Bürokratie
Wegen Corona brauchen Firmen viel mehr Hilfe bei der Steuererklärung

Fragen zu Homeoffice, Kurzarbeit oder Härtefallregelungen bescheren viel Mehrarbeit, auch weil die Bestimmungen von Kanton zu Kanton unterschiedlich sind. Viele Kleinunternehmen suchen Unterstützung bei Treuhandfirmen. Ein Treuhänder aus Lenzburg erzählt.

Cynthia Mira
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Um sich im Dschungel der Coronabestimmungen zurecht zu finden, greifen immer mehr Firmen und Private auf die Hilfe von Treuhänder zurück.

Um sich im Dschungel der Coronabestimmungen zurecht zu finden, greifen immer mehr Firmen und Private auf die Hilfe von Treuhänder zurück.

Chris Iseli

Jedes Jahr flattert die Steuererklärung ins Haus. In diesem Jahr stehen die Angaben über Einnahmen und Ausgaben wegen der Coronapandemie unter einem etwas anderen Stern. Dies gilt für Privatpersonen, aber insbesondere auch Firmen. Es sind vor allem die Unternehmen, die in diesem Jahr vermehrt Treuhandfirmen aufsuchten, um sich im Dschungel von Kurzarbeit, Härtefallregelung und Hilfsgelder zurechtzufinden.

Andreas Wüthrich, Inhaber von Dynamis Treuhand in Lenzburg.

Andreas Wüthrich, Inhaber von Dynamis Treuhand in Lenzburg.

zvg

«Das Steuerrecht und das damit verbundene Ausfüllen der Steuererklärung wirft immer Fragen auf», sagt Andreas Wüthrich, Inhaber der Firma Dynamis Treuhand in Lenzburg. Das letzte Jahr sei für alle speziell gewesen. Mehr Anfragen von Privatpersonen habe es bei ihnen aber nicht gegeben. «Beratungen zum Thema Homeoffice, Berufskosten, und wie das in der Steuererklärung berücksichtigt werden kann, sind immer wieder ein Thema», sagt er.

Eine pauschale Antwort zu den coronabedingten Abzügen gebe es aber auch hier nicht. «Das ist von Situation zu Situation und von Kanton zu Kanton unterschiedlich», sagt er. Das Problem sei, dass gewisse Kantone zwar Merkblätter und Weisungen herausgeben, diese zu verstehen sei aber eine andere Frage. Gerade im eigenen Team sei ein regelmässiger Austausch wichtig, um die neuesten Bestimmungen in allen Einzelfällen richtig anzuwenden.

Hoffnung auf Augenmass bei den Steuerämtern

Wie die Steuerämter in der Veranlagungspraxis die coronabedingten Sachverhalte berücksichtigen und prüfen werden, bleibe gemäss Andreas Wüthrich noch abzuwarten. Möglicherweise seien die Ämter personell unterbesetzt, sagt er.

«Es bleibt zu hoffen, dass, wie teilweise von den Ämtern angekündigt, die Steuerveranlagungen 2020 mit dem nötigen Augenmass erstellt werden.»

Bei den Unternehmenskunden spürte die Treuhandfirma hingegen einen deutlichen Zuwachs von Beratungs- und Unterstützungsleistungen, so Wüthrich weiter. Gewisse Unternehmen konnten zwar trotz Covid im vergangenen Jahr praktisch durcharbeiten, wie er sagt, und waren weniger von der Pandemie betroffen wie beispielsweise die Gastrobranche.

«Wir unterstützen unsere Kunden bestmöglich; Zaubern können aber auch wir nicht, denn gegen behördliche Betriebsschliessungen können auch wir nichts tun.»

Die Bürokratie werde komplizierter. «Wir versuchten, individuell Hilfe zu leisten, inwiefern und auf welchem Weg Hilfsgelder oder Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden konnten», sagt er.

Für viele Unternehmer seien die notwendigen Formulare und Fristen oft viel zu kompliziert formuliert gewesen. Wobei die Bürokratie bereits seit Jahren für die KMU immer grösser und komplizierter werde. So seien Unternehmen auf das Know-how von Treuhandfirmen angewiesen. Die Arbeit werde auch nach Corona nicht ausgehen.