Wohlen

Der Gemeinderat will die Steuern um 3 Prozent erhöhen

Der Gemeinde fehlen reiche Steuerzahler, stattdessen hat sie viele Sozialfälle. Um dennoch die Rechnungen zahlen zu können, soll der Steuerfuss nächstes Jahr auf 116% hoch.

Andrea Weibel
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Das Gemeindehaus in Wohlen.

Das Gemeindehaus in Wohlen.

AZ

«Wir haben unsere Sparübungen bereits im letzten Jahr gründlich gemacht und jede Ausgabe hinterfragt. Irgendwann kann man nicht mehr weiter sparen», sagte der Wohler Vizeammann Paul Huwiler gestern Donnerstag bei der Vorstellung des Budgets 2017. Dennoch reichen die Einnahmen nicht, um die Ausgaben decken zu können. Also veranschlagt der Gemeinderat für 2017 eine Steuererhöhung von 3%. «Das sind umgerechnet 900 000 Franken, damit machen wir keine grossen Sprünge», so Huwiler.

Ziel des Gemeinderats war es, beim Sachaufwand gegenüber dem Vorjahresbudget ein Nullwachstum zu erzielen, doch seien es vor allem die Ausgaben, die ihnen von Kanton und Bund auferlegt werden, die dieses Resultat verfälschen, erklärt Gregor Kaufmann, Leiter Finanzen. «Würde man nur das Budget der Gemeinde anschauen, kämen wir sogar auf einen kleinen Überschuss.» Zusammen mit Spezialfinanzierungen wie der heilpädagogischen Schule (–253 200 Franken), der Abwasserbeseitigung (–862 900 Franken) und anderen Posten kommt die Gemeinde aber auf ein konsolidiertes Ergebnis von –555 100 Franken. «Das ist sehr unangenehm, denn die 3-prozentige Steuererhöhung ist hier schon eingerechnet.» Die Spezialfinanzierungen müssten erneut genau angeschaut werden. «Beim Abwasser müssen wir unbedingt eine Reglementsänderung ins Auge fassen.»

Problem mit billigen Wohnungen

Das Budget weist einen Gesamtumsatz von 82,5 Mio. Franken auf. Davon gehen 77,3 Mio. zulasten der Erfolgsrechnung und nur 5,2 Mio. werden für Investitionen verwendet. Diese 77,3 Mio. Franken sind 1,5 Mio. mehr als im Vorjahresbudget. Abgesehen von planmässigen Abschreibungen (680 400 Fr.) ist dieser Betrag vor allem auf das Jugendfest (115 000 Fr.), den Gemeindebeitrag KESD (100 000 Fr.), die Restkosten der Pflegefinanzierung (120 000 Fr.) und
auf gesetzliche wirtschaftliche Hilfe (528 900 Fr.), mit anderen Worten Sozialhilfe, zurückzuführen. Hat Wohlen so viele neue Sozialhilfefälle? «Ja», bestätigt Urs Spillmann, Leiter Soziale Dienste. Er erklärt: «Wohlen hat ein strukturelles Problem. Es gibt viel billigen Wohnraum und solchen, bei dem die Eigentümer wenig machen lassen. Das zieht Sozialhilfebezüger nach Wohlen. Und die Solidarität unter den Gemeinden ist diesbezüglich kaum mehr vorhanden.» Jedoch schlage sich nicht direkt die Anzahl der Sozialhilfebezüger in den Zahlen nieder, denn «wir versuchen, so gut es geht, diese wieder in die Wirtschaft einzubinden, damit sie ihren Beitrag leisten können», so Spillmann. Gemeinderat Roland Vogt fügt hinzu: «Es ist nun mal so, dass keine reichen Steuerzahler nach Wohlen ziehen. Darum müssen wir mit dem arbeiten, was wir haben.»

Dass die Ankündigung einer Steuererhöhung nur zwei Wochen vor der Abstimmung über das Grossprojekt Badi/Eishalle veröffentlicht wird, ist etwas ungünstig. «Das stört uns aber nicht, wir wollen keine Spielchen spielen, sondern transparent informieren», macht Huwiler deutlich.