Kickboxen

Die zarte Aargauerin mit dem harten Schlag feiert ihren ersten Weltcup-Triumph

Christine Felber war lange verletzt und verzeichnet jetzt mit einem Weltcupsieg ihren bisher grössten Erfolg. Die Jonerin gewann in der Kategorie unter 55kg im Kick-light.

Dominic Kobelt
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Weltcup-Kampf

Weltcup-Kampf

zvg

Wenn man raten müsste, welchen Sport Christine Felber betreibt, würde man kaum auf Kickboxen tippen. Die Autoverkäuferin hat eine zierliche Figur, ein schmales Gesicht, die blauen Flecken an den Armen sind verdeckt. «Mir tut noch alles weh, aber besser hätte es nicht laufen können», sagt die Jonerin und lacht – die Freude am Weltcupsieg in Innsbruck überwiegen die Schmerzen bei weitem.

Niemand hat mit diesem Erfolg gerechnet, am allerwenigsten sie selbst. Nicht, nachdem sie zweieinhalb Jahr pausieren musste, nicht, nachdem sie im ersten Kampf dieses Jahres K.O. ging.

Der Austrian Classics Worldcup, der am vergangenen Wochenende stattfand, ist eines der grössten Kickbox-Turniere weltweit. Fast 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Herren Länder messen sich in verschiedenen Kategorien. Die Kämpferinnen im «Kick-light» dürfen nicht ganz so hart zuschlagen wie im Fullcontact, im Gegensatz zum Light-Contact sind aber Kicks auf die Oberschenkel erlaubt (Low-Kicks).

Neun Frauen wollten sich den Titel holen, somit musste die Freiämterin drei Kämpfe für sich entscheiden. Das tönt nach wenig, da Felber aber in der Kategorie Schwarzgurt antrat, traf sie nur auf die Besten der Besten – und musste jeden Kampf gewinnen, denn der Wettkampf funktioniert nach dem K.O.-System: Wer verliert, fliegt raus.

Zwei Knieverletzungen
«Seit 2009 mache ich Kickboxen, 2013 habe ich mit Fullcontact begonnen, weil ich zu hart zugeschlagen habe», sagt Felber und senkt entschuldigend den Blick. Und zum Vollkontaktsport möchte sie auch wieder zurück. Hart zuzuschlagen, das ist eine ihrer Stärken. Dass sie es dieses Mal mit Kick-light versuchte, ist der Verletzungspause geschuldet. Nach einem Motorradunfall musste sie ihr Knie operieren. Wegen dieser Verletzung musste sie damals auch den Finalkampf bei der Schweizer Meisterschaft aussetzen – auf Anraten des Arztes. «Das war ärgerlich, als es um die Wurst ging, durfte ich nicht mehr mitmachen», erinnert sich Felber.

Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass sie sich ärgerte: «Kaum war das Knie wieder in Ordnung, verletzte ich mich im Training am anderen.» Diagnose: Kreuzbandriss und Miniskusverletzung. So verlängerte sich die Zwangspause auf zweieinhalb Jahre. «Das Mühsamste ist, dass man nichts machen kann, nur abwarten.» Geduld, das ist nicht die Stärke von Christine Felber. Aber Kampfgeist hat die 28-Jährige: «Der Sport hat mir geholfen, in der Physiotherapie hart zu arbeiten. Wenn man ein Ziel hat, geht es ringer.» Aber auch in diesem Jahr sah es zunächst nicht gut aus. «Im ersten Kampf des Jahres ging ich vollgas K.O.», erzählt sie. Damals war sie am Boden zerstört.

Umso erfreulicher war der Weltcup-Sieg in Innsbruck, ihr bisher grösster Erfolg, wie Felber sagt. Jeder Kampf dauerte zwei mal zwei Minuten, mit 30 Sekunden Pause. Drei Punktrichter zählten die Schläge, wobei auch die Art des Treffers gewertet wird: Ein Kick zählt beispielsweise mehr als ein Faustschlag. Auf einer Anzeigetafel war live zu sehen, wer vorne liegt. «Während dem Kampf sollte man aber nicht auf die Tafel schauen, man hört allenfalls an der Lautstärke des Publikums, wer in Führung ist», erklärt die Kickboxerin.

Unterstützt wurde sie am Wettkampf durch ihren Club, Kickboxing Wohlen, und besonders durch ihren Trainer Rocco Cipriano, der schon mehrfach Weltmeister war.

Der nächste Wettkampf steht bereits in Aussicht: Am Samstag, 28. und Sonntag, 29. Mai findet in der Turnhalle Hofmatten in Wohlen die Schweizer Meisterschaft im Kickboxen statt. Ein Heimspiel für Felber. Die Erwartungen sind gross.