Bremgarten

Mit Vulkan und Vegas durch den Christchindli-Märt

Guido Isler aus Wohlen fährt mit seiner Kutsche am Weihnachtsmarkt – und erzählt, was ihn so alles fasziniert.

Nora Güdemann
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Die Atmosphäre am Christchindlimärt in Bremgarten ist ruhig und friedlich. Ein kleiner Ausflug in lang vergangene Zeiten. Es passt dazu, mal einen Gang herunterzuschalten und den Moment zu geniessen. Guido Isler bietet nun das zweite Jahr Kutschenfahrten ab dem Obertorplatz an und ist der Meinung, dass eine Fahrt mit der Kutsche besinnlich wirkt: «Langsam ist in der heutigen Zeit fehl am Platz, alles muss schnell und noch schneller gehen. Die Kutsche ist das genaue Gegenteil.» Der 72-Jährige besitzt den Föhrenhof in Wohlen, wo er vor ungefähr 50 Jahren das Kutschenfahren erlernte: «Früher haben wir die Pferde noch für das Beackern des Bodens gebraucht, heute natürlich nicht mehr. Aber ich habe das als Junge noch so gelernt.»

Vulkan und Vegas

Am Christchindlimärt hat Isler einen Planwagen hinter die zwei Halbblüter Vulkan und Vegas gespannt. Dieser sei am besten, um bis zu zehn Personen gleichzeitig zu transportieren. Stolz ist der Kutscher aber vor allem auch auf seinen offenen Landauer: «Der Wagen ist ein Original und mehr als 100 Jahre alt. Ich habe alles restauriert und neu hergerichtet.»

Für Isler ist das Kutschenfahren eine Leidenschaft. Denn es braucht viel Arbeit und Mühe, um die Wagen instand zu halten, die Pferde zu versorgen und ihr Geschirr zu putzen: «Das Putzen und Fetten nimmt, vor und nach einer grossen Ausfahrt, sicher einen halben Tag in Anspruch», erzählt er. Auf die Frage, ob sich die Arbeit denn überhaupt lohne, lacht er und sagt: «Man kann ein Pferd nicht nach Gewinn berechnen. Die einen fahren Ski oder gehen Klettern, ich fahre Kutsche.»

Die Ruhe selbst

Man merkt, das Isler mit Herzblut bei der Sache ist. Die braunen Halbblüter haben eine Lichterkette um das Halfter gewunden und Glöckchen hängen daran. «Das passt doch zum Weihnachtsmarkt, oder? Vor allem am Abend sieht das sehr hübsch aus.»

Vulkan und Vegas lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Als sich die Kutsche in Bewegung setzt, scheinen weder Verkehr, noch Lärm oder Menschenansammlungen sie zu beirren. Gab es denn schon mal brenzlige Situationen? «Passieren kann immer etwas», sagt Isler. «Das Tier scheut, weil es Angst bekommt, oder es fängt an zu bocken. Solche Situationen kann man aber trainieren.» Drei Mal pro Woche spannt der Kutscher seine Pferde vor den Wagen, um sie daran zu gewöhnen und Gefahrensituationen vorzubeugen.

«Wenn man seine Tiere gut kennt, merkt man auf den Probefahrten, welches sich nicht für die Kutsche eignet oder noch nicht dazu bereit ist. Und dann nimmt man es gar nicht erst auf die Ausfahrt mit.» Isler war schon an der Basler Fasnacht und am Zürcher Sechseläuten, passiert sei in fast 50 Jahren noch nie was. «Man muss stark auf den Verkehr achten und diesen am besten umfahren. Die Menschen sind im Stress.» Auch beim Bremgarter Weihnachtsmarkt werden die Hauptstrassen gemieden, es geht in gemächlichem Tempo durch ruhige Quartiere. «Damals war es sofort in der Zeitung, wenn irgendwo ein Auto verunfallt ist», so Isler. «Heute steht es sofort in den Medien, wenn eine Kutsche umkippt. Die Zeit hat sich verändert.»

Selfies mit den Pferden

Auf die Besucher des Weihnachtsmarkts übt die Kutsche mit Vulkan und Vegas eine bestimmte Anziehungskraft aus: Väter nehmen ihre kleinen Kinder auf die Schultern, damit diese die Nüstern des Pferdes streicheln können, andere machen Fotos oder gar Selfies mit den Tieren. «Die Kutsche strahlt noch immer einen romantischen Flair aus, denn sie erinnert an vergangene Zeiten», sagt Csilla Albertin, die am Christchindlimärt ebenfalls Kutsche fährt. «Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier, das ist Kulturerhaltung.» Auch Peter Moos, ein Kutscher und Freund Guido Islers, schätzt die Arbeit mit den Pferden: «Vulkan ist mein Pferd», sagt er stolz. «Er ist in Pension bei Guido und sehr brav.»