Mutschellen

Freiämter Grossräte stellen dem Regierungsrat Fragen zum «Fall Malm»

Der Fall des äusserst umstrittenen Bremgarter/Mutscheller Arztes Ingo Malm zieht weitere Kreise. Vier Freiämter Grossrätinnen und ein Grossrat stellen Fragen und beleuchten Hintergründe.

Lukas Schumacher
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Der politische Druck auf den Arzt und auf die Gesundheitsbehörde des Kantons Aargau wächst. (Archiv/SF/Kassensturz)

Der politische Druck auf den Arzt und auf die Gesundheitsbehörde des Kantons Aargau wächst. (Archiv/SF/Kassensturz)

SF/Kassensturz

«Warum hat der Kanton trotz mehrfacher Hinweise des regionalen Hausärzteverbandes bis heute nichts gegen Ingo Malm unternommen?» Das ist eine von sechs Fragen, die fünf Grossräte dem Regierungsrat stellen. Den Vorstoss reichten Theres Lepori (Berikon, CVP), Milly Stöckli (Muri, SVP), Rosmarie Groux (Berikon, SP), Andrea Moll (Sins-Fenkrieden, FDP) und Herbert Strebel (Muri, CVP) ein.

Brisanter als die gestellten Fragen sind einige Bemerkungen im Text der Interpellation. So soll Malm etwa 2009 seinen Patienten die Schweinegrippe-Impfung zu einem Zeitpunkt angeboten haben, als der Impfstoff noch gar nicht entwickelt war. Malm lässt über seinen Anwalt dazu ausrichten: «Damals war der Impfstoff gegen die normale saisonale Grippe verfügbar. Aus medizinischer Sicht war es sinnvoll, Risikopatienten diesen Impfstoff zu verabreichen.» Er habe aber keinem Patienten eine solche Behandlung als Impfung gegen die Schweinegrippe «verkauft».

Kritik an Malms Bewilligung

Die fünf Grossräte kritisieren weiter, dass Malm im Aargau praktizieren darf: «In München wurde ihm wegen massiver Vergehen die Berufsausübungsbewilligung entzogen». Ein Vorwurf, den Malms Anwalt kontert. «Es ist falsch, dass Herrn Malm in Deutschland die Berufsausübungsbewilligung entzogen wurde.»

Das Landesprüfungsamt für Humanmedizin und Pharmazie der Regierung von Oberbayern bestätigte Malm am 9. Januar 2006 schriftlich, dass er zur «uneingeschränkten Ausübung des ärztlichen Berufes in der Bundesrepublik Deutschland berechtigt» sei. Malm sei «nicht suspendiert oder disqualifiziert» und es sei ihm nicht verboten, «Medizin praktisch auszuüben», ist dem Schreiben zu entnehmen.

Patienten als Privatinvestoren

In einem Schreiben vom Oktober, das der az Aargauer Zeitung vorliegt, bittet Malm Patienten um Kleinkredite ab 2000 Franken. «Beteiligen Sie sich doch - bewusst auch mit kleineren Beträgen - an Ihrer Arztpraxis», ruft er sie auf und verspricht auch recht saftige Renditen. Bei Laufzeiten von einem bis drei Jahren sollen Zinsen zwischen 4% und 7% herausspringen.

AZ

Malms Anwalt hält fest: «Es handelt sich um ein normales Investment, wie wenn jemand Novartis-Aktien kauft und Medikamente dieser Firma einnimmt.» Der Arzt betont, er habe keine Patienten zu finanziellen Beteiligungen an seiner Praxis gezwungen. «Ein allfälliger Kredit von Patienten hat auch keinen Einfluss auf die Behandlung, das Arzt-Patienten-Verhältnis verändert sich dadurch nicht.» Ausserdem habe er keine Kreditanfragen verschickt: «Die Briefe lagen lediglich in der Praxis auf.»