Riniken
Wird das Gewerbe im Stich gelassen? «Bestehende Unternehmungen können sich hier nicht mehr entwickeln»

Gegen die Gesamtrevision der Nutzungsplanung ist ein Rückweisungsantrag angekündigt an der Gemeindeversammlung in Riniken. Und das von zwei Herren, die die Gemeinde aufgrund ihrer früheren Tätigkeiten sehr gut kennen.

Michael Hunziker
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Die Gewerbezone Lee hinter den Schulanlagen soll – geht es nach dem Gemeinderat – ausgezont werden.

Die Gewerbezone Lee hinter den Schulanlagen soll – geht es nach dem Gemeinderat – ausgezont werden.

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Die Gewerbezone Lee spaltet die Gemüter in Riniken. Konkret: die vorgesehene Aufhebung, respektive die Umlagerung mit Umzonung in eine Wohnzone im «Feisler». Am kommenden Montag entscheidet die Gemeindeversammlung über die Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung mit Bau- und Nutzungsordnung.

Widerstand kommt von Manfred Item, alt Gemeindeammann und Inhaber der einheimischen Müller Metallbau AG, sowie Jörg Hunn, langjähriger früherer Gemeindeschreiber. Sie setzen sich ein für den Erhalt der Gewerbezone Lee und stellen die Frage, ob das Gewerbe unerwünscht ist, verdrängt und im Stich gelassen wird im Dorf mit seinen rund 1450 Einwohnern.

Wegen Stromleitung war Überbauung nicht möglich

Die beiden erinnern an die letzte Zonenplanrevision vor rund 20 Jahren. Genehmigt wurde damals – auf Vorschlag des Kantons übrigens – die Gewerbezone Lee hinter dem Schulhaus. Das eingezonte Land habe allerdings nicht genutzt werden können wegen der darüber führenden Hochspannungsleitung. Diese sei nun vor kurzem abgebrochen worden. Will heissen: Die Gewerbefläche könnte überbaut werden – soll stattdessen aber ersatzlos ausgezont werden. «Bestehende Unternehmungen können sich in Riniken nicht mehr entwickeln, da kein Land zur Verfügung steht», hält Item fest. Er kündigt an, einen Rückweisungsantrag zu stellen an der Gemeindeversammlung. «Riniker Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer wären gezwungen, ihre Betriebe in anderen Gemeinden aufzubauen.» Profitable Unternehmen, hebt Item hervor, erweisen der Gesellschaft einen enormen Dienst. «Dank ihnen schaffen sie vor Ort Arbeitsplätze und damit Einnahmequellen für eine Vielzahl von Personen und für die öffentliche Hand.»

Item und Hunn sind überzeugt, dass es andere Möglichkeiten gibt für Wohnbauten und nennen das Gemeindeland in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen westlich der Schulanlagen im Lee. «Mit dem Verkauf dieses für eigene Zwecke nicht benötigten Landes könnte die Gemeinde ihre Schulden abbauen», so Hunn.

Kein Gewerbetreibender meldete sein Interesse an

Anders sieht es Werner Huber. Auch er ist früherer Gemeindeammann und hatte sich seinerzeit aktiv für die Gewerbezone eingesetzt. Seiner Meinung nach wäre es zu einfach, die Unüberbaubarkeit mit der Hochspannungsleitung zu begründen. Denn kein Gewerbetreibender, führt Huber aus, habe sich gegen das «überlange juristische Verfahren der Leitungsführung und der Verkabelung der Hochspannungsleitung eingesetzt». Seines Wissens habe während der gesamten 19 Jahre kein Gewerbetreibender Interesse an besagtem Gewerbeland angemeldet, «obwohl es möglich gewesen wäre, gewisse Bereiche der Gewerbezone mit bestimmten Projekten zu nutzen». Alle hätten sich in den Nachbargemeinden mit schönen und zweckmässigen Betrieben und Werkhöfen angesiedelt. Im Gegensatz zum Gewerbeland habe sich die Riniker Wohnzone ganz anders entwickelt, fährt Huber fort. «Da ist seit Jahren Interesse vorhanden.»

Kurz: Die Planungskommission sowie der Gemeinderat hätten sehr gute Arbeit geleistet. Eine Annahme des Rückweisungsantrags hätte fatale Folgen, hält Huber fest. Es könne nicht sein, dass wegen der unbenutzten Möglichkeit, das vorhandene Gewerbeland zu nutzen, das gesamte Traktandum zurückgewiesen werde.

Ähnlich äussert sich auf Nachfrage Gemeindeammann Ueli Müller. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass kaum ein Bedürfnis an Gewerbeland vorhanden sei, an Wohnzone aber schon. Oder anders gesagt: Neue Betriebe hätten Standorte gesucht an der Verkehrsachse und nicht in Riniken. «Wohnraum ist aber gefragt und im Sinne einer Interessenabwägung sollte Riniken den Aufschwung bei neuen Einwohnern suchen», so der Gemeindeammann. Von der Gemeindeversammlung erhofft er sich, antwortet er auf die entsprechende Frage, «eine sachliche und faire Auseinandersetzung mit der Situation».

Gemeindeversammlung: Montag, 24. August, 20 Uhr, Turnhalle Lee.