Wohlen

«Ich bin noch fast zu jung»: SVP-Einwohnerrat nimmt an Oldtimer-Meisterschaft teil

Der SVP-Einwohnerrat Roland Büchi startet am Sonntag am Motocross in Hilfikon in die Oldtimer-Meisterschaft.

Toni Widmer
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Schmuckstück: Diese wunderschöne, 50 Jahre alte BSA 500 hat Roland Büchi zusammen mit Hans Hartmann selber aufgebaut. Toni Widmer

Schmuckstück: Diese wunderschöne, 50 Jahre alte BSA 500 hat Roland Büchi zusammen mit Hans Hartmann selber aufgebaut. Toni Widmer

Toni Widmer

Man kennt ihn als SVP-Einwohnerrat und Präsident der Einbürgerungskommission von Wohlen. Wer ihn besser kennt, weiss auch von seiner grossen Leidenschaft für alte Motorräder und den Motocross-Sport. Am nächsten Sonntag startet der 55-Jährige auf seiner 50-jährigen BSA 500 an der lizenzfreien Veranstaltung auf der traditionellen Rennstrecke beim Schloss Hilfikon in die neue Meisterschaft. Veranstaltet wird diese vom Oldtimer Motocross Club Schweiz (OMC). 2016 hat Büchi in der Schlussrangliste den 4. Platz belegt und das Podest nur um einen Punkt verfehlt.

Will er dieses Jahr noch weiter nach vorne fahren? Roland Büchi winkt ab: «Klar wäre ein Podestplatz toll. Doch ich arbeite bei der Betriebswache im KKW Beznau im Schichtdienst und kann deshalb wohl erneut nicht an allen Rennen teilnehmen. Sicher gebe ich Gas und will möglichst vorne dabei sein. Letztlich zählt für mich aber das Erlebnis auf und neben der Piste mehr als ein Sieg.»

Von seinem Hobby ist er total angefressen. Dafür investiert er praktisch seine gesamte Freizeit und auch den grössten Teil seiner Ferien: «Ich fahre die OMC-Europameisterschaft. Das sind drei Solo-Rennen sowie ein Teamwettbewerb in verschiedenen europäischen Ländern. Die Reisen an diese Wettbewerbe und an die Rennen in der Schweiz mit Wohnmobil und Anhänger sind für uns wie Ferien», erzählt Büchi, der stets von seiner Frau Bea begleitet wird: «Sie ist von diesem Sport fast noch angefressener als ich. Die Oldtimer-Crössler sind eine grosse Familie. Auf der Strecke bekämpft man sich und nachher sitzt man gemütlich zusammen und feiert ein Fest. Das gefällt Bea ebenso wie mir.»

Motorsportfan von klein auf

Roland Büchi ist mit Benzin im Blut auf die Welt gekommen. Stolz zeigt er seine Mopeds, die er im Keller sauber restauriert aufbewahrt und mit denen er seine motorisierte Karriere begonnen hat.

Mit 18 Jahren gabs den ersten richtigen Töff, eine Yamaha DT 125 ccm, und seither ein paar weitere: «Ich habe in meinem Leben bisher sicher etwa 30 verschiedene Motorräder besessen. Oft hatte ich vier bis fünf gleichzeitig eingelöst und bin abwechselnd damit gefahren.» Auch heute noch stehen mehrere Strassen- und Enduro-Motorräder in der Garage: eine Rickmann-Triumph 500 ccm mit Jahrgang 62, eine Yamaha XT 500 aus dem Jahr 1977 und eine auch schon 25-jährige Kawasaki ZZR 1100.

Zum Motocross kam der Motorsportfan relativ spät: «An der Rennstrecke in Hilfikon war ich, sobald ich laufen konnte. Der Sport hat mich von klein auf fasziniert. Erstmals selber über eine Crosspiste gerast bin ich vor 30 Jahren als Plampi im Seitenwagen von Hans Hartmann.» Der Dottiker Oldtimer-Spezialist hatte damals eben seine aktive Motocross-Karriere beendet, fuhr mit Büchi zusammen aber noch lizenzfreie Rennen. Natürlich mit Oldtimern: «Zuerst war es eine Yamaha XS 1000, mit der früher Grogg/Hüsser ihre Erfolge gefeiert hatten. Später eine Honda VMC 560 2-Takt», erzählt er.

Nach ein paar Jahren Pause wegen seines Berufes wurde Roland Büchi 2005 erneut vom Motocross-Virus gepackt. «Ich war an einem Oldtimer-Rennen in Zetzwil und beschloss: ‹Das mues i au mache›. Alte Töffs mit ihren grossvolumigen Viertakt-Motoren üben auf ihn eine besondere Faszination aus: «Das stimmt einfach alles. Der laute kernige Ton ist speziell, das Fahren erfordert Kraft und Technik und die Pflege ist zwar aufwendig, aber man kann viel selber schrauben.»

Das Alter gibt Plus-Punkte

Die Meisterschaft fährt Büchi mit der eingangs erwähnten BSA 500. Sie hat er zusammen mit Hans Hartmann selber aufgebaut. Für die Meisterschaftsabrechnung zählen nicht nur die erzielten Plätze an den Rennen. Nach einem speziellen System gibt es zusätzlich Punkte für das Alter des eingesetzten Töffs sowie das Alter des Fahrers. «Das Alter des Töffs stimmt, aber ich bin noch fast ein bisschen zu jung. Wenn ich gegen einen 70-Jährigen mit einem 50-jährigen Töff antreten muss, hat der am Startbalken schon fast gewonnen», schmunzelt der Wohler.

Langsam, davon kann man sich am Sonntag in Hilfikon überzeugen, sind auch die älteren Herren mit ihren alten Töffs nicht unterwegs. Deshalb gehört für Roland Büchi eine optimale Schutzausrüstung dazu. «Passieren kann bei diesem Sport immer etwas. Ich habe mir zwar auch schon ein paar Rippen gebrochen und das Kreuzband an einem Knie gerissen, insgesamt aber bisher Glück gehabt», sagt er. Und: «Letztlich gibt jeder selber Gas und muss auch fähig sein darauf zu achten, dass der sportliche Ehrgeiz nicht mit ihm durchbrennt.»