Gerichtsfall
«Ich habe das Hirn nicht eingeschaltet» – jetzt muss die Mutter sechs Monate ins Gefängnis

Diebstahl, Betrug, Pfändungsbetrug, Urkundenfälschung, Körperverletzung: Lang war die Liste der Vorwürfe an eine zweifache Mutter. Mit dem Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten war sie nicht einverstanden. Doch das Obergericht ist nicht viel gnädiger.

Pascal Bruhin
Merken
Drucken
Teilen
Unter anderem soll die Beschuldigte Kleider und Kosmetika im Shoppingcenter Spreitenbach gestohlen haben.

Unter anderem soll die Beschuldigte Kleider und Kosmetika im Shoppingcenter Spreitenbach gestohlen haben.

Symbolbild / Coolpix

Berufungsprozess am Obergericht Aargau am Montagvormittag: Eine zweifache Mutter wehrte sich gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten. Wegen verschiedener Delikte verurteilte sie das Bezirksgericht Ende Oktober 2019 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 130 Franken sowie einer Busse von 1000 Franken.

Mit diesem Urteil war die Beschuldigte nicht einverstanden und zog es deshalb mit ihrer Strafverteidigerin mit einer Berufung an das Obergericht in Aarau weiter.

Drei Anklagepunkte gab die Beschuldigte zu

«Ich habe das Hirn nicht eingeschaltet», sagte die Beschuldigte in der Befragung. Den Diebstahl von Kleidern und Parfums in der Manor-Filiale im Shoppi-Tivoli Spreitenbach gab sie zu. Sie habe sich damals in einer schwierigen Lebensphase befunden.

«Ich habe mich irgendwie aufgegeben, nicht an die Konsequenzen gedacht.»

Geldprobleme, Schulden, Betreibungen und Pfändungen begleiteten die 40-Jährige offenbar seit geraumer Zeit. Sie befand sich zur Tatzeit in mehreren Pfändungsvollzügen und musste dem Betreibungsamt darum Auskunft über einen Stellenwechsel oder Veränderungen in ihren Einkommens- und Lebensverhältnissen geben. Dies tat die Beschuldigte jedoch nicht. Sie nahm eine neue Arbeitsstelle an, ohne das Betreibungsamt zu informieren.

Zudem fälschte sie Kontoauszüge zuhanden des Betreibungsamts. Auch über Kinderzulagen, die sie sich auf ihr persönliches Konto auszahlen liess, schwieg sie. Den Tatvorwurf des Pfändungsbetrugs und der Urkundenfälschung stritt sie darum nicht ab.

Schleudertrauma nach Unfall sei nicht durch sie verursacht worden

Ebenfalls gestand sie, in einen Autounfall verwickelt gewesen zu sein. Dabei wurde der ältere Citroën Saxo eines anderen Verkehrsteilnehmers massiv beschädigt. Der Fahrer erlitt unter anderem ein Schleudertrauma. Die Angeklagte bezweifelte vor dem Obergericht, dass die gesundheitlichen Konsequenzen des anderen Fahrers aus diesem Unfall resultierten. Sie legte gegen die Genugtuung von 1000 Franken, die ihr das Bezirksgericht Bremgarten auferlegt hatte, Berufung ein.

Den Vorwurf des Betrugs – sie soll einen Elektroinstallateur mit Arbeiten beauftragt haben, im Wissen, dass sie seine Rechnung nicht würde zahlen können – stritt die Beschuldigte ab. Es sei unerwartet eine andere Rechnung eingetroffen, die sie zuerst hätte zahlen müssen. Ansonsten hätte sie den Elektroinstallateur natürlich bezahlen können.

Wie bereits am erstinstanzlichen Prozess am Bezirksgericht Bremgarten, forderte die Strafverteidigerin für ihre Mandantin einen Freispruch in den Anklagepunkten des Betrugs sowie der fahrlässigen einfachen Körperverletzung. Für die restlichen Taten sah sie eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken für gerechtfertigt.

Nur vom Vorwurf des Betrugs sprach das Obergericht sie frei

In ihrem emotionalen letzten Wort meinte die Beschuldigte: «Ich schäme mich. Ich habe Fehler gemacht, ich bin kein Opfer.» Und weiter:

«Das bin nicht ich. Das sind nicht die Werte, die ich meinen Kindern mit auf den Weg geben möchte.»

Ihre Schulden wolle sie allesamt baldmöglichst zurückbezahlen, «auch wenn ich Wasser und Brot essen muss».

Nach einstündiger Beratung verkündete die Gerichtspräsidentin das Urteil: Bis auf den Vorwurf des Betrugs sah das Obergericht sämtliche Vorwürfe als erwiesen an. Es bestätigte entsprechend das Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten von einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, davon sechs Monate unbedingt, sowie einer Busse von 1000 Franken. Die bedingte Geldstrafe hob das Gericht auf. Das Urteil kann an das Bundesgericht weitergezogen werden.