Boswil

Ein Paar geht auf «Abschiedstournee» im Solino

Stefan und Rita Gerschwiler haben das Boswiler Alters- und Pflegeheim geprägt wie niemand zuvor. Jetzt gehen sie in Pension.

Eddy Schambron
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Rita und Stefan Gerschwiler leiteten das Alters- und Pflegeheim Solino in Boswil jahrelang.

Rita und Stefan Gerschwiler leiteten das Alters- und Pflegeheim Solino in Boswil jahrelang.

Eddy Schambron

Seit 31 Jahren leiten Stefan und Rita Gerschwiler das Alters- und Pflegeheim Solino in Boswil. Jetzt gehen sie in Pension. «Wir haben diese Aufgabe bis heute mit viel Freude ausgeführt und die Verantwortung übernommen», sagen sie, «aber wir freuen uns jetzt auf die neuen Freiheiten». Sie können ihren Posten mit einem guten Gefühl verlassen: Das Haus ist voll besetzt und das Personalteam ideal eingesetzt. Das Solino beschäftigt 58 Mitarbeitende und stellt 51 Zimmer zur Verfügung. An ihrer Arbeit haben Gerschwilers vor allem die grosse Vielseitigkeit geschätzt. «Wir sind ein familiäres Haus, hier muss man als Verwalterehepaar über alles Bescheid wissen und kann nicht so viel delegieren, wie es in grossen Häusern der Fall ist.»

Es hat sich viel geändert in den letzten 31 Jahren. «Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat sich von etwa 10 Jahren auf jetzt eineinhalb Jahre reduziert. Wir sind längst kein Altersheim mehr, sondern haben uns zum umfassenden Pflegeheim entwickelt», stellen Stefan und Rita Gerschwiler fest. Sie erinnern sich genau an die grossen Schritte, die dieses Heim gemacht hat: 1995 der Bau von 22 Alterswohnungen und 2010 bis 2014 die komplette Sanierung und den Ausbau des ganzen Hauses, wohlverstanden unter normaler Belegung durch die Bewohnerinnen und Bewohner. «Das waren schon grosse Herausforderungen, aber auch spannende Projekte», blicken sie zurück. Während sich Stefan Gerschwiler in erster Linie der Verwaltung des Hauses, dem Baulichen und Organisatorischen widmete, hatte seine Frau Rita einen besonders guten Zugang zu pflegerischen Belangen und förderte mit ihrer kreativen Ader die Aktivierung der älteren Menschen. Die beiden ergänzten sich ideal. Und fanden im Verein Altersheim St. Martin Boswil einen Arbeitgeber, der ihnen viel Freiraum ermöglichte.

Angebot an die Bedürfnisse anpassen

Immer offen und flexibel bleiben, neue Ideen entwickeln und das Angebot an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen, das war Gerschwilers besonders wichtig. «Veränderungen sollten immer im Sinne der Bewohnerinnen und Bewohner erfolgen», sagen sie. Beispiele haben sie zahlreiche zur Hand. Früher waren Ausflüge mit dem Car begehrt, heute werden Ausflüge in kleinen Gruppen, zum Beispiel auf den Horben, viel mehr geschätzt. Also hat man das verändert. Dank einem grosszügigen Legat steht Geld für die Erfüllung von Wünschen von Bewohnerinnen und Bewohnern für besondere Erlebnisse zur Verfügung. Also werden solche ermöglicht. Es gibt eine Kochgruppe oder Gedächtnistraining. «Die alten Leute wollen nach ihren Möglichkeiten aktiv bleiben», weiss Rita Gerschwiler. Und immer wird versucht, die Kontakte zur Bevölkerung zu fördern und das Haus offen zu halten.

Kein Freiämter, aber im Freiamt zu Hause

Sie fühlen sich wohl im Freiamt, haben in Boswil auch ein eigenes Haus gebaut. «Aber ein richtiger Freiämter bin ich nicht geworden», lacht der St. Galler, dem man seine Herkunft immer noch anhört und der als Fussball-Fan nach wie vor für den FC St. Gallen mitfiebert. Aber er schätzt die schöne Landschaft hier und die ideale verkehrsmässige Lage. Zudem leben zwei Kinder und die Enkelkinder in der Region. Jetzt sind Gerschwilers zuerst einmal auf «Abschiedstournee» im Solino, besuchen jede Bewohnerin und jeden Bewohner, um sich persönlich zu verabschieden. Auch bei Paul Fischer, der gegenwärtig im Solino wohnt und sie vor 31 Jahren eingestellt hat. «Er war der Grund, weshalb wir Ja zur Stelle gesagt haben. Es hat sich ein wunderbares Verhältnis daraus entwickelt und jetzt schliesst sich zusagen ein Kreis.»

Am nächsten Mittwoch übergeben Stefan und Rita Gerschwiler ihrem Nachfolger Ralph Huggel die Schlüssel und damit die Verantwortung des Boswiler Heimes. Im Oktober werden sie für zwei Monate nach Neuseeland reisen, «Abstand gewinnen». Und für danach haben sie Pläne und Vorlieben – im kreativen Bereich bei Rita Gerschwiler, im sportlichen Bereich mit Wandern, Schwimmen und Velofahren bei Stefan Gerschwiler.

Werden sie dereinst, wenn sie alt sind, selber in «ihr» Solino ziehen? «Wir möchten, wie alle andern, möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben», sagt der Heimleiter, «und was danach kommt, muss zum heutigen Zeitpunkt offenbleiben.» Sicher sei, dass dann der Abstand gross genug wäre, selber ins Solino einzuziehen. «Heute wäre der Eintritt ins Heim als ehemaliger Chef sicher nicht klug.»