Tägerig
Meliorationswerk nach 13 Jahren am Ziel: Genossenschaft aufgelöst

Bodenverbesserung mit eindrücklichen Zahlen, Naturwerten und festlichem Schlussstrich. Aus 411 Bodenparzellen konnten 158 gemacht werden.

Lukas Schumacher
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Tägerig: Flugaufnahme vom 8. Mai 2013 nach der vollzogenen Güterregulierung und der Realisierung des Wegnetzes im Kulturland.oekovision

Tägerig: Flugaufnahme vom 8. Mai 2013 nach der vollzogenen Güterregulierung und der Realisierung des Wegnetzes im Kulturland.oekovision

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Die vor 13 Jahren angepackte Moderne Melioration ist beendet, die Bodenverbesserungsgenossenschaft Tägerig aufgelöst worden. Ein Apéro-Buffet in der Mehrzweckhalle und ein Ständchen der Dorfmusik bildeten einen festlichen Schlusspunkt. Mehrere Redner würdigten das Werk, unter ihnen René Weber vom Bundesamt für Landwirtschaft in Bern. Weber stellte der Tägliger Ausführungskommission und Urban Kramer, dem Präsidenten der Bodenverbesserungsgenossenschaft, ein vorzügliches Zeugnis aus.

Für den 72-jährigen Landwirt Urban Kramer aus Wil im Fricktal war Tägerig die dritte Melioration, die unter seiner Leitung abgeschlossen wurde. «Mein persönliches Schlussbouquet ist dann Boswil», schmunzelte Kramer, «Mitte Januar 2014 geht die Melioration Boswil zu Ende.»

158 Parzellen, zahlreiche Bauwerke

Bei der Tägliger Melioration ist viel Landwirtschaftsland arrondiert worden, was das Bewirtschaften enorm erleichtert. Die Zahl der Parzellen verringerte sich von 411 auf 158. Vom neu angelegten Flurwegnetz profitieren nicht nur Landwirte, sondern auch Erholungssuchende.

Dass die Melioration in Tägerig zeitgleich mit der Überarbeitung der Nutzungsplanung Kulturland an die Hand genommen wurde, wirkt sich vorteilhaft auf die Landschaft und die Natur aus und nützt auch der Allgemeinheit, den Dorfbewohner. So wurden Bachöffnungen auf einer Länge von mehr als einem Kilometer realisiert, man hat das Hochwasserschutzproblem entschärft, den durch die Quellschutzzone führenden Radweg/Gehweg in Richtung Mellingen verlegt und, unter der Regie von Pro Natura, Amphibienlaichgewässer und Vernetzungskorridore im Gebiet Schuppismatt geschaffen.

Hochstammbäume gefördert

Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen der Ausführungskommission der Modernen Melioration und dem Gemeinderat Tägerig, der zuständig zeichnete für die Erneuerung der Kulturlandplanung, waren gemeinsame Aktivitäten zur Förderung der Hochstamm-Obstbäume. Zusammen prüfte man bei einer Begehung die Qualität und Quantität der vorhandenen Bäume, ehe Ersatzpflanzungsgebiete bestimmt und neue Einzelbäume als schützenswert ausgeschieden wurden. Auf grosses Echo stiess vor fünf Jahren eine Neupflanzaktion der Gemeinde. Angehörige des Naturschutzvereins, mehrere Schulklassen und weitere Bewohner von Tägerig halfen mit.

Sehen lassen darf sich die ökologische Flächenbilanz in Tägerig. Die Streuwiesen, Waldrandwiesen, extensiven Wiesen, Obstgärten, Hecken, Naturschutzzonen, Renaturierungen, Mager- und Feuchtwiesen bringen es auf eine Gesamtfläche von mehr als 32 Hektaren. Stolz sind die Tägliger verständlicherweise auf ihre geschützten Manzeln. Diese wilden gelben Osterglocken kommen ausser in Tägerig nur im Jura vor.

«Auch Skeptiker sind zufrieden»

Landwirt Hubert Stöckli, Vizepräsident der Bodengenossenschaft, sprach von einem «geglückten Meliorationswerk. Auch frühere Skeptiker sind mit dem Ergebnis zufrieden.» Gemeindeammann Jürg Walty überreichte Urban Kramer einen Geschenkkorb für dessen enormen Einsatz. René Weber vom Bundesamt für Landwirtschaft und Matthias Müller von Landwirtschaft Aargau strichen den «hohen öffentlichen Nutzen» der Melioration Tägerig hervor.