Abtwil

Er dirigiert die Musikgesellschaft seit 30 Jahren: So etwas wie eine «musikalische Ehe»

Hugo Felber dirigiert die Musikgesellschaft seit 30 Jahren und wird mit einen Jubiläumskonzert geehrt.

Eddy Schambron
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Hugo Felber im Schulzimmer: Er ist der Schule Muri fast so lange treu wie er die Musikgesellschaft Abtwil dirigiert. Eddy Schambron

Hugo Felber im Schulzimmer: Er ist der Schule Muri fast so lange treu wie er die Musikgesellschaft Abtwil dirigiert. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Die Musikgesellschaft Abtwil ohne Dirigent Hugo Felber ist schwer vorzustellen. Das verwundert nicht weiter: Der Verein und der Dirigent harmonieren inzwischen seit 30 Jahren hervorragend miteinander. Eine solche, enge Beziehung ist aussergewöhnlich. «Es ist nicht alltäglich, dass ein Dirigent so lange bleibt», räumt Felber ein. «Und es ist auch nicht sehr modern.» Aber irgendwie entstehe so etwas einfach. Begünstigend kommt sicher hinzu, dass er einer von der beständigen, treuen Sorte ist; er unterrichtet auch schon 27 Jahre lang an der Schule in Muri. Ein Glücksfall für die Musikgesellschaft Abtwil, die ihm zu Ehren am 28. und 29. April ein Jubiläumskonzert gibt, ist er aber auf jeden Fall. Den musikalischen Blumenstrauss, den die Musikantinnen und Musikanten ihrem Dirigenten schenken, reicht er am Konzert unter dem Motto «Flourishing Music», «Blühende Musik«, gleich weiter ans Publikum.

Mit Leidenschaft

Der Dirigent selber nimmt sich gerne zurück, obwohl er immer vorne steht. «Blasmusik ist Teamsache, ein Gemeinschaftswerk», sagt der in Abtwil seit seiner Jugend verwurzelte Felber. Das stimmt. Aber im Fall von Abtwil wirkt sich seine Leidenschaft für Musik – «nicht nur für Brass Band» – seit 30 Jahren befruchtend auf die Kameradinnen und Kameraden aus. «Mit Menschen zusammen etwas zu erarbeiten, ist etwas Besonderes. Man lernt viele Leute kennen, es entstehen Freundschaften.» Selbstverständlich hat sich in den 30 Jahren auch einiges verändert. «Es ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass jeder an jedem Anlass zur Verfügung steht.» Berufliche und private Ansprüche sind gestiegen, der Verein hat nicht automatisch Vorrang. Die Literatur ist anspruchsvoller geworden, differenzierter arrangiert. «Heute kommen mehr oder weniger alle solistisch zur Kasse, da kann sich keiner mehr durchmogeln.» Gestiegen ist auch die Erwartungshaltung, sowohl bei den Musikanten als auch beim Publikum. Felber lebt und macht das alles mit. «Wir haben eine sehr schöne Vereinskultur und ein treues Publikum», deckt er den Hintergrund für sein ungebrochenes Engagement auf. Und er findet in seiner Frau Käthi eine grosse Unterstützung. Wie viele Stunden er für die Musik aufwendet, kann er nicht sagen. «Es spielt ja auch keine Rolle, so lange es Freude macht.»

Engagiert für den Nachwuchs

Felber, übrigens seit 45 Jahren in der Musikgesellschaft Abtwil, engagiert sich ebenfalls stark in der Nachwuchsförderung. Oberfreiämter Musikgesellschaften haben mit der ABM Brass Power sogar seit Jahrzehnten eine eigene «Nachwuchsschmiede» Allerdings gehen die Anmeldungen zurück. «Das Freizeitangebot ist grösser als früher, vielen fehlt es aber auch etwas am Biss, etwas durchzuziehen». Am ehesten gelinge es, junge Leute zu begeistern, wenn die Eltern musizieren oder in der Familie musiziert wird. «Und manchmal braucht es auch einen gewissen Schubs und elterliche Hartnäckigkeit, wenn die Motivation nachlässt», schmunzelt Felber, «auch wenn diese Aussage aus dem Mund eines Pädagogen nicht gerade populär ist.»

Jahr für Jahr

Im Laufe der Jahre ist der 60-Jährige gelassener geworden. «Mein Ehrgeiz, ein gutes Konzert zu dirigieren, ist ungebrochen», sagt er, «aber ich war früher viel verbissener. Heute nehme ich es lockerer.» Und er will noch etwas weiter machen. «So lange es dem Verein und mir wohl ist und die Gesundheit mitspielt, spricht nichts dagegen.» Entschieden werde ohnehin seit je Jahr für Jahr neu. Ihm ist bewusst, dass sowohl der Verein als auch er persönlich nach 30 Jahren «musikalischer Ehe» in einer besonderen Situation stecken. Die Trennung, nicht Scheidung (!), wird eines Tages kommen. «Ich hoffe und bin jedoch überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden, mit der alle einigermassen zufrieden sein werden.» Aber Felber weiss schon heute, was ihm fehlen wird: die Spannung vor der Premiere, die Faszination eines Live-Auftritts, an dem vieles unberechenbar ist, das Glücksgefühl nach dem gelungenen Konzert, der donnernde Applaus eines begeisterten Publikums, selbst das Bier nach jeder Probe. «So ist es eben», sagt er und legt die Hände übereinander.