gemeinderat Windisch wahrscheinlich, jedoch noch nicht definitiv beschlossen. Die Rede ist von Beiträgen zwischen 25 und 35 Prozent.

Der Kanton lehnt eine Beteiligung ab. Er verweist darauf, so die Behörde, dass es sich hierbei um eine Nebenroute im Langsamverkehr beim Grossprojekt Oase handelt. Diese seien zu 100 Prozent durch die Gemeinden zu finanzieren. «Die Gemeinde Windisch ist bestrebt, die Route als Hauptroute aufzuwerten, und hat dem Kanton dies mit Verkehrsmessungen begründet», heisst es in der Botschaft an den Einwohnerrat. Die Verhandlungen würden diesbezüglich von der Gemeinde weitergeführt.

Einwohnerrat Mittwoch, 27. Oktober, 19 Uhr, Mehrzweckhalle Dorf; Mittwoch, 3. November, 19 Uhr, Campussaal.

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