GP Mutschellen

«Das Fahren entschädigt fürs Schrauben» - Fredi Notter freut sich auf den 1. Mai

Am 1. Mai findet der GP Mutschellen statt. Rennfahrer mit historischen Fahrzeugen haben viel Zeit investiert, so auch Fredi Notter.

Dominic Kobelt
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Fredi Notter aus Zufikon schraubt eifrig an seiner Honda CB 450 – am 1. Mai ist sie mit vielen anderen historischen Fahrzeugen am GP Mutschellen zu sehen

Fredi Notter aus Zufikon schraubt eifrig an seiner Honda CB 450 – am 1. Mai ist sie mit vielen anderen historischen Fahrzeugen am GP Mutschellen zu sehen

Aargauer Zeitung

Der GP Mutschellen sei die erste Gelegenheit im Jahr, an der man es «tschädere loh chan», sagt Fredi Notter und sein Grinsen wird unweigerlich etwas breiter. Der Zufiker freut sich, seine Honda CB 450 endlich wieder auf die Strasse zu bringen, denn für den normalen Verkehr ist sie nicht zugelassen. «Auch wenn es nur zwei Kurven sind, es ist ein Testlauf, bei dem man sieht, was funktioniert und was nicht.» Im letzten Winter bekam seine 45-jährige Maschine eine neue Verschalung, diesen Winter eine Magnetzündung und einen neuen Vergaser. In der kalten Jahreszeit bastelt Notter an dem historischen Motorrad, das in seiner Garage steht. Mancher Nachbar, der am Feierabend nach Hause kommt, schaut für einen kurzen Schwatz bei ihm vorbei. Als er den Töff gekauft hatte, sei es «quasi eine Leiche» gewesen. Notter hat ihm neues Leben eingehaucht, und dies in vielen Stunden Arbeit. «Wie viele, das kann ich nicht sagen. Ich arbeite daran, wenns passt, im Fernsehen läuft eh nichts Gescheites.» Mit dem Lift gelangt Notter von seiner Wohnung direkt ins Untergeschoss. So kommt es auch vor, dass er im Pyjama an der Honda bastelt, bevor er zu Bett geht.
Zweimal möglichst gleich schnell
2010 war Notter zum ersten Mal beim GP Mutschellen dabei, damals noch in einer «Dorfgruppe». Mit 50 km/h den Berg hinauf zu tuckern sagte ihm aber nicht besonders zu. Und so fährt er heute lieber bei der Schweizer Meisterschaft der Freunde historischer Rennmotorräder (FHRM) mit. «Es geht bei uns nicht darum, möglichst rasch im Ziel zu sein, sondern im ersten und zweiten Rennlauf eine möglichst kleine Zeitdifferenz zu haben. Das erreicht man nur, wenn man am persönlichen Limit fährt», erklärt der begeisterte Motorradfahrer. Dabei schaffen es die Fahrer, die beiden Läufe mit zwei bis drei Zehntelsekunden Unterschied zu fahren. Wenn das Glück mitspielt, dann erreiche man auch zwei bis drei Hundertstel, im Idealfall null. Auch wenn es ausschliesslich auf die Differenz ankommt, schnell möchten die Rennfahrer trotzdem unterwegs sein. «In dem Moment, in dem man sich auf die Maschine setzt und den Helm schliesst, kommt das Rennfieber auf, man schaltet ab, dann geht es nur noch vorwärts», schwärmt der Zufiker. Dies, obwohl es eigentlich um nichts geht, es winken keine Siegprämien oder Ähnliches. Rund zehn solcher «Wurst-und-Brot-Rennen», wie Notter sie nennt, fährt er pro Jahr, unter anderem in Deutschland und im Südtirol. Was ist denn das Besondere am GP Mutschellen? «Eine tolle Strecke, gutes Ambiente, die Leute können ins Fahrerlager kommen. Es geht darum, den Leuten schöne Autos und Motorräder zeigen zu können.»
Die grosse Liebe
Das Fahren entschädige ihn für die Zeit, die er in das Motorrad investiert habe. Aber auch das Basteln mache ihm durchaus Spass, er könne so gut von der Arbeit abschalten, sagt Notter, der im Aussendienst tätig ist. Sein ganzer Stolz, ja man ist fast versucht zu sagen: seine grosse Liebe, ist aber nicht die Honda, mit der er die Rennen fährt. Nein, das ist zweifellos die zweite Maschine, eine Norton mit Jahrgang 1961, den im auch der Besitzer hat. Viele Teile, die es brauchte, um das Motorrad wieder in Fahrt zu bringen, stellte der gelernte Werkzeugmacher selbst her. «Der Motor ist direkt am Rahmen angeschraubt. Wenn man sie anlässt, vibriert sie so richtig. Die sportliche Sitzposition, der Sound, 750 Kubikzentimeter – angenehm ist das nicht zum Fahren, aber ein unglaubliches Glücksgefühl.»