Frauenstimmrecht
«Lassen wir der nächsten Generation den Freiraum, den sie braucht!»

Serie zu 50 Jahre Frauenstimmrecht – heute mit Doris Fischer-Taeschler.

Kristin T. Schnider
Drucken
Teilen
Doris Fischer-Taeschler (66) war unter anderem FDP-Grossrätin und Präsidentin der Frauenzentrale Aargau.

Doris Fischer-Taeschler (66) war unter anderem FDP-Grossrätin und Präsidentin der Frauenzentrale Aargau.

Bild: Iris Krebs

Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt, die Frauenzentrale Aargau feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass stellt die AZ unter dem Titel «Frauenstimmen» jeden Montag eine Frau aus dem Aargau vor.

Doris Fischer-Taeschler war FDP-Grossrätin und Präsidentin der Frauenzentrale. Sie träumt davon, mit ihrem Lebenspartner noch viele Winkel der Erde und die Menschen, die dort leben, kennen zu lernen. Jetzt ist das Reisen eingeschränkt, die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist aufgeschoben. Für Fischer-Taeschler bedeutet Reisen Freiheit für den Kopf und die Seele. Aber sie war nie eine, die jammert. «Wir haben es gut hier, trotz Corona», sagt sie mit der heiteren Gelassenheit, die ihr vor 20 Jahren schon in einem Artikel in der «Aargauer Zeitung» zugeschrieben wurde und die auch ihr Leitstern ist.

Ihre politischen Tätigkeiten liegen hinter ihr, von den beruflichen und ehrenamtlichen hat sie die meisten abgegeben. Mit 66 «in Halbpension» ist sie zufrieden mit sich und der Welt und geniesst es, sich mit Herzblut den nationalen und internationalen Projekten zu widmen, die sie weiter betreut. Es ist schwer vorstellbar, dass Doris Fischer-Taeschler zu Hause sitzt und strickt. Sie lacht und meint: «Das wäre auch schwierig für meinen Partner.» Ohne ihn, den emanzipierten Mann, der mitzog, wäre es unmöglich gewesen, berufstätig und politisch aktiv zu sein und vier Kinder grosszuziehen. Sie sagt:

«Ein Paar, das Kinder auf die Welt stellt, hat eine gemeinsame Aufgabe, da ist nicht nur die Frau gefragt.»

Inakzeptabel findet sie, die seit je für Selbstverantwortung eintritt und nichts von Bevormundung und dem schnellen Ruf nach dem Staat hält, dass ihren Töchtern und Söhnen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch immer Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Tagesschulen und verlässliche Kitas sollten selbstverständlich sein: «So kann der eigene Tagesrhythmus angepasst werden, sei es als Vater oder Mutter. Auf dem Weg zur Chancengleichheit braucht es bei allem Einsatz der einzelnen Person auch die entsprechenden Rahmenbedingungen und dazu noch die Solidarität von Gesellschaft und Staat, jenen, die es nicht schaffen, beizustehen.»

«Die Freude der Mutter über die Einführung des Frauenstimmrechts war ansteckend»

1971 war auch für Fischer-Taeschler, damals 16, ein zen­trales Jahr. Im Gymnasium in Neuchâtel entdeckt sie, dass sie sich behaupten kann, und lässt sich wissbegierig auf die neue Sprache und Kultur ein. «Die Freude der Mutter über die Einführung des Frauenstimmrechts war ansteckend», sagt Fischer-Taeschler, «und ich selbst war sehr motiviert, den Vater mit seinem Unverständnis gegenüber diesem Emanzentum eines Besseren zu belehren.»

Das hat sie geschafft und ist stolz auf ihre Familie, dass sie immer positiv und mit viel Vertrauen vorwärtsgehen konnte, und auf das Erreichte in Politik und Beruf. Viel von Letzterem reden mag sie nicht, denn was die Zukunft angeht, findet sie: «Jetzt ist die nächste Generation an der Reihe. Es ist nicht nötig, ihr dreinzureden. Ich hoffe, wir konnten sie befähigen, den Her­ausforderungen gewachsen zu sein. Lassen wir den Jungen den Freiraum, den sie brauchen!»

Frauenstimmen

50 Jahre Frauenstimmrecht und 100 Jahre Frauenzentrale Aargau

Aktuelle Nachrichten