Aargauischer Musiktag

Aus Rücksicht auf Veteran: Musikverein rollt mit Traktor an der Parade

Der Aargauische Musiktag in Tägerig bot nicht nur Unterhaltung, sondern auch Überraschungen.

Dominic Kobelt
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Musiktag Tägerig
14 Bilder
Der Musikverein Merenschwand beim Paradewettbewerb
Der Musikverein Merenschwand beim Paradewettbewerb
Die Experten beurteilen das Gezeigte
Die Musikgesellschaft Mühlau beim Paradewettbewerb
Die Musikgesellschaft Seon beim Paradewettbewerb
Die Musikgesellschaft Abtwil beim Paradewettbewerb
Der Musiktag Tägerig war mit einem Dorffest kombiniert
Der Musikverein Lunkhofen zeigte Evolutionen
Die Musikgesellschaft Mühlau
Die Musikgesellschaft Mühlau
Marschmusik
Der Musikverein Birmenstorf fuhr mit dem Traktor am Paradewettbewerb
Die Musikgesellschaft Sins

Musiktag Tägerig

Dominic Kobelt

Edi Rey musiziert seit 60 Jahren. Für sein Jubiläum, das er am Aargauischen Musiktag in Tägerig feierte, hatte er nur einen Wunsch: Er wollte noch einmal mit seinen Musikkameraden Marschmusik machen. Leider ist Edi nicht mehr gut zu Fuss – sein Traum damit geplatzt. Aber wer würde einem Musikveteranen einen solchen Wunsch abschlagen? Kurzerhand entschied sich der Musikverein Birmenstorf deshalb, am Paradewettbewerb nicht mitzulaufen, wie es üblich ist, sondern auf einem Traktor-Anhänger zu fahren. So rollte die kleine Bühne durch Tägerigs Strassen, während die Passagiere «I Love My Life» zum Besten gaben. Der Verein war damit von der Wertung ausgenommen – und hat trotzdem auf seine Art gewonnen.

Auch die anderen Vereine haben an diesem Wochenende Zuschauer und Experten überzeugt. So hat etwa der Musikverein Lunkhofen im Paradewettbewerb Evolutionen eingebaut. Die Musiker laufen dabei nicht einfach gerade die Strasse hinunter – was schwer genug ist, wenn man gleichzeitig ein Instrument spielt –, sondern marschieren in verschiedenen Formationen. Im Fall von Lunkhofen haben sich die Musikantinnen und Musikanten sogar im Kreis aufgestellt, um zwischendurch ein Lied zu singen, bevor es spielend weiterging. Die anspruchsvollen Manöver sind äusserst gut und synchron gelungen, was die Experten mit 81 Punkten belohnten. Dass sich das Publikum über das Spektakel freute, zeigte sich daran, dass überall Menschen mit Kameras und Handys um die Formation standen und filmten. Zu Zusammenstössen ist es glücklicherweise nicht gekommen. In der Kategorie ohne Evolutionen gewannen am Samstag Mühlau und Sins mit je 84,25 Punkten.

Feste sind selten, aber intensiv

Der Paradewettbewerb ist an einem Musiktag jeweils eine von zwei Disziplinen. Die andere ist der Konzertvortrag. Hier bewerten die Experten unter anderem Intonation, Rhythmik, Dynamik und den musikalischen Ausdruck. Den meisten Vereinen gelang der Auftritt nach Wunsch. Nicht zuletzt dank grosser Unterstützung aus dem Publikum: Obwohl es in der Turnhalle drückend heiss war, waren die Plätze meist alle besetzt. So liess es sich auch der Oberlunkhofer Gemeindeammann Karl Grossen nicht nehmen, «seinem» Verein beizustehen: «Ich bin mit dem, was der Musikverein Lunkhofen gezeigt hat, sehr zufrieden. Sie haben hart gearbeitet. Es ist ein toller Verein, besonders schön finde ich, dass es eine gute Durchmischung von alten und jungen Mitgliedern gibt. Das ist sehr positiv für das Vereinsleben und die Dorfkultur.»

Auch am Strassenrand klatschten die mitgereisten Fans kräftig mit. Sorgfältig notierten einige die Bewertungen in ihrem Festführer, und die Kinder übten schon einmal, im Gleichschritt zu marschieren. Die Gäste lobten das Konzept, das Dorffest und der Musiktag würden sich ideal ergänzen, war vielerorts zu hören. Zudem sei das Festgelände genug gross, aber eben trotzdem so kompakt, dass man schnell von einem Ort zum anderen gelange. Einziger Wermutstropfen: Der Paradewettbewerb musste mehrmals unterbrochen werden, damit der Bus die Strasse befahren konnte – die Zuschauer nahmen es gelassen.

Eine ältere Frau, die an der Marschroute wohnt, freute sich, dass viele Auswärtige in Tägerig zu Besuch waren. «Ich habe schon viele Leute getroffen, die früher einmal hier gewohnt haben, die ich aber schon lange nicht mehr gesehen habe.» Es sei halt nicht oft etwas los in Tägerig. Wenn, dann feiern die Tägliger aber richtig: Am Freitagabend durften die Besucher am Landi-Stadl volkstümliche Musik geniessen, am Samstagabend bestimmte das Publikum die beste von vier Aargauer Chorformationen. Den Contest gewann der Jugendchor together aus Mellingen mit 108 Dezibel. Am Sonntag waren dann nochmals Konzertvorträge und Paradewettbewerb angesagt, am Abend beglückwünschte Regierungsrat Alex Hürzeler die Veteranen zu ihrer langjährigen musikalischen Tätigkeit.