Bünzen

Der Bauer bringt das Getreide zur Mühle – oder?

Die Getreidecenter Freiamt AG in der Landi Bünzen ist ein wichtiges Glied in der Kette vom Getreidefeld bis zum Brot auf dem Tisch. An der Generalversammlung zeigte man sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf.

Brigitte Santmann Rubin
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Hatten nur Gutes zu berichten: Verwaltungsratspräsident Josef Meier (links) und Geschäftsführer Anton Küng an der GV der Getreidecenter Freiamt AG. bs

Hatten nur Gutes zu berichten: Verwaltungsratspräsident Josef Meier (links) und Geschäftsführer Anton Küng an der GV der Getreidecenter Freiamt AG. bs

Brigitte Santmann

Im Märchen erntet der Bauer seinen Weizen und bringt ihn zum Müller, um daraus Mehl mahlen zu lassen. In Realität ist der Weg vom Korn zum Mehl sehr viel aufwendiger, denn das Getreide muss zuerst gereinigt und getrocknet werden, was mit teuren Vorrichtungen und vor allem mit grosser Lagerkapazität verbunden ist, die kaum ein Bauernbetrieb selber stellen kann.

Die 1967 als genossenschaftliche «Getreidesammelstelle» gegründete Firma «Getreidecenter Freiamt AG» in Villmergen ist heute einer der grösseren Betriebe im Aargau, der diese Aufgaben übernimmt. «Wir heissen zwar Getreidecenter Freiamt, aber unsere Kundschaft reicht weit über dieses hinaus», erklärt Verwaltungsratspräsident Josef Meier. Die Kundschaft, das sind Bauernbetriebe, die ihre Ernte der Firma anvertrauen, bevor diese durch die «fenaco», zu der auch Volg und Landi gehören, an die Mühlen weitervertrieben werden – oft in die Swissmill in Zürich. «Wir haben einen eigenen Bahnanschluss in Villmergen und können das Getreide direkt nach Zürich fahren», führt Meier aus.

41'000 Tonnen verarbeitet

Mit 20'000 Tonnen Lagerkapazität in grossen Silos, den entsprechenden Trocknungsvorrichtungen und gerade mal drei Festangestellten – den Geschäftsführer Anton Küng inklusive – hat die Firma letztes Jahr insgesamt gut 41'000 Tonnen Brotgetreide, Futtergetreide und sogenannte Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumen und Soja verarbeitet und gelagert. 1,1 Millionen Liter Wasser wurden dem Getreide entzogen. Wasser war 2014 denn auch die grosse Herausforderung: Das nasse Wetter im Juli und August setzte dem Getreide zu, sodass die Rekordernte wegen des so genannten «Auswuchses» schlussendlich weniger Ertrag lieferte als im Vorjahr. «Auswuchs entsteht bei viel Regen und Wärme», erklärt Anton Küng.

«Er zeigt sich in einer Art Haar, das aus dem Korn wächst, ist aber schon ein Problem, wenn man dem Korn von aussen noch gar nichts ansieht.» Sogenannte Kleber im Getreide werden dabei zerstört, was zur Folge hat, dass das Brot nicht richtig aufgeht. «Aber gerade die Ansprüche an die Backeigenschaften sind gestiegen, denn immer mehr Brot wird mehr als einmal in den Ofen geschoben, was eine zusätzliche Herausforderung bedeutet.»

Ist auch der Weg zum sonntäglichen Aufback-Gipfeli oder zum ofenfrischen Brot kurz vor Ladenschluss gar nicht simpel wie im Märchen, so ist das Resultat dieser Mühen für die Konsumenten durchaus märchenhaft.