Muri

«IG pro Murianer Familie» kämpft gegen Beschluss: Geht der Schwimmunterricht baden?

Eine Facebook-Gruppe sammelt Unterschriften gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss vom 9. November, der Blockzeiten mit Schwimmunterricht für die Kinder der Unterstufe bringen soll. Die «IG pro Murianer Familie» bezeichnet dies als logistisch, wirtschaftlich und ökologisch nachteilig und unsinnig.

Eddy Schambron
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Schwimmunterricht sollen die Murianer Kinder bereits früh geniessen. Gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss wird jetzt das Referendum angestrebt. ho/Archiv

Schwimmunterricht sollen die Murianer Kinder bereits früh geniessen. Gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss wird jetzt das Referendum angestrebt. ho/Archiv

Sie hat aktuell 70 aufgelistete Mitglieder und erhebt die Stimme gegen Blockzeiten an der Unterstufe der Schule Muri mit Schwimmunterricht: Die vor vier Tagen auf Facebook aufgeschaltete «IG pro Murianer Familie» will den entsprechenden Gemeindeversammlungsbeschluss vom 9. November mit einer Unterschriftensammlung an die Urne bringen und kippen.

«Wir klären über die Missstände auf, die in Muri im Umlauf sind rund um das Thema Blockzeiten für die Unterstufe mit Schwimmunterricht und zusätzlichen Unterrichtslektionen», heisst es auf der Facebook-Seite der IG. Mit der Randstundenbetreuung bestehe heute bereits ein Spitzenangebot, sodass «kein Bedarf besteht, dies zu ändern.»

Zudem sei die Organisation des Schwimmunterrichts in Ottenbach, gemessen an dem, was den Kindern beigebracht werden kann, logistisch, wirtschaftlich und ökologisch nachteilig und unsinnig.

Schwimmunterricht im Lehrplan 21

Alle Kinder sollen schwimmen können

Die Schülerinnen und Schüler können sicher schwimmen. Sie kennen technische Merkmale verschiedener Schwimmtechniken und wenden sie an.» So formuliert der Lehrplan 21 das Ziel. Die Schulkinder der 3. und 4. Primarklasse sollten sich über Wasser halten und mindestens 50 Meter schwimmen können. Später sollten sie im Stande sein, mindestens die 50 Meter in zwei Schwimmstilen zu bewältigen. Aus Sicht der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) ist es unabdingbar, schwimmen zu können. Im letzten Jahr sind 34 Menschen in Schweizer Gewässern verunglückt, 26 Männer, 7 Frauen und 1 Kind. 2016 waren 58 Todesopfer zu beklagen, 2015 deren 50.

Im Hallenbad Ottenbach wird schon seit langer Zeit Schwimmunterricht erteilt. Das Lernschwimmbecken hat einen Hubboden, dessen Bodentiefe von 0 bis 170 Zentimeter Wassertiefe stufenlos verstellbar ist. So kann die Tiefe jeweils dem kleinsten Kind angepasst werden. (es)

An der Einwohnergemeindeversammlung vom 9. November hiessen die Stimmberechtigten mit 176 Ja zu 109 Nein die Blockzeiten mit Schwimmunterricht für die Kinder der Unterstufe gut. Der Gemeinderat hatte dargelegt, die Evaluation der bisherigen Randstundenbetreuung habe ergeben, «dass auch an der Unterstufe die Einführung von grossen Blockzeiten pädagogisch sinnvoll ist und für die Kinder das Betreuungsangebot erheblich verbessert.»

Durch die grossen Blockzeiten würden alle Kinder von einer umfassenden Betreuung während vier Lektionen Unterricht an allen fünf Schulmorgen profitieren. Die Gemeinde muss für die 10 Klassen der Unterstufe insgesamt 10 Wochenlektionen finanzieren. Zudem ist für alle Kinder der Unterstufe Schwimmunterricht im Hallenbad Ottenbach vorgesehen. Die zusätzlichen Unterrichtslektionen verursachten der Gemeinde jährlich Kosten von rund 120 000 Franken.

Kinder überfordert?

Der Ansicht des Gemeinderats, die heute angebotene Randstundenbetreuung würde pädagogisch zu wenig bieten, widerspricht die IG. «Es ist eher so, dass sich die Eltern sorgen, ihre Kinder zu überfordern», wird in einem Argumentarium festgehalten. In diesem Sinne sei die heutige Randstundenbetreuung das bessere Angebot, weil es die Kinder unbeschwert spielen lasse.

Weiter ziehen die Mitglieder der Gruppe die genügende Sicherheit und Obhut der Kinder im Schwimmunterricht in Zweifel. «Es werden gleichzeitig ca. 25 Kinder aus drei verschiedenen Halbklassen durch einen Schwimmlehrer und eine Aufsichtsperson unterrichtet». Bei der beschränkten Dauer des Schwimmunterrichts und dieser grossen Anzahl Kinder dürfe zudem eine individuelle Förderung kaum machbar sein.» Viele Eltern wünschten sich eine ortsgebundene Lösung für den Schwimmunterricht. «Bei einer Lösung vor Ort wären Eltern zudem eher bereit, beim Schwimmunterricht zu assistieren.»

Dem Argument, im Freiluftbad Muri sei das Wetter oft zu schlecht oder zu kalt, hält die IG entgegen, dass ein Teil des Schwimmunterrichts dem Erlernen von Verhaltensregeln gewidmet und dafür kein Wasserkontakt notwendig sei. «Das eigentliche Schwimmenlernen liesse sich auf die Gutwettergegebenheiten ausrichten (alternativ könnte mit ausgeliehenen Neoprenanzügen unterrichtet werden).»

Schliesslich wehren sich die Mitglieder gegen «staatliche Bevormundung»: Viele Eltern wollten nicht gezwungen werden, «ihre Kinder noch mehr abzugeben als schulisch wirklich notwendig.»