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Fast kein Honig: 2021 war ein äusserst schlechtes Jahr für die Imker und ihre Völker – das sind die Gründe

Durch den kühlen Frühling gab es kaum Nektar, den die Bienen hätten sammeln können. Und der viele Regen im Sommer wusch den Blatttau, den die Bienen zur Honigproduktion brauchen, gleich wieder ab. Imker Bruno Heggli vom Lehrbienenstand in Mühlau berichtet.

Andrea Weibel
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Imker Bruno Heggli vom Lehrbienenstand in Mühlau konnte dieses Jahr gerade einmal 5 bis 6 Kilo Honig pro Volk schleudern. In einem normalen Jahr sind es rund 20 Kilo pro Volk.

Imker Bruno Heggli vom Lehrbienenstand in Mühlau konnte dieses Jahr gerade einmal 5 bis 6 Kilo Honig pro Volk schleudern. In einem normalen Jahr sind es rund 20 Kilo pro Volk.

Andrea Weibel

Wer dieses Jahr frischen Honig von den hiesigen Imkern sucht, könnte enttäuscht werden. Denn ein so schlechtes Jahr wie 2021 haben selbst die ältesten Freiämter Imker noch kaum je gesehen. «Normalerweise, wenn einmal ein Frühling wenig Blütenhonig einbringt, ist dafür der Sommer gut und umgekehrt», sagt Imker Bruno Heggli, der den Lehrbienenstand in Mühlau betreut. Schulterzuckend fügt er hinzu:

«Dieses Jahr war beides schlecht.»

Im März und April seien die Bienen zwar an schönen, warmen Tagen ausgeflogen und hätten den Nektar von den Blüten gesammelt, die Imker waren zufrieden. «Aber wenn danach wieder eine Woche schlechtes Wetter folgt oder es so kalt wird wie diesen Frühling, dann können die Bienen nicht nur keinen weiteren Nektar sammeln, sondern sie fressen auch die gesammelten Vorräte wieder auf», erklärt der Experte. Immerhin konnten noch 5 bis 6 Kilo Honig pro Volk geschleudert werden.

Die Freiämter Imker setzten all ihre Hoffnungen auf den Sommer. «Normalerweise holen die Bienen im Mai und Juni den Blatttau ab, also die Ausscheidungen von Blattläusen, die sich am süssen Saft in den Blattadern überfressen. Das ist die klebrige Masse, die einem auf dem Auto klebt, wenn man im Frühsommer beispielsweise unter einer Linde parkiert hat», erklärt er weiter.

«Aber diesmal hat der viele Regen den Blatttau sofort wieder abgewaschen. Ebenso jenen auf den Tannen, den die Bienen normalerweise im Juli sammeln und aus dem wir dann den Waldhonig schleudern.» So blieb es bei jenen 5 bis 6 Kilo Honig in diesem Jahr, denn:

«Im Sommer schleuderten wir kein einziges Mal.»

Es gab einen Engpass in der Bienenfutterlieferung

Es war sogar noch schlimmer: «Normalerweise füttern wir die Bienen ab dem 1. August mit Zucker. Ab dann ist die Honigproduktion für das Jahr vorbei», erklärt Heggli. «Aber dieses Jahr fütterten viele Imker aus der Region ihre Bienen sogar schon im Juli, weil diese kein Futter mehr fanden und Hunger hatten.»

Dabei erhalten die Bienen eigens für sie zusammengestellten Spezial-Zuckersirup von der Lenzburger Firma Hostettler Spezialzucker AG. Heggli erzählt: «Die Firma liefert in die ganze Schweiz. Dieses Jahr haben so viele Imker so viel mehr Bienen-Zuckersirup gebraucht, dass es sogar zu Lieferengpässen gekommen ist.» Denn in normalen Jahren würden 10 bis 15 Kilo Zuckersirup pro Volk genügen, heuer brauchte jedes Volk bis zu 40 Kilo davon.

Urs Bieler, Leiter Verkauf und Marketing der Hostettler Spezialzucker AG, hält jedoch fest: «Es stimmt, die Imker haben dieses Jahr mehr oder weniger in der ganzen Schweiz viel mehr Zuckersirup für ihre Völker gebraucht. Das war aber nur einer der Gründe für den Lieferengpass. Ein anderer war, dass Materialien wie beispielsweise Verpackung oder Rohstoffe teilweise Lieferverzögerungen hatten.» Ausserdem sei die Firma, deren Hauptabnahmemarkt Gastgewerbe und Industrie sind, von Anfragen überrannt worden, als die Restaurants wieder aufmachen durften. Darunter habe die Produktion des Bienenfutters kurzfristig gelitten.

Die Bienen hängen am Glas mit Zuckersirup, den die Imker ihnen verfüttern.

Die Bienen hängen am Glas mit Zuckersirup, den die Imker ihnen verfüttern.

Andrea Weibel

Früher war im September Schluss, heute fliegen Bienen bis im Dezember

Was ebenfalls zu dieser Zuckersirupknappheit führte: Bis vor etwa zehn Jahren fütterten die Imker ihre Völker nur bis etwa Mitte/Ende September. Danach kehrte im Bienenstock Winterruhe ein. «Weil der Herbst aber in den vergangenen Jahren so warm war, fliegen die Bienen teilweise bis in den Dezember hinein. Auch ziehen sie dann manchmal immer noch ihre Brut auf, was ebenfalls sehr viel Nahrung braucht, die sie in der Natur aber viel zu wenig finden», sagt der Mühlauer Imker.

Erst dann, wenn ein Volk 20 Kilo Futter in den Waben eingelagert und mit einer schützenden Wachsschicht verschlossen hat, hören die Imker auf, sie zu füttern. «Wann es soweit ist, erkennen wir, indem wir entweder die Waben schätzen oder sie wiegen», hält Heggli fest. Aber:

«Wenn die Völker bis in den Dezember fliegen, fressen sie den Zuckersirup und die gefundene Nahrung immer wieder auf, statt sie einzulagern. Also müssen wir immer weiter füttern, um sie nicht hungern zu lassen.»

Erst wenn es Fröste gibt, merken auch die Bienen, dass es Zeit ist, sich für den Winter zurückzuziehen. Sie lassen ihren Stock von 35 Grad, die sie während der Brutzeit halten, runterkühlen und hängen sich in einer Traube um ihre Königin auf, damit diese vor der Kälte geschützt ist. Dann halten sie Winterruhe und gönnen sich selber und ihren Imkern ein paar Monate Pause. Bis es im März dann wieder losgeht.

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