80 Jahre Jungwacht Wohlen
Als Pfarrhelfer «Poldi» die Kirche beben liess

Als jungen Pfarrhelfer mischte Leopold Kaiser die Kirchgemeinde auf. Vor 30 Jahren verliess er das Freiamt.

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Leopold «Poldi» Kaiser im Jahr 1982 als Johannes der Täufer im Musical Godspell (grosses Foto) und im Sommer 2014 mit Wohler Strohhut. zvg/rubu.

Leopold «Poldi» Kaiser im Jahr 1982 als Johannes der Täufer im Musical Godspell (grosses Foto) und im Sommer 2014 mit Wohler Strohhut. zvg/rubu.

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Leopold Kaiser wirkte zwischen 1979 und 1984 als Pfarrhelfer in Wohlen – damit war auch das Amt des Jungwacht-Präses verbunden. In diesen gerade mal fünf Jahren prägte der mittlerweile 66-Jährige die Geschichte von Jungwacht – und in gewissem Sinne auch des Blaurings – wie kein anderer nach ihm. Sein grösster Erfolg: die von ihm ins Leben gerufene Mundartversion des amerikanischen Musicals Godspell, welches im September 1982 die katholische Kirche mehrfach füllte und total 3000 Zuschauer anzog. Nach seiner Zeit in Wohlen wurde Kaiser in Cham Pfarrer und blieb dort 19 Jahre. Seit 2003 schaut er in der Luzerner Pfarrei St. Paul als beliebter Pfarrer zum Rechten. Die Aargauer Zeitung hat ihn, den seine Freunde nur «Poldi» nennen, besucht.

Leopold Kaiser

Leopold Kaiser

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Grosser Fan des Circus Monti

Leopold Kaiser ist ganz der Alte geblieben. Sein Lächeln ist ansteckend und schelmisch wie damals, seine Art immer noch von der ihm eigenen Fröhlichkeit. Er tritt mit forschem Schritt ins Besprechungszimmer seines Pfarrhauses und begrüsst die Besucher aus dem Freiamt mit einem festen Händedruck. Nach einer kurzen Segnung sagt er: «Ich freue mich immer wieder, Bekannte aus meiner Wohler Zeit zu treffen.» So hält Kaiser seit Mitte der 80er-Jahre enge Kontakte zum Circus Monti und reist beispielsweise jährlich zur Premiere nach Wohlen. Er liebt zwar grosse, emotionale Auftritte – im Rampenlicht zu stehen, mag er dennoch nicht wirklich. Dass ihm die Aargauer Zeitung einen Artikel zum 80-Jahr-Jubiläum der Jungwacht widmet, macht ihn denn auch verlegen. Für einen kurzen Moment zumindest.

Godspell, des Kaisers Meisterwerk

Und dann sprudeln die Worte nur so aus ihm heraus. «Dass Godspell damals so erfolgreich wurde, haben wir auch den musikbegeisterten Leiterinnen und Leitern zu verdanken. Ohne die wäre diese Sache nie so gross geworden. Und natürlich auch den Jungwächtern und Blauringmädchen.»

Godspell. Das war Kaisers Meisterstück. Der damals gut 30-jährige Pfarrhelfer aus Basel mischte zusammen mit Blauring-Präses Alois Reinhard die behäbige Wohler Kirchgemeinde auf und hauchte ihr neues Leben ein. «Mein damaliger Chef, Pfarrer Sebastian Bühlmann, reagierte einfach wunderbar, als ich ihm von meiner Idee erzählte, in der Kirche vorne ein Musical über das Leben Jesu aufzuführen. Er liess uns einfach machen.»

So probten rund 100 Blauringmädchen und Jungwachtburschen sowie Leiterinnen und Leiter an unzähligen Abenden in der Kirche und am Flügel im Pfarrhelferhaus. «Es gab Zeiten, da hatte das Leiterteam einen Schlüssel für mein Haus. Und als ich dann jeweils nach Hause kam, waren fröhliche junge Leute in meiner Stube am Einstudieren von Tanzschritten oder probten Lieder.» In bester Erinnerung geblieben ist auch der zur Garderobe umfunktionierte Estrich in der Kirche. Nie vorher und nie mehr nachher herrschte dort, weit oberhalb des Altars, so viel fröhliches Leben.

Das Okay des Generalvikars

Das Godspell-Projekt war im Sommer 1982 weit über das Freiamt hinaus in aller Munde. Nicht wenige ältere Zeitgenossen argwöhnten damals, es sei eine Schande, dass eine Horde Kinder und Jugendlicher in der Kirche singen und tanzen würde. Auch Kaiser erhielt negative Reaktionen. «Jemand schrieb dem Generalvikar in Solothurn und machte sich tatsächlich ernste Sorgen.»

Da ist es wieder, das spitzbübische Lächeln von Leopold Kaiser. «Doch der Generalvikar liess mich wissen, dass wir das wunderbar machen, und wünschte uns viel Erfolg.» Am 22. September war es dann so weit – Premierenabend. Zu Beginn des Musicals sorgte der Pfarrhelfer für einen emotionalen Auftritt, an welchen sich viele Freiämter heute noch erinnern. Entweder, weil sie ihn selbst gesehen haben, oder weil sie davon hörten. Wie ein Feuerwehrmann rutschte der Pfarrhelfer als Johannes der Täufer an einer Stange von der Empore hinunter ins Kirchenschiff. «Das war einfach genial», freut sich Kaiser auch 32 Jahre danach. Spitzbübisch wie damals.