Muri

Mit Stroh und Vlies gegen Frostschäden

Der Beeren- und Gemüsebauer Willi Staubli und seine Mitarbeitenden schützen mit einer Riesenarbeit die Kulturen vor dem gegenwärtigen Frost.

Eddy Schambron
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Willi Staubli hat seine Erdbeerkulturen dick mit Stroh bedeckt und darauf noch ein Vlies gelegt, um sie vor Frostschäden zu schützen. ES

Willi Staubli hat seine Erdbeerkulturen dick mit Stroh bedeckt und darauf noch ein Vlies gelegt, um sie vor Frostschäden zu schützen. ES

Eddy Schambron

In diesen Nächten schläft der Murianer Beeren- und Gemüsebauer Willi Staubli nicht ruhig: Der Frost droht wesentliche Teile seiner Gemüse- und Beerenkulturen in Mitleidenschaft zu ziehen oder sogar zunichtezumachen.

«Bei den frühen Erdbeeren ist ein sehr grosser Ausfall nicht auszuschliessen», sagt er. Zusammen mit seinen Mitarbeitenden hat er in diesen Tagen mit einem bedeutenden Aufwand alles getan, um das zu vermeiden. «Wir hoffen natürlich, dass die Realität nicht ganz so krass wird wie die Wettervorhersage.»

Dick haben er und seine Mitarbeitenden Stroh auf, nicht unter, die jungen Erdbeerpflanzen gelegt. Darüber wiegt sich ein weisses Vlies im Wind. «So hoffen wir, die Pflanzen genügend vor dem Frost schützen zu können», sagt Staubli. Der Boden hat sich in den letzten Wochen zum Glück gut aufgewärmt, das Stroh wirkt als Isolation. Später, wenn die Temperaturen wieder klettern, wird das Stroh unter die Pflanzen gebracht. Drei Hektaren Erdbeeren bauen Willi und Ruth Staubli an; sie gehören zu den grösseren Erdbeerproduzenten in der ganzen Region.

Wasser gibt Wärme

Die Kefen sind ebenfalls unter Vliesbahnen. Diese Pflanzen, die dank den warmen Wochen vorher schon sehr schön gediehen sind, mögen minus zwei Grad vertragen, darunter wird es aber auch für sie kritisch. 30 Aren Johannisbeeren schützt Staubli, indem er sie von morgens 3 Uhr bis 7 Uhr bewässert. Das machen die Walliser mit ihren Aprikosen so. Das fliessende Wasser ist wärmer als die Aussentemperatur und schützt so die Beerensträucher vor Frostschäden. 100 Kubik Wasser wird er dafür laufen lassen. «Kirschen kann man mit Frostkerzen unter den Bäumen schützen, das geht bei Gemüse halt nicht.» Zwar gedeihen auf seinem Land in Hasli die Kulturen etwas früher als beispielsweise auf dem Lindenberg. «Aber wir haben es dafür in dieser tiefen Muldenlage in klaren Frostnächten wesentlich kälter als oben – ausser es herrscht Bise, dann vermischen sich die Luftströme.»

Ganz gleich, mit welcher Methode die Kulturen vor dem Frost geschützt werden, es bedeutet für den Bauern viel Mehrarbeit und zusätzliche Kosten. Hinzu kommt die Angst vor sturmartigen Winden. «Sie bergen die Gefahr, das Vlies vom Boden zu wehen, sodass einerseits die Mehrarbeit zunichtegemacht wird und anderseits der Frostschutz wegfällt.» Es gilt, optimistisch zu bleiben - eine Versicherung für Frostschäden gibt es nicht. Jetzt hofft Staubli wie alle seine Kollegen, dass diese Frosttage möglichst glimpflich vorübergehen.

Mit dem Wetter leben

Vor einer Woche sah alles noch sehr positiv aus, jetzt ist wohl trotz viel Aufwand mit einer gewissen Erntereduktion zu rechnen. Untergangsstimmung herrscht bei Staubli deswegen aber nicht: «Wetterkapriolen gehören zu diesem Beruf, wer nicht damit leben kann, sollte etwas anders machen», stellt er fest. Und blickt trotz allem hoffnungsvoll auf die kommenden Tage: «So traurig wie letztes Jahr, als Frost und dann lang anhaltender Regen zusammenkamen, kann es nicht werden.»