Maschwanden
Aus einem Bauernhaus und einer Scheune werden 13 Wohnungen

Scheunen im Dorfkern prägen Dorfbilder und deren Identität. Werden sie nicht mehr genutzt, drängt sich eine Umnutzung in Wohnraum auf. Das kann zur Herausforderung werden - die Feldmann Immobilien AG hat das in Maschwanden umgesetzt.

Eddy Schambron
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Die Holzschalung lässt grosse Fenster «verschwinden».
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Aus Bauernhaus und Scheune werden 13 Wohnungen
Die frühere Einfahrt wird als Aussenraum genutzt.

Die Holzschalung lässt grosse Fenster «verschwinden».

ES

Grosse, nicht mehr gebrauchte Scheunen im Dorfkern zu Wohnzwecken umzunutzen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Deshalb läuft in Dietwil eine Konzeptstudie, wie solche Projekte umgesetzt werden können, ohne dass sie das Ortsbild und die Identität der Gemeinde zerstören.

Die Feldmann Immobilien AG, Muri, hat mit der Umnutzung eines Bauernhauses mit grosser Scheune mitten im geschützten Dorfkern von Maschwanden bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt. «Es war eine echte Herausforderung», stellt der Inhaber der Feldmann Immobilien AG, Carlo Gruber, fest.

«Es hat sich jedoch gelohnt, wir haben viele Erfahrungen sammeln können.» Positiv vermerkt er die Zusammenarbeit mit Gemeinde, Ortsbildschutz und kantonaler Denkmalpflege. «Ohne das geht es nicht.»

Dietwil: Konzeptstudie wird vom Kanton unterstützt

In der Gemeinde Dietwil stehen sehr viele Gebäude unter Volumen- und Substanzschutz. Im Ortskern sind auch einige ehemalige Ökonomiegebäude leer oder unternutzt. Der Schutzstatus der Bauten hemmt viele Grundeigentümer, einen Umbau in Angriff zu nehmen, wie der Gemeinderat festgestellt hat. Jetzt ist der Architekt Stefan Bircher von Eins zu Eins Architekten AG, Aarau, daran, den Dorfkern vertieft zu analysieren und Lösungsansätze zur Entwicklung zu erarbeiten (az vom 14. März). Mit seiner Arbeit soll die Verdichtung im Innern des Siedlungsgebietes gefördert, das Entwicklungspotenzial der Gemeinde aufgezeigt sowie die Identität und der dörfliche Charakter erhalten werden. Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die vorgesehene Ausarbeitung der Konzeptstudie für den Dorfkern der Gemeinde Dietwil entscheidende Impulse auslösen und auch für andere Gemeinden neue Wege aufzeigen kann. Sie wird vom Kanton unterstützt. (ES)

Bauernhäuser und Scheunen sind ein Teil der Geschichte ländlicher Dörfer, wie man sie im Freiamt vorfindet. Die riesigen, ruhigen Dächer von Scheunen sind prägend für ein Dorfbild. Diese Wirkung gilt es zu erhalten, wenn man die Gebäude zu Wohnzwecken umnutzen will. Auf der anderen Seite ist das Bedürfnis von potenziellen Bewohnerinnen und Bewohnern, lichtdurchflutete Wohnungen zu erhalten.

Das ist nur ein Beispiel, wo es für Architekten und Bauherren bei der Nutzung leer stehender Scheunen und Ökonomiegebäude zum Spagat kommt. Es sind noch viele andere knifflige Punkte, die sich bei solchen Umbauten stellen, wie Gruber ausführt. So ist dem äusseren Erscheinungsbild auch bei der Fassadengestaltung Rechnung zu tragen. Oder der historischen Substanz.

«Bei der Umnutzung des Hofes Häfliger in Maschwanden gingen wir mit viel Respekt an die Arbeit.» Das ursprüngliche Wohnhaus wurde erstmals 1662 urkundlich erwähnt, die Scheune stammt von 1826.

Dialog zwischen Alt und Neu

So wurden beispielsweise bei Türen die alten, wohl aus dem späten 18. Jahrhundert stammenden, Beschläge erhalten. Der von einem Spannteppich befreite originale Riemenboden aus dem 17. Jahrhundert wurde aufgearbeitet, der Kachelofen erhalten.

Altes Konstruktionsgebälk oder intakte Steinmauern treten auch in der wesentlich umgebauten Scheune immer wieder in Erscheinung und kontrastieren reizvoll mit modernen Armaturen oder Wandgestaltungen. Damit entsteht ein Dialog zwischen Alt und Neu, von welchem ein besonderer Reiz ausgeht.

Sogar bei der Garage wurde der ursprünglichen Substanz Rechnung getragen: Die typischen Stallfenster sind immer noch montiert, die Einfahrtstür erinnert nach wie vor an die alte Stalltür. Die alte Einfahrt bei der Scheune kann heute als überdachter Aussenraum genutzt werden, die ursprüngliche Kieselsteinpflästerung im Aussenbereich wurde erhalten.

Während im Wohnhaus ein 9-Zimmer-Doppeleinfamilienhaus und ein 4,5-Zimmer-Doppeleinfamilienhaus entstanden sind, wurden in der Scheune zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen sowie eine 3,5-Zimmer-Wohnung realisiert.

Licht ins Haus

Die Wirkung der Dachflächen wurde erhalten; Licht ins Haus kommt einerseits aus Schleppgauben im Dach – «ein Kompromiss, der die Dachwirkung kaum beeinträchtigt», wie Gruber feststellt – und durch grosse Fenster, welche aber mit einer Holzschalung teilweise überdeckt sind, sodass sie von aussen nicht als solche in Erscheinung treten. Von innen jedoch stört die Schalung überhaupt nicht und lässt Licht hereinfliessen, sodass der Wohnraum so hell ist, wie man es heute erwartet.

Dasselbe gilt für eine ins Dach eingelassene Loggia, die einen attraktiven Aussenraum ermöglicht, ohne die Wirkung der Dachfläche zu beeinträchtigen. «Diese Beispiele zeigen, dass man bei solchen Objekten zwar Kompromisse eingehen muss, dass sie aber gut funktionieren können», freut sich Gruber. Das ganze Ensemble im Dorfkern wirkt nach dem Umbau stimmig – auch deshalb, weil die frühere Eingangssituation beim Wohnhaus und der Garten mitsamt dem ehemaligen Bienenhaus erhalten geblieben sind.

Jede Situation individuell prüfen

Carlo Gruber räumt ein, dass sie aus der Entwicklung der Umnutzung des Hofes Häfliger «einige Lehrplätze» gezogen haben. Aber er ist überzeugt, dass sich das Unterfangen gelohnt hat. «Es wird in vielen Freiämter Gemeinden immer wichtiger werden, im Zeichen des knappen Baulandes und der inneren Verdichtung bestehende Scheunen und Ökonomiegebäude für das Wohnen zu nutzen. Wir sind dank den Erfahrungen in Maschwanden für diese Entwicklung gerüstet.»

Klar ist für ihn, dass jede Situation, begonnen mit dem Dorfbild, mit der Geschichte, mit den Identität prägenden Elementen neu und für sich geprüft werden muss. Welche Gebäude müssen erhalten bleiben, welche dürfen rückgebaut und im gleichen Volumen wieder erstellt werden und wie können neue Gebäude oder Elemente hinzugefügt werden, um die Kraft der Historie zusätzlich zu verstärken und damit die Qualität des Dorfbildes zu erhöhen? «In Graubünden und im Engadin findet man dafür viele gute Beispiele», sagt Carlo Gruber.

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