Jubiläum

Der Sarmenstorfer Frauenverein war seiner Zeit vor 100 Jahren weit voraus

Der Frauenverein feiert am 2. April seinen 100. Geburtstag. Nur wenige Jahre nach der Gründung sprachen die Mitglieder davon, wie wichtig eine Krankenkasse für die Bevölkerung sei und dass diese obligatorisch werden könnte.

Jörg Baumann
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Der Vorstand des Frauenvereins (v.l.): Kassierin Doris Kühni, Aktuarin Edith Bruder, Esther Köchli (Dekoration), Sandra Joho (Anlässe) und Präsidentin Daniela Kuratle. ZVG

Der Vorstand des Frauenvereins (v.l.): Kassierin Doris Kühni, Aktuarin Edith Bruder, Esther Köchli (Dekoration), Sandra Joho (Anlässe) und Präsidentin Daniela Kuratle. ZVG

Schon 1921 sprach man im Frauenverein Sarmenstorf davon, wie wichtig eine Krankenkasse für die Bevölkerung sei und dass diese obligatorisch werden könnte. Damit war der Verein, der am 18. Februar 1917 gegründet worden war, der Zeit voraus. Der Referent habe aber darauf verwiesen, dass sich der Staat nicht in die Krankenkasse einmischen solle, heisst es in der Chronik. Vielmehr möge man der Krankenkasse Concordia beitreten, «die katholisch geprägt sei».

Die Anfänge der Krankenversicherung lassen sich bis ins 16. und 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Selbsthilfeorganisationen der Zünfte sorgten in den Städten für die erkrankten Mitmenschen. Mit der Entwicklung der Industrie kamen im 19. Jahrhundert Betriebskrankenkassen auf. Ihnen folgten private Krankenhilfsgesellschaften, die im Krankheitsfall den Männern Taggelder ausrichteten. Die Krankenkasse Concordia wurde 1914 gegründet.

Frauen sollten schweigen

Das Frauenstimmrecht kam im Frauenverein 1919 aufs Tapet. Pfarrer Döbeli aus Villmergen hielt darüber ein Referat, schloss dieses aber mit den biblischen Worten: «Die Frauen sollten in den Versammlungen schweigen.» Der Sarmenstorfer Pfarrer Anton Kaufmann war an dieser Versammlung dabei. Was er über das Frauenstimmrecht dachte, ist in der Chronik des Frauenvereins nicht überliefert. Trotzdem entwickelten die Frauen ihr eigenes Selbstbewusstsein, obwohl man ihnen das Stimm- und Wahlrecht noch bis 1971 verweigern sollte.

Der Verein schrieb 1922 zum ersten Mal einen Kurs aus – einen Buchhaltungskurs. Kurse werden auch noch heute angeboten. Auch karitativ erfüllt der Verein seine Bestimmung. Er besucht regelmässig die Kranken und Witwen im Dorf.

Im Zweiten Weltkrieg musste der Frauenverein seine Tätigkeit einschränken. Die Männer waren im Aktivdienst, und die Frauen mussten sich dementsprechend noch intensiver als sonst darum kümmern, dass zu Hause der Laden im Schuss blieb. Aber schon 1946 fiel die Vereinsaktuarin auf. Sie rief an der Generalversammlung aus: «So Maa, hüt gönd mer is Wirtshuus und du blibsch dihei.»

Verstaubtes Image abgelegt

Die Mitgliederzahl schwankte im Lauf der Zeit. Nach dem Höhepunkt in den Sechzigerjahren mit über 200 Frauen musste der Verein, dem 2007 nur noch 35 Frauen angehörten, einen Hilferuf aussenden. Der Vorstand könne nicht mehr besetzt werden. Der Appell nützte: Der Verein zählte letztes Jahr wieder 70 Mitglieder. 2016 zeigte er sich am Jugendfest. Er führte die Taverne Esmeralda. Damit sei ein Durchbruch geschafft worden, heisst es in der Chronik: Der Verein habe so das verstaubte Image des «Haarnadelklubs» ablegen können.

Sein Hundertjahrjubiläum feiert der Verein am Sonntag, 2. April, ab 9 Uhr in der Mehrzweckhalle mit einem ökumenischen Gottesdienst, einem Brunchbuffet und einem Kinderprogramm mit Wendolina. Unterhalten wird der Verein vom Chor Merry Sisters.