Finanzanalyse

Der Spielraum wird noch enger: Villmergen tut, was Wohlen schon längst tun müsste

«Nicht bedenklich, aber auch nicht gut»: In Villmergen ist der finanzielle Spielraum eng. Bevor er eine Erhöhung des Steuerfusses ins Auge fasst, will der Gemeinderat jetzt eine gezielte Leistungsüberprüfung vornehmen.

Toni Widmer
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Villmergen - Dorfansicht vom Kirchturm aus. Archiv

Villmergen - Dorfansicht vom Kirchturm aus. Archiv

PS

«Die finanzielle Lage von Villmergen ist zwar nicht bedenklich, aber sie ist auch nicht gut», hatte die abtretende Finanzministerin Barbara Bucher an der Gemeindeversammlung vom 23. November erklärt. Und dabei eine generelle Leistungsüberprüfung in Aussicht gestellt: «Bevor der Gemeinderat an eine Erhöhung des Steuerfusses denkt, will er die Gemeindefinanzen detailliert unter die Lupe nehmen und nach allfälligem Sparpotenzial suchen.» Diese vertiefte Analyse ist bereits am Laufen, hat der Gemeinderat diese Woche mitgeteilt. Ziel sei es, rechtzeitig zu agieren, um nicht im Nachhinein reagieren zu müssen.

Es zeichne sich ab, dass der finanzielle Spielraum noch enger werde: «Mittel- bis langfristig werden die Einnahmen nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken», hält der Gemeinderat fest. Es wäre also naheliegend, sich mit einer Steuerfusserhöhung zu befassen. Bevor eine solche zum Thema werde, wolle der Gemeinderat die erwähnte Analyse vornehmen.

Villmergen geht dabei systematisch vor: «Der Gemeinderat ist an Sparmassnahmen mit nachhaltigem Effekt interessiert. Ebenso möchte er anhand eines extern begleiteten Prozesses herausfinden, in welchen Bereichen ungebundene Ausgaben enthalten sind, und so das gesamte Sparpotenzial aufzeigen. Dabei lässt er sich durch die BDO AG beraten und begleiten.» Die BDO AG sei in diesem Bereich Marktleaderin und verfüge über viel Erfahrung in der Umsetzung solcher Projekte, hält der Gemeinderat fest.

Interne Profis an der Arbeit

Die Ermittlung des möglichen Sparpotenzials würde hauptsächlich durch die Führungsverantwortlichen der einzelnen Abteilungen vorgenommen. Damit werde sichergestellt, dass sinnvolle und realisierbare Vorschläge von Fachleuten erarbeitet würden, die sehr gute Kenntnisse über die Möglichkeiten und Auswirkungen hätten. Geschäftsleiter und Gemeinderäte arbeiteten aktiv mit. Aus dem Projekt werde ein Massnahmenkatalog resultieren, der einerseits die Grundlage für die Umsetzung von Sparmassnahmen bilde. Anderseits werde auch ersichtlich sein, welche Ausgaben für ungebundene und freiwillige Leistungen getätigt würden.

Der Gemeinderat, hält er in seiner Mitteilung fest, werde bei allen Entscheidungen nicht nur auf mögliche Kosteneinsparungen abzielen, sondern ebenso die Attraktivität der Gemeinde sowie Wünsche der Bevölkerung im Auge behalten: «Es geht keinesfalls darum, Leistungen zu kürzen oder gar zu streichen, nur um einen Spareffekt zu erzielen. Eine Interessenabwägung wird in jedem Fall notwendig sein.»

Auftraggeber des Projekts ist der Gemeinderat, umgesetzt wird es durch eine Steuerungsgruppe, die vom neuen Finanzminister Renato Sanvido geleitet wird. In der Projektgruppe vertreten sind weiter Gemeindeammann Ueli Lütolf, Geschäftsleiter Josef Kuratle und Leiter Finanzen Andreas Güttinger. Die Kick-off-Sitzung fand am 19. Dezember 2018 statt. Geplant ist, erste Massnahmen im August umzusetzen.

«Gegen die Routine ankämpfen»

Das straffe Programm sei gewählt worden, damit erste Erkenntnisse bereits in das Budget 2020 einfliessen könnten, schreibt der Gemeinderat. Die Gemeinden betonen immer wieder, das Sparpotenzial liege an einem kleinen Ort, weil von den Ausgaben mittlerweile 80% oder mehr gebunden seien. Ist das in Villmergen anders? «Es ist nichts tabu», erklärt Finanzminister Renato Sanvido dazu, «wir wollen gegen die Routine ankämpfen und alles überprüfen. Es ist durchaus möglich, dass wir auch bei den sogenannt gebundenen Ausgaben Sparpotenzial finden.»

Mit leichtem Neid schaut der Wohler FDP-Präsident und Einwohnerrat Thomas Hoffmann nach Villmergen: «Der Gemeinderat dort macht jetzt genau das, was unser Gemeinderat schon lange tun sollte», sagt er. Hoffmann redet von der Motion AHA (Ausgeglichener Haushalt), die er zusammen mit Christian Lanz schon 2015 eingereicht hat und die vom Gemeinderat am 11. Januar 2016 entgegengenommen wurde. «Der Gemeinderat Villmergen geht genau so vor, wie wir es in unserer Motion fordern. Es ist bedauerlich, dass AHA bisher nicht umgesetzt worden ist», erklärt Hoffmann.