Wohlen/Niederlenz

Aktueller denn je: Projekt «Wasser 2035» geht auch ohne Einkäufe

Erst war es nur eine Vision: IB Wohlen AG und Waldburger Ingenieure präsentierten neues Konzept für regionale Ringleitung. Die Gemeinden sind alle interessiert, haben aber Vorbehalte bezüglich der Umsetzung.

Toni Widmer
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Peter Lehmann, Vorsitzender Geschäftsleitung IB Wohlen AG, präsentiert den Gemeindevertreterinnen und -vertretern das überarbeitete Konzept.

Peter Lehmann, Vorsitzender Geschäftsleitung IB Wohlen AG, präsentiert den Gemeindevertreterinnen und -vertretern das überarbeitete Konzept.

Toni Widmer

Auf Initiative der IB Wohlen AG (IBW) haben Fachleute der Waldburger Ingenieure AG, Aarau, den künftigen Wasserbedarf im Bünz- und Reusstal sowie den angrenzenden Gebieten analysiert. Sie kamen zum Schluss, dass aufgrund der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung in dieser Region 2035 pro Tag rund 8 Millionen Liter Trinkwasser fehlen würden. 2050 dürften sogar rund 22 Millionen Liter täglich fehlen.

Aus der Vision wurde 2017 das konkrete Projekt «Wasser 2035». IBW und Waldburger Ingenieure sehen die Lösung in einer Ringleitung, die vom äusserst ergiebigen Grundwasserpumpwerk Lenzhard II durch das Bünz- und Reusstal führen und hier die Versorgungssicherheit deutlich erhöhen würde.

Gemeinden sagen «Ja, aber»

Involviert in dieses Projekt sind 23 Gemeinden und zwei Wasserverbände. Alle sind nach wie vor daran interessiert, haben jedoch Vorbehalte bezüglich der geplanten Umsetzung. Vorgesehen war die Bildung einer Aktiengesellschaft, welche die Ringleitung bauen und betreiben, vorab jedoch von den Gemeinden auch verschiedene bestehende Anlagen wie Wasserfassungen und Pumpwerke übernehmen würde.

Verschiedenen Gemeinden geht das zu weit. Sie haben nach wie vor grosses Interesse an einer Ringleitung, wollen aber mit ihren Wasserversorgungen weiterhin autonom bleiben.

Wie weiter? Am Mittwoch haben IBW und Waldburger Ingenieure den Gemeinden eine gangbare Alternative aufgezeigt. Die Ringleitung soll wie geplant realisiert werden, auf die vorgesehenen Einkäufe von Wasserversorgungsanlagen soll jedoch verzichtet werden. Die Gemeinden haben jetzt bis im April 2019 Zeit, zu diesem neuen Konzept Stellung zu nehmen. Aufgrund der eingehenden Reaktionen werden die Initianten dann entscheiden, ob die Variante II im Detail ausgearbeitet werden soll.

«Technisch ändert sich gegenüber der ersten Variante nichts, das Ganze wird jedoch organisatorisch deutlich komplizierter», erklärte Peter Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung IBW. Dafür, sagte Lehmann weiter, werde allenfalls der politische Genehmigungsprozess etwas einfacher. Unabdingbar sei dabei jedoch, dass die für das Projekt relevanten Wasserversorgungsanlagen zentral bewirtschaftet werden könnten, erklärte Martin Schibli, Geschäftsführer der Waldburger Ingenieure AG.

Aktueller denn je

Schibli zeigte weiter auf, dass das Projekt «Wasser 2035» nichts an Aktualität verloren hat. Im Gegenteil: «Gemessen an der nach wie vor rasanten Bevölkerungsentwicklung in der Region könnte 2035 allenfalls schon 2022 sein», sagte er. Die anhaltende Trockenheit im Sommer 2018 sowie die aktuellen Klimaprognosen des Bundes würden zudem deutlich machen, dass Trinkwasser in Zukunft wohl kaum mehr überall in unbeschränkter Menge verfügbar sein werde. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig vorzubeugen. «Je besser wir uns vernetzen, desto höher wird unsere Versorgungssicherheit in Zukunft sein», sagte dazu Peter Lehmann.

Verändert hat sich seit der letzten Informationsveranstaltung die Ausgangslage bezüglich des Wasserbezugs. Das Vorkommen im Gebiet Lenzhard ist zwar sehr gross, doch kann aus dem bestehenden Pumpwerk nicht unbeschränkt Wasser gefördert werden, ohne die Schutzzonen zu erweitern. Weil auch andere Regionen Bedarf an zusätzlichem Trinkwasser angemeldet haben, ist die Situation überprüft worden. Laut Martin Schibli sind für weitergehende Entnahmen mindestens zwei weitere Fassungen im Raum Suret/Länzert nötig. Das wiederum würde auch das Projekt «Wasser 2035» langfristig um rund 4 Mio. Franken verteuern.

Apropos Zahlen: Ohne die Übernahme von bestehenden Wasserversorgungsanlagen würde sich der Investitionsbedarf für «Wasser 2035» trotz höheren Kosten für den Wasserbezug von knapp 50 auf rund 35 Mio. Franken verringern. Davon müssten rund 23,5 Mio. Franken für die erste Phase 2035 investiert werden. Für den Ausbau auf den Zeithorizont 2050 wären weitere 11,2 Mio. Franken nötig.