Wohlen
Kantischüler verwirklichen ihren Bubentraum von der Europareise

Ohne Geldsorgen die grosse, weite Welt erkunden. Diesen Bubentraum erfüllen sich nun zwei Wohler Kantonsschüler als Projektarbeit.

Tim Honegger
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Manuel Berger (links) und Dorian Hyde wollen per Anhalter und ohne Geld nach England. th

Manuel Berger (links) und Dorian Hyde wollen per Anhalter und ohne Geld nach England. th

Der 18-jährige Dorian Hyde und der 19-jährige Manuel Berger wollen es wissen: Ist es möglich, gänzlich ohne finanzielle Mittel drei Wochen lang durch Europa zu reisen? Die beiden Kantischüler sind zuversichtlich: Autostopp und Container sind ihre Zauberwörter.

2000 Kilometer in 21 Tagen

Hyde und Berger brüteten lange über ihrer Arbeit, die sie im Rahmen des Projektunterrichtes schreiben müssen. Zuerst wollten die beiden lediglich ausloten, wie gut sie sich kostenlos transportieren lassen können.

«Den entscheidenden Input gab unser Betreuer Roger Scharpf.» Die zündende Idee: Auch für Übernachtungen und das Essen sollen sie kein Geld ausgeben. Der Geheimtipp dazu ist die Internetplattform CouchSurfing.org, auf der Leute Reisenden ihre Sofas zur Verfügung stellen.

Die zwei Abenteurer sind seither vom Reisefieber gepackt und morgen soll es losgehen. Das Ziel: innert drei Wochen von Wohlen nach Grossbritannien – rund 1000 Kilometer – und zurück. «Wenn wir einen Tag zu spät zurückkommen, wird die Schule wohl ein Auge zudrücken müssen», schmunzelt Hyde.

Kissenschlacht fürs Abendessen

Das Unterfangen mag auf den ersten Blick naiv und unrealistisch klingen. Allerdings haben sich die zwei Schüler gut auf die Reise vorbereitet.

«Wir haben Bücher von anderen Abenteurern gelesen und im Internet Tipps zur Geld- und Nahrungsbeschaffung gesucht», erklärt Berger.

Dabei stiessen sie auf das sogenannte Containern, bei dem man hinter Läden die Container nach Nahrungsmitteln durchsucht, die abgelaufen sind. «Ausser bei Fleisch- und Milchprodukten ist das meist unproblematisch», finden die beiden.

Zusätzlich wollen sie sich einige Euro verdienen, indem sie in Städten Kissenschlachten anbieten. «Wenn wir für fünf Minuten einen Euro verlangen, haben wir schnell ein Abendessen beisammen», sagt Hyde. Sollte das nicht klappen, bitten sie in Restaurants um Esswaren, die dort nicht mehr serviert werden können.

Für den Extremfall haben sie jedoch je einen Geldschein im Gepäck, den sie aber erst nach drei Tagen des Fastens zücken wollen. Dazu soll es nicht kommen: «Ich würde eher Blätter essen, als dass ich mir auf dieser Reise etwas kaufe», verspricht Hyde

Zwickmühle Stadt

Mit ihrem ungewöhnlichen Trip wollen die beiden Freiämter ihren Horizont erweitern. «Wir wagen einen Blick über unseren kulturellen Tellerrand», erklärt Berger.

Die zwei erhoffen sich spannende Begegnungen und das Gefühl der Freiheit – obgleich nur auf diese drei Wochen befristet. «Darum ist die Route nur schwammig geplant, und einen Zeitplan haben wir auch nicht.»

Dies erlaubt den Abenteurern zudem, Städte zu besichtigen oder auf Bauernhöfen kurzzeitig zu arbeiten. Die Städte sind für die beiden Tramper allerdings eine Zwickmühle: Sie sind gezwungen, für Übernachtungen und Strassenmusik in Bevölkerungszentren zu gehen. «Per Autostopp kommt man jedoch kaum in die Städte hinein und noch schwieriger wieder hinaus», befürchten sie.

Petrus ist kein Tramper

Deshalb erwägen sie, die eine oder andere Nacht auf Raststätten zu verbringen. «Das ist zwar nicht sehr komfortabel, dafür verlieren wir so keine Zeit.»

Falls alles schiefläuft, haben sie ausserdem ein Zelt im Rucksack. Der Wetterbericht sieht allerdings nicht rosig aus: Für gewisse Teile Englands werden Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt prognostiziert. Schulterzuckend meinen die beiden: «Dann ziehen wir uns eben etwas wärmer an.»

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