Villmergen

«Mehr Natur im Siedlungsraum»: Das Dorf erhält 48 neue Bäume

Die Gemeinde hat ihre 200'000 Franken für den Naturschutz ausgeschöpft. Für deren Umsetzung sorgen derzeit die Werkhofmitarbeiter Stefan Huber und Christian Waser und pflanzen diese Woche ganze 48 Bäume im Dorf.

Andrea Weibel
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Begeistert vom Alleen-Projekt: André Keusch, Sebastian Meyer, Emil Hänni und Werkhofmitarbeiter Stefan Huber (von links) beim Pflanzen eines neuen Feldahorns vor dem Kindergarten Bündten.

Begeistert vom Alleen-Projekt: André Keusch, Sebastian Meyer, Emil Hänni und Werkhofmitarbeiter Stefan Huber (von links) beim Pflanzen eines neuen Feldahorns vor dem Kindergarten Bündten.

Andrea Weibel

Der Frühling zieht mit prächtigem Sonnenschein ins Land, bald schon wird es dem einen oder der anderen zu warm an der prallen Sonne. Wie gut, wenn zufällig ein schattenspendender Baum in der Nähe steht.

Genau dafür sorgen die Werkhofmitarbeiter Stefan Huber und Christian Waser derzeit. «Ende dieser Woche sollten wir alle 48 neuen Bäume im Dorf gepflanzt haben», erklären sie. Doch natürlich ist der Schatten, den die noch eher kahlen und dürren Geäste bald spenden werden, nur ein schöner Nebeneffekt.

Das Projekt, das sie ins Dorf bringt, heisst «Mehr Natur im Siedlungsraum»: Für 200'000 Franken sollten in Villmergen Projekte durchgeführt werden, die das Dorf nicht nur grüner machen, sondern auch heimische Pflanzen und mit ihnen den Lebensraum für heimische Tiere ins Siedlungsgebiet bringen.

80'000 Franken kosten die Alleebäume und bilden damit den Abschluss des Projektes, das Geld ist ausgeschöpft. Doch Initiant und Naturschützer André Keusch ist begeistert: «Ich freue mich sehr, dass bald überall heimische Bäume wachsen – eine echte Aufwertung.»

Ein Daheim für Insekten

Bei den 48 neuen Alleebäumen, die vor allem entlang von wichtigen Fuss- und Velowegen zu stehen kommen, handelt es sich um Feldahorn, Linden, Nussbäume, Pappeln, Erlen und Vogelkirschen. Was besonders den Schülern bald auffallen dürfte: Beim Kindergarten Bündten, wo viele täglich auf den Bus warten, wurden die Kugelahornbäume, eine reine Zierpflanze, durch heimischen Feldahorn ersetzt, Brut- und Überwinterungsstätte für viele Insekten.

«Ausserdem wird der Spielplatz neben dem Kindergarten, der im Sommer an der brütenden Sonne liegt, bald von drei Hagebuchen beschattet», so Landschaftsplaner Emil Hänni von der Naef Landschaftsarchitekten GmbH, die für die Planung zuständig war. «Die Schwarzerlen kommen bei den beiden Bächen zu stehen, sie mögen es nass.»

Die Bäume sollen zu einer besseren Lebensqualität der Villmergerinnen und Villmerger beitragen. So wächst nun beim Kessimoos und an der Mühlestrasse jeweils eine Baumkapelle aus Linden oder Silberpappeln.

Das Bänklein am Lodelweg bekommt Gesellschaft von zwei Nussbäumen und an der Mühlestrasse kommen Feldahorn sowie Vogelkirschen zu stehen. «Bei der Trafostation wird es künftig neben einer neuen Linde auch ein Bänkli geben», verrät der Landschaftsplaner.

Viele Projekte für die Natur

Finanziert werden die neuen Bäume über das Projekt «Mehr Natur im Siedlungsraum», das André Keusch, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins, 2012 an einer Gemeindeversammlung ins Leben gerufen hat.

100'000 Franken sprachen die Einwohner für den Naturschutz, und als Pilotgemeinde erhielten sie vom Kanton nochmals 100'000 Franken dazu. Im Rahmen des Projektes konnten bereits das Freiraumlabor beim Schulhaus Mühlematten mit Hecke als Gehölzlehrpfad, Biotop, Wildbienenhaus und Aussenschulraum (2013), die Aufwertung der Umgebung des Gemeindehauses (2014), sowie die Aufwertung von Erus-, Holz- und Hinterbach (2016) realisiert werden.

Ausserdem wurden der Gemeinde aufgrund ihre Vorreiterrolle in Sachen Naturschutz ganze zehn Seiten im Buch «Natur schaffen – ein praktischer Ratgeber zur Förderung der Biodiversität in der Schweiz» gewidmet.

Sebastian Meyer, Projektleiter Arten und Lebensräume beim Kanton, ist ebenfalls erfreut über das Projekt: «Nun haben Gemeinde und Kanton gezeigt, was alles möglich ist. Als Nächstes sind die Einwohner selber dran, das Dorf grüner und naturfreundlicher zu gestalten.» Ideen seien viele da, und Tipps geben sowohl die Gemeinde als auch der Natur- und Vogelschutzverein gerne.