Bremgarten
Stiftung St.Josef: Wie eine Walliserin in 45 Jahren zur Freiämterin wurde

Michèle Robadey arbeitet seit ihrer Ausbildung vor 45 Jahren in der Stiftung St.Josef. Hier fand sie ihre grosse Freiheit – und ihre Liebe. Wenn sie zurückblickt, merkt sie vor allem eines: Ihre Arbeit mit den Kindern macht sie immer noch voller Freude.

Melanie Burgener
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Die Walliserin Michèle Robadey arbeitet seit 45 Jahren als Wohngruppenleiterin in der Stiftung St.Josef in Bremgarten.

Die Walliserin Michèle Robadey arbeitet seit 45 Jahren als Wohngruppenleiterin in der Stiftung St.Josef in Bremgarten.

Bild: Melanie Burgener

Das Walliser Dörfchen ist klein, streng katholisch und überragt von hohen Bergen. Es ist die Heimat von Michèle Robadey. Wenn die heute 63-Jährige an ihre Kindheit zurückdenkt, erinnert sie sich an eines gut und besonders gerne. «Das waren die Wochen, in denen meine Tante, die Ordensschwester in der Stiftung St.Josef in Bremgarten war, mit den Kindern der Stiftung ihre Ferien bei uns im Wallis verbrachte. Das war immer besonders schön», sagt Robadey mit einem Lächeln auf den Lippen. Für sie war bald klar: Sie möchte, wie ihre Tante, Kinder betreuen, die mit einer Beeinträchtigung leben.

In Bremgarten fand sie ihre grosse Freiheit – und die Liebe

Doch einen geeigneten Ausbildungsplatz für ihren Traumberuf fand die damals 18-Jährige im Wallis nicht. Ausserdem fühlte sie sich in ihrer Heimat mittlerweile von den Bergen und gewissen Lebenseinstellungen eingeengt. «Zu diesem Zeitpunkt war meine Tante leider bereits verstorben. Aber aus der Ferienzeit im Wallis kannte ich noch immer ein paar Leute, die in der St.-Josef-Stiftung arbeiteten», erzählt Michèle Robadey. So verliess sie 1976 ihr Zuhause in den Bergen. Sie erzählt lachend:

«Ich zog nach Bremgarten und fand hier die grosse Freiheit.»

Ganz frei war sie im ebenfalls katholischen Personalhaus des damaligen Josefsheims aber auch nicht. Herrenbesuche im eigenen Zimmer waren beispielsweise streng verboten. So gingen Robadey und jener junge Mann, der nach ihr die Ausbildung in der Stiftung begonnen hat, stattdessen oft gemeinsam spazieren. «So habe ich meinen Mann in der St.-Josef-Stiftung kennen gelernt», erzählt sie.

Ein ganzes Arbeitsleben in der Stiftung St.Josef

Seit sie ihre Ausbildung in der Stiftung begonnen hat, sind bereits 45 Jahre vergangen. Und noch immer arbeitet Michèle Robadey als Gruppenleiterin und Ausbildungsassistentin in der St.-Josef-Stiftung. Ihren Walliserdialekt hat sie längst gegen den hiesigen eingetauscht und Bremgarten zu ihrem Zuhause gemacht. Heimweh hatte sie zu Beginn aber trotzdem, wie sie zugibt:

«Am Anfang fand ich den Nebel hier sehr mystisch. Aber als dann meine Mutter anrief und erzählte, wie blau der Himmel im Wallis ist und dass die Sonne scheint, da bekam ich eine Krise.»

In Bremgarten erlebte sie viele schöne Momente und vor allem unzählige Veränderungen. Die Stiftung wurde von den Ordensschwestern in weltliche Hände übergeben, der Lohn muss nicht mehr einmal im Monat in der Kaffeepause abgeholt werden und der Bildungsgedanke sowie die Aufgaben der Begleiterinnen seien heute anders als damals. «Es hat mir immer Spass gemacht, Neues auszuprobieren. Ich bin nie stehen geblieben und ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb ich das heute noch so gerne mache», erzählt Robadey.

Wissen sie bei einem Kind nicht mehr weiter, geben sie es zu Robadey

In ihren ersten Jahren in Bremgarten – das damalige Josefsheim stand noch unter der Leitung von Schwester Elia Marty – war die Bildung der Kinder Sache der Schule. Die Heimerzieherinnen waren hauptsächlich für ihre Beschäftigung und Förderung mit Spielzeug verantwortlich. Das veränderte sich über die Jahre stark. «Das Kind ist nach wie vor im Zentrum. Aber heute liegt der Fokus auf den Ressourcen der Kinder selbst und darauf, dass sie möglichst viel selbstständig machen können», erklärt Robadey.

Manchmal hatte sie aber auch schlaflose Nächte. «Es gab beispielsweise Kinder, die sich selbst verletzt haben. In solchen Momenten habe ich nicht verstanden, wie es sein kann, dass ein Kind so etwas durchleben muss.» Trotzdem habe sie immer wieder einen Weg gefunden, weiter zu machen. Und so habe sie bis heute ihre Begeisterung für die Betreuung von Kindern nie verloren.

Marcel Heeg, Bereichsleiter Kinder der St.-Josef-Stiftung, ist sich sicher, dass Michèle Robadey zu dieser Aufgabe berufen ist:

«Immer, wenn wir verzweifelt sind oder bei einem Kind nicht mehr weiter wissen, geben wir es in die Obhut von Michèle Robadey. Dann wissen wir: Es kommt alles gut.»

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