Muri

Gemeinderat macht Rückzieher: Roos wird nicht verkauft

Das Zentrum Im Roos wird im Besitz der Gemeinde Muri bleiben. «Ein Verkauf hätte an der Gemeindeversammlung nur mit einem hohen Preis und einem würdigen Käufer eine Chance gehabt», schreibt der Gemeinderat.

Eddy Schambron
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Das Zentrum im Roos wird heute vielfältig genutzt. Der Gemeinderat zieht einen in Erwägung gezogenen Verkauf jetzt zurück.

Das Zentrum im Roos wird heute vielfältig genutzt. Der Gemeinderat zieht einen in Erwägung gezogenen Verkauf jetzt zurück.

ES

Der Grund für den Rückzieher ist die reale Situation: Der ermittelte Marktwert ist weit davon entfernt, eine Mehrheit für den Verkauf in der Gemeindeversammlung zu finden. Andererseits ist die vom Gemeinderat bei seinem im Februar gefassten Grundsatzentscheid angedachte, aber nicht veröffentlichte Preisvorstellung genauso weit entfernt, eine Käuferschaft zu finden. Knacknuss ist, dass die Liegenschaft in der Zone für öffentliche Bauten liegt.

Bei einem Verkauf von mehr als 8000 Quadratmetern Grundstücksfläche sei es entscheidend, in welcher Bauzone eine Liegenschaft liegt. «Ein Käufer ist nicht bereit, den höheren Kaufpreis für eine andere Zone zu zahlen, so lange eine Umzonung nicht rechtskräftig ist», stellt der Gemeinderat fest. Auf der anderen Seite müsse die Gemeinden den Kaufpreis für eine «normale» Zone verlangen.

«Auch deshalb ist es kaum realistisch, einen Verkaufspreis zu erzielen, den die Bevölkerung von Muri mittragen würde.» Kommt hinzu, dass der Kreis möglicher Kaufinteressenten für diese spezielle Liegenschaft eher klein ist. Einziger grundsätzlicher Kaufinteressent ist der Bauernverband Aargau, heute Hauptmieter von Räumlichkeiten im Roos.

Wie hoch ist der Marktwert?

Was also hat das Roos für einen Marktwert? Die Gemeinde hat die Liegenschaft 2003 für 4 Mio. Franken gekauft. Bei einem Verkauf hätte die Gemeinde den Werkhof behalten. Gemeindepräsident Hampi Budmiger äussert sich nicht zu dem von Wüest & Partner AG ermittelten Marktwert.

Aber man kann angesichts der Ausgangslage von realistischen 3,5 Mio. Franken ausgehen, solange das Land in der Zone für öffentliche Bauten liegt. Wird das Land umgezont, nimmt das nicht nur relativ viel Zeit in Anspruch, sondern treibt den Marktwert in Höhen, die für potenzielle Käufer uninteressant sein könnten. Erschwerend kommt hinzu, dass in den nächsten rund zehn Jahren Investitionen von gegen sieben Millionen Franken in Dach, Fenster und Fassade sowie die Haustechnik anstehen, wie der Gemeinderat errechnet hat. Auch das sind keine verkaufsfördernde Aussichten.

Anregungen von Parteien

Was tun? Im kürzlich mit den Ortsparteien durchgeführten Budgetprozess sei mehrfach empfohlen worden, das Roos als Schul- und Gemeindeverwaltungszentrum zu prüfen. Die im neuen Verwaltungsgebäude des Spitals eingemieteten drei Abteilungen könnten im Roos untergebracht werden.

«Auch die Finanzkommission ist der Meinung, die Unterbringung der drei heute im Spital für fünf Jahre eingemieteten Verwaltungsabteilungen im Roos sei zu prüfen», hält der Gemeinderat weiter fest.

In der Besprechung mit dem Bauernverband Aargau als möglichen Kaufinteressenten sei man überein gekommen, keine weiteren Kaufverhandlungen zu führen. Mit dem Verband, aktuell der grösste Mieter, «ist man in Kontakt und es wird angestrebt, das Mietverhältnis weiterzuführen, beziehungsweise auszubauen.»

Auch aus der Bevölkerung seien Stimmen laut geworden, das Roos in dieser Zeit nicht zu verkaufen, sondern es gut zu nutzen, zumal die Gemeinde heute günstig Geld aufnehmen könne. «Die Bevölkerung hat offenbar einen Bezug zur Liegenschaft im Roos», hält der Gemeinderat weiter fest.

Bedarf nach mehr Schulraum bleibt

Muri braucht an einem oder mehreren heutigen Standorten zusätzlichen Schulraum. Zu diesem Schluss kommt eine erst kürzlich veröffentlichte Erhebung der Arbeitsgruppe Schulraumplanung mit Blick auf einen Horizont bis 2040. Daran ändert sich auch nach dem Rückzieher des Gemeinderates in Sachen Verkauf des Zentrums im Roos nichts. «Selbstverständlich werden wir das Roos wieder in die Schulraumplanung einbeziehen», erklärt Gemeindepräsident Hampi Budmiger. «Aber auch wenn wir jetzt das Roos behalten, nimmt das den Druck auf Schulraum nicht weg.» Das Roos spiele einzig im Hinblick auf die zeitliche Achse bei der Realisierung von zusätzlichem Schulraum eine Rolle.

Macht die Nutzung des Zentrums Roos den angedachten Neubau eines Verwaltungsgebäudes im Bahnhofquartier überflüssig? «Die gesamte Verwaltung im Roos unterzubringen, ist wegen der peripheren Lage kaum denkbar», sagt Budmiger. Abteilungen mit viel Kundenfrequenz müssten zentraler liegen. Der Gemeinderat setzt eine Arbeitsgruppe ein mit dem Auftrag, ein Nutzungskonzept bis Herbst 2015 zu erarbeiten, damit noch dieses Jahr entschieden werden kann, wie das Zentrum im Roos genutzt werden soll und welche Investitionen dazu erforderlich sind. (es)