Wohlen

Jean-Pierre Gallati könnte vor lauter Freude singen: «So ein Tag, so wunderschön wie heute»

Die Wahlfeier in Wohlen war gut besucht – nur die Wohler machten sich rar. Denn ein Blick in die Statistik zeigt: Sie hätten Yvonne Feri gewählt.

Jörg Meier
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Dem Wohler Einwohnerratspräsidenten Edi Brunner (SVP) ging das Herz über vor Freude. «So ein Tag, so wunderschön wie heute» möchte er am liebsten singen, rief er den Leuten im Saal zu, die zur Wahlfeier für den neuen Wohler Regierungsrat Jean-Pierre Gallati ins Casino gekommen waren.

Rund 200 waren es, die sich zumeist in bester Feierlaune und erleichtert nach der Zitterpartie zuprosteten, ganz nach der Devise: «Die knappen Siege sind die schönsten». Und weil die SVP Aargau heute doppelten Grund zum Feiern hatte, mussten sich die SVPler zwischen Leibstadt und Wohlen aufteilen. Nach Wohlen strömten all jene, die auf ihren und mit ihrem neuen Regierungsrat anstossen wollten; wer nicht in Wohlen war, feierte also in Leibstadt den neuen SVP-Ständerat.

Gallati traf um 18.44 Uhr im Casino ein, eskortiert von zwei Frauen in Freiämtertracht; auch er war gut gelaunt und bereit für Selfies aller Art.

Gemeindeammann Arsène Perroud, der die Feier moderierte, erklärte, dass das alles nun doch ein bisschen länger dauern werde; die Liste der Redner sei länger und länger geworden. René Bodmer gratulierte im Namen der SVP des Bezirks Bremgarten, Clemens Hochreuter, Vizepräsident der kantonalen SVP, im Namen der SVP Aargau – Präsident Thomas Burgherr war einer von denen, die in Leibstadt feierten. Hochreuter versprach, man werde dem neuen Gesundheitsdirektor aber dann schon auch auf die Finger schauen.

Der Nachbar ist ein Alt-Regierungsrat

Dann meldet sich alt Regierungsrat Peter Wertli zu Wort. Er sei ein direkter Nachbar von Gallati, erklärte er. Und er gab dem neuen Gesundheitsdirektor zu bedenken: «Arbeite nicht nur mit deinem scharfen Verstand, sondern lass im richtigen Moment auch das Herz und die Gefühl sprechen!» Wertli versprach Gallati im Gegenzug, er werde ihm künftig bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage den Vortritt lassen.

In der guten Stimmung fiel kaum auf, dass erstaunlich wenige Wohlerinnen und Wohler im Casino mitfeierten. Ein Blick auf das Wahlergebnis macht auch klar, warum das so ist: Die Wohler hätten Yvonne Feri gewählt und nicht Jean-Pierre Gallati. Gemeindeammann Perroud erklärte offen, dass auch er lieber eine Regierungsrätin Yvonne Feri gefeiert hätte.

Aber es gelte, das knappe Resultat zu akzeptieren; die Wahl sei umgekehrt auch eine Verpflichtung für Gallati, die Anliegen der Minderheit ernst zu nehmen. Perroud verzichtete dabei nicht darauf, die bewegte Polit-Karriere Gallatis in Wohlen kurz zu thematisieren, tat dies aber völlig unpolemisch, verwies auf Gallatis «direkte Art», nannte ihn streit- und unbeirrbar. Und stellte fest, dass es Wohlen guttue, wieder einen Regierungsrat zu haben.

Dann endlich durfte der neue Regierungsrat den Anwesenden danken. Er tat das gekonnt, humorvoll und versöhnlich. Und wer es nicht schon wusste, weiss es jetzt: Der Mann kann reden. Er nahm den lange anhaltenden Applaus geduldig entgegen; dann ging die Feier weiter und dauerte bis weit über den Redaktionsschluss hinaus.