Wohlen

Gegen den Wassermangel - Läuft das Wasser im Freiamt bald rund?

Die IBW will dem drohenden Wassermangel zukünftig mit einem neuen Ringschluss entgegenwirken. Die dafür notwendigen Investitionen belaufen sich bis 2035 auf insgesamt 23,7 Millionen.

Patrick Züst
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Die Studie «Wasser 2035» wurde von Peter Lehmann (rechts), Vorsitzender der Geschäftsleitung IBW, initiiert und unter der Leitung von Martin Schibli, Geschäftsführer Waldburger Ingenieure, durchgeführt.

Die Studie «Wasser 2035» wurde von Peter Lehmann (rechts), Vorsitzender der Geschäftsleitung IBW, initiiert und unter der Leitung von Martin Schibli, Geschäftsführer Waldburger Ingenieure, durchgeführt.

Das Jahr 2015 illustrierte eindrücklich, was Experten bereits seit geraumer Zeit prophezeien: Das Wasser im Freiamt wird langsam aber sicher knapp. Ein trockener Sommer und ein niederschlagsarmer Winter führten im vergangenen Jahr in diversen Gemeinden zu akutem Wassermangel. Tägerig beispielsweise musste im Dezember täglich bis zu 100 000 Liter von der Nachbarsgemeinde Mellingen beziehen.

Damit solche Situationen zukünftig vermieden werden können und eine stabile Wasserversorgung im Freiamt auch zu den Spitzenzeiten gewährleistet ist, hat die IB Wohlen AG (IBW) die Studie «Wasser 2035» in Auftrag gegeben.

Ein Team der Waldburger Ingenieure AG erstellte unter der Leitung von Martin Schibli während den vergangenen zwei Jahren ein Konzept, mit welchem die Freiämter Wasserversorgung für die nächsten 20, beziehungsweise für die nächsten 35 Jahre gesichert werden soll. Dabei wurden nicht nur die sich wandelnden Klimabedingungen berücksichtig, sondern auch die steigenden Einwohnerzahlen. Am vergangenen Mittwochabend wurden den Vertretern der beteiligten Gemeinden die ersten Resultate präsentiert.

10 Millionen Liter Defizit

Die Freiämter Grundwasserreserven werden derzeit schon fast maximal genutzt. Zwar könne man zukünftig die Förderleistungen der Fassungen Karrenwald (Niederwil) und Hintere Mulde (Waltenschwil) punktuell noch leicht erhöhen, gleichzeitig aber wird man diverse andere Quellen aufgrund von Schutzzonenbestimmungen aufgeben müssen. «Dass wir im Freiamt das Wasserdargebot auch in Zukunft konstant halten können, ist grundsätzlich ein positives Resultat», so Schibli.

Mit 23 beteiligten Gemeinden und den beiden Verbunden Rewa Birrfeld und RWV Mutschellen wurde die Studie «Wasser 2035» für derzeit rund 77 000 Einwohner durchgeführt. In den kommenden zwanzig Jahren soll diese Zahl jedoch bis auf 90 000 anwachsen. Damit einhergehend wird eine gesamte Bedarfszunahme von über 15 Millionen Liter Wasser pro Tag prognostiziert, was bei der aktuellen Abdeckung einem täglichen Defizit von rund 10 Millionen Liter entspräche.

Bestehende Netze erweitern

Schibli erklärt, dass dieses Wasser zukünftig zu Grossteilen aus dem Gebiet Länzert in Lenzburg kommen soll, wo das Leistungspotenzial der Fassung Hard II gemäss der präsentierten Studie stark optimiert werden könne. Bereits heute bezieht die Gemeinde Wohlen einen Grossteil ihres Wassers von Lenzburg.

Das vorgestellte Wasserversorgungskonzept sieht nun eine Ergänzung dieser Leitungen zu einem Ringschluss vor, welcher das Wasserpotenzial der Lenzburger Fassungen auch für die restlichen beteiligten Gemeinden im Bünz- und Reusstal verfügbar machen würde. Vor allem im Reusstal sollen dabei Erweiterungen gebaut werden, welche bereits bestehende Versorgungsnetze untereinander verbinden. Konkret sind dafür Leitungen zwischen Lenzburg und Mägenwil, zwischen Wohlenschwil und Niederwil und zwischen Fischbach-Göslikon und Wohlen geplant. Bei den bereits bestehenden Leitungen, welche Lenzburg und Wohlen verbinden, wäre ein Ausbau der Leistungskapazität notwendig.

Vorsorgen für die Versorgungen

Ein solches Projekt würde gemäss der Studie «Wasser 2035» die Wasserversorgungssicherheit im Freiamt auch für die Zukunft gewährleisten. Die dafür notwendigen Investitionen belaufen sich bis 2035 auf insgesamt 23,7 Millionen und bis 2050 auf zusätzliche 12,2 Millionen Franken. «Dabei soll es aber nicht zu einem Zusammenschluss der Wasserversorgungen kommen, sondern nur zu einer Vernetzung. Die Gemeinden bleiben autonom», betont Peter Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung IB Wohlen AG.

Wie – und ob – es weitergeht mit dieser Vision eines vernetzten Freiämter Wasserverbunds liegt nun vor allem in der Hand der betroffenen Gemeinden. Innerhalb der nächsten Monate soll das Projekt konkretisiert werden, bis 2020 soll das Bauprojekt stehen. Die schrittweise Inbetriebnahme ist schliesslich für 2025 angesetzt.