Kraftwerk Bremgarten-Zufikon

Die Fische sind der AEW 8 Millionen wert – die Leittechnik rund 3,5 Millionen

Die Anpassung an das neue Gewässerschutzgesetz erfordert eine hohe Investitionen. Doch auch in Modernisierung der Anlagen wird investiert. Der trockene Sommer minderte die Stromproduktion. Doch auch ein Hochwasser wäre nicht förderlich.

Toni Widmer
Drucken
Teilen
Die Fische sind der AEW 8 Millionen wert

Die Fische sind der AEW 8 Millionen wert

Toni Widmer
Mit den fünf Öffnungen im Stauwehr kann der Durchfluss reguliert werden.

Mit den fünf Öffnungen im Stauwehr kann der Durchfluss reguliert werden.

Toni Widmer

Das 1975 erbaute Kraftwerk Bremgarten-Zufikon ist für eine Jahresproduktion von 103 Millionen kWh (Kilowattstunden) ausgelegt. Damit können rund 23 500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Mit voller Leistung produziert das Kraftwerk 20 Megawatt (MW), ein Wert, der im Winter wegen des tiefen Wasserstandes der Reuss jedoch nur selten erreicht wird. Zurzeit läuft nur eine der beiden Turbinen, die Stromproduktion liegt bei knapp der Hälfte des Möglichen. Im Januar ist das normal, in diesem Monat erreicht der Pegelstand der Reuss meistens die tiefsten Jahreswerte. Aktuell liegt die Abflussmenge bei rund 60 Kubikmetern pro Sekunde (m3/s). Das ist immerhin fast dreimal mehr als der bisherige Rekordtiefstwert von 23,3 m3/s, der am 10. Januar 2017 bei der Messstation in Mühlau gemessen worden ist.

Ungewöhnlich trockenes Jahr

Nicht normal ist es hingegen, wenn das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon auch in den Sommermonaten nur selten unter Volllast läuft. «Um die möglichen 20 Megawatt zu erreichen, brauchen wir eine Abflussmenge von 200 m3/s», erklärt Louis Lutz, Leiter Regional-Center Bremgarten der AEW Energie AG. Dieser Wert werde im Sommerhalbjahr in der Regel über eine längere Zeit erreicht. Frühling und Sommer 2018 waren dafür jedoch deutlich zu trocken. Die Statistik zeigt, dass der angestrebte Mittelwert von 200 m3/s lediglich im Mai verzeichnet werden konnte. Im Juni lag er knapp darunter, im Juli und August wurden die langjährig gemessenen Monatsmittel jeweils um fast die Hälfte verfehlt und auch im Herbst war der Pegelstand der Reuss auf einem ungewohnt tiefen Niveau. Am 17. Oktober beispielsweise, wurde in Mühlau noch eine Abflussmenge von lediglich 50 m3/s gemessen, eine Woche später waren es noch 39 m3/s. Das sind Abflussmengen, welche die bisherigen Tiefstwerte vom Herbst 2003 um fast die Hälfte unterboten haben.

«Im Schnitt konnten wir bisher pro Jahr drei bis vier Monate unsere Anlagen im Vollbetrieb laufen lassen. Im letzten Jahr war es bloss ein Monat», zeigt Louis Lutz auf. Mit einer tieferen Auslastung, erklärt Lutz weiter, sinken auch die Kostendeckung und die Gestehungskosten für den produzierten Strom würden höher. «Das ist die logische Folge des trockenen Sommers, doch damit stehen wir nicht allein. Davon sind fast alle Schweizer Flusskraftwerke betroffen.»

Hofft der Leiter Regional-Center für den nächsten Sommer also auf Hochwasser? «Nein, um Gottes willen», sagt Louis Lutz, «auch Hochwasser ist für ein Kraftwerk alles andere als optimal. Landläufig herrscht zwar die Meinung, wir könnten dann unsere Anlagen mit Volldampf laufen lassen. Aber das ist keineswegs so.» Optimal für den Kraftwerkbetrieb in Bremgarten-Zufikon ist die Abflussmenge von 200 m3/s. Alles darüber können wir nicht für die Stromproduktion nutzen. Ab 500 m3/s werde es aber bereits kritisch: «Dann muss aus Gründen des Hochwasserschutzes der Oberwasserstand vorsorglich abgesenkt werden, was die Leistung vermindert.» Weiter, erklärt Lutz, bringe die Reuss bei Hochwasser viel Sand, was die Verstopfungsgefahr für die Turbinen erhöhe.»

Gesetz zwingt zu Investitionen

Die Anlagen im Kraftwerk Bremgarten-Zufikon sind auf dem modernsten Stand. Soeben ist laut Lutz die Leittechnik für rund 3,5 Mio. Franken erneuert worden. «Das ist eine Investition, die periodisch nötig ist, wenn man die Steuerung des Kraftwerks à jour halten will», erklärt er.

Deutlich mehr Geld investieren muss die AEW Energie AG in zwei Projekte, die aus den per 2011 rechtskräftig gewordenen Änderungen im Gewässerschutzgesetz resultieren. Das erste betrifft den Geschiebehaushalt. Kraftwerke müssen künftig gewährleisten, dass ihre Stauwehre weniger Kies zurückhalten, weil dieser für Flora und Fauna im Unterlauf eine wichtige Funktion erfüllt. In Bremgarten ist ein entsprechendes Projekt in Planung: «Wir können nicht einfach unsere Schleusen ab und zu etwas weiter öffnen und das Geschiebe so in den Unterlauf befördern. Vorerst müssen die Auswirkungen einer dazu nötigen Staupegelabsenkung exakt untersucht werden», erklärt Louis Lutz. Ab Herbst 2020 ist jedoch eine Übergangslösung bereit: «Wir lagern einen Teil des an der oberen Reuss anfallenden Geschiebes um. Rund 6000 m3 werden wir ausbaggern, mit Lastwagen an eine geeignete Stelle flussabwärts bringen und dort wieder in die Reuss einbringen.»

Fische sollen auch absteigen

Die zweite Investition betrifft den Fischaufstieg. Ein solcher ist zwar vorhanden, genügt den verschärften gesetzlichen Anforderungen heute allerdings nicht mehr. Der sogenannte Fischpass soll nun mit Investitionen von rund 8 Mio. Franken so optimiert werden, dass er künftig auch lachsgängig ist. Ein entsprechendes Projekt ist ausgearbeitet und nach der Vorprüfung durch die verschiedenen zuständigen Instanzen weitgehend genehmigungsreif.

Neu wird die AEW Energie AG in ihrem Bremgarter Kraftwerk auch einen Fischabstieg realisieren müssen. Dieses Projekt ist allerdings erst in der Planungsphase und wird vermutlich erst im Zeitraum ab 2022 konkreter.