Unterlunkhofen

Mehr Leute brauchen weniger Autos

Die Repla Mutschellen–Reusstal–Kelleramt will Siedlungsgebiet und Verkehr aufeinander abstimmen.

Christian Breitschmid
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Raymond Tellenbach, Präsident der Geschäftsleitung des Repla MRK, steht ein für gemeinsame Ziele. Christian Breitschmid

Raymond Tellenbach, Präsident der Geschäftsleitung des Repla MRK, steht ein für gemeinsame Ziele. Christian Breitschmid

Christian Breitschmid

Sonntagsfahrer konnte man vor 30, 40 Jahren noch locker überholen. Das heutige, dichte Verkehrsaufkommen lässt solche Manöver aber kaum mehr zu. Als Autolenker im Berufs- oder Pendlerverkehr ist man solchen Ausbremsern gnadenlos ausgeliefert. Die Strasse wird zum Schlachtfeld, die Aggressivität steigt und damit die Unfallgefahr. Offensichtlich reagieren viele Automobilisten auf diese ungesunden Umstände mit dem Verzicht auf ihr Fahrzeug, zumindest in dichter besiedelten Regionen. Das geht aus der Studie «Dichte und Mobilitätsverhalten» des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) deutlich hervor – auch wenn der persönliche Eindruck auf der Strasse etwas anderes suggeriert.

Basierend auf der ARE-Studie präsentierte Regionalplaner Beat Suter von der Metron Raumentwicklung AG den Mitgliedern des Regionalplanungsverbandes Mutschellen – Reusstal – Kelleramt (Repla MRK) am Mittwochabend wesentliche Erkenntnisse aus den statistischen Erhebungen und einige Lösungsansätze für die gegenseitige Abstimmung von Siedlung und Verkehr. Im zweiten Teil seines Vortrags ging es dann um die Innenentwicklung und Dichtevorgaben in der Region. Auch dabei konnte Suter mit sogenannten Best-Practice-Beispielen aufwarten, wenngleich die Voraussetzungen in Wettingen, Brugg-Windisch oder Neuenhof nicht 1:1 mit denen der Region MRK zu vergleichen sind.

Strassen pflegen, nicht ausbauen

Die Region MRK ist stark mit den angrenzenden Regionen Stadt Zürich und Limmattal verbunden. 50 % der Berufstätigen vom Mutschellen fahren täglich in Richtung Zürich. Auch aus dem Kelleramt pilgert fast die Hälfte nach der Zwinglistadt und an die Limmat. Knapp 30 % der Reusstaler gehören ebenfalls zu diesem täglichen Pendlerstrom gen Osten. Die ARE-Studie zeigt auf, dass dabei mit steigender Bevölkerungs- und Beschäftigungsdichte pro Hektare, auch vermehrt der öffentliche Verkehr benutzt oder zu Fuss gegangen wird. Damit einher geht die Feststellung, dass in urbaneren Gebieten mit zunehmender Einwohnerdichte die Zahl der Haushalte mit zwei Autos sinkt und diejenige derjenigen ohne Autos steigt. Eine Tendenz, die der Zielvorgabe der kantonalen Mobilitätsstrategie voll entspricht. Gemäss dieser soll der Anteil des motorisierten Individualverkehrs flächendeckend reduziert, derjenige von Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr hingegen gesteigert werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei kombinierten Angeboten wie Park + Ride sowie Bike + Ride. Aus diesen Vorlagen leitete Suter die ersten Thesen für den Repla MRK ab: ein gutes und sicheres Wegnetz für Fussgänger und Velofahrer, dazu Tempo 30 in den Wohnquartieren der Gemeinden; stabile Zug- und Busverbindungen in der Region und Vernetzung der kommunalen Radwege mit den kantonalen Radrouten; optimale Anbindung an Bahnverbindungen nach Zürich und Pflege der Hauptachsen für den Individualverkehr, aber ohne Kapazitätssteigerung.

Verdichten nur mit Qualität

Suter legte den Repla-Mitgliedern dann nahe, einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) auszuarbeiten. Ein Vorschlag, der beim Präsidenten der Geschäftsleitung und Stadtammann von Bremgarten, Raymond Tellenbach, auf offene Ohren stiess: «Der KGV ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir in der Region zusammenarbeiten können.» Gerade im Hinblick auf regional abgestimmte Bau- und Nutzungsordnungen über die Gemeindegrenzen hinaus könne so ein KGV ein erster Schritt sein, meint Tellenbach. Gemäss Prognosen des Kantons könnte die Einwohnerzahl im Aargau bis 2040 auf 190 000 Personen ansteigen. Da stellt sich die Frage, wie man angesichts schwindender Landreserven dem Platzbedarf mit verdichtetem Bauen gerecht werden kann.

Der Regionalplaner zeigte anhand einiger praktischer Beispiele aus anderen Regionen, wie man auch bei vorgegebenen Strukturen innerhalb einer Gemeinde verdichten kann. Er betonte, dass das System Ausnützungsziffer dabei ausgedient habe. In neuen Nutzungsplanungen bestimme man heute lieber die Grünflächenziffer. Denn der Grundsatz für jede neue Bau- und Nutzungsordnung müsse lauten: Mehr Dichte nur bei hoher Qualität.