Muri
Für eine gute Planung braucht es den Experten und die Grossmutter: Der erste Schritt zum neuen Bahnhofsgebiet ist gemacht

Aus dem Schandfleck Bahnhofsgebiet Muri soll die Visitenkarte der Gemeinde werden. Damit das gelingt, sammelt nun eine Begleitgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Bevölkerung und aus Organisationen Ideen für eine spätere Testplanung.

Melanie Burgener
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Die Gemeinde Muri startet die Begleitgruppenphase für die Neugestaltung des Bahnhofareals.

Die Gemeinde Muri startet die Begleitgruppenphase für die Neugestaltung des Bahnhofareals.

Melanie Burgener

Farblos und verlassen wirkt das Bahnhofsgebiet Muri. Mit seinen sanierungsbedürftigen Gebäuden, den trostlosen Parkplätzen und der einzigen, langgezogenen Bushaltestelle lädt dieser Ort nicht zum Verweilen ein. Im Gegenteil: «Das Bahnhofsgebiet ist ein Schandfleck. Doch eigentlich sollte es die Visitenkarte von Muri sein.» Aussagen in diesem Stil haben Sarah Zussy und Philippe Cabane in der vergangenen Woche häufig gehört– und sich sehr darüber gefreut.

Die Industrialdesignerin und der Städteplaner führen in Basel gemeinsam ein Büro für urbane Strategien und Entwicklung, wobei sie unter anderem Städte und Gemeinden bei ihrer Entwicklung unterstützen. In Muri sind sie ein wichtiger Teil im Planungsprozess des neuen Bahnhofgebietes. Rückmeldungen aus der Bevölkerung nehmen sie sich dabei besonders zu Herzen. Und so freuen sie sich, dass sie nun den ersten Austausch mit der Begleitgruppe durchführen konnten.

Zwar musste der ursprünglich geplante physische Workshop in Form einer digitalen Infoveranstaltung stattfinden. Gelohnt habe sich diese aber trotzdem. «Es war ein guter Einstieg. Wir wollten die Leute nicht wochenlang warten lassen, sondern sie bereits jetzt einbeziehen und erste Anliegen sammeln», sagt Sarah Zussy.

Sie sind die Anwältinnen und Anwälte der Bevölkerung

Die eigentliche Testplanungsphase, in der Fachkräfte wie Architektinnen oder Verkehrsplaner mögliche Projektformen entwerfen, hat noch nicht gestartet. Sie wird später parallel zu den Treffen der Begleitgruppe laufen. Beiträge aus dieser Gruppe sind für die spätere Planung besonders wertvoll.

«Die Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung. Ziel ist es, dass ihre Ideen und Anliegen an die verantwortlichen Fachpersonen gelangen. So können sie sich daran orientieren, was die Menschen wirklich wollen und brauchen», erklärt Philippe Cabane. In Muri setzt sich diese Begleitgruppe aus 40 Personen mit den unterschiedlichsten Ansichten zusammen. «Wir haben die Teilnahme bewusst öffentlich ausgeschrieben, damit sich wirklich jede und jeder melden konnte», sagt Cabane.

Seine Geschäftspartnerin ergänzt: «Es ist die breite Öffentlichkeit, die das Bahnhofsgebiet nutzt. Dafür ist bei der Planung jemand, der sich mit der Verkehrsplanung auskennt, genauso wertvoll wie die Grossmutter, die weiss, wie Durchgänge für zu Fuss Gehende und Kinderwagen möglichst praktisch sind.»

Der Fokus liegt nun auf der Bedeutung des Areals in der Gesellschaft

Über die ersten gesammelten Ideen sind Zussy und Cabane positiv überrascht. «Es sind viele Inputs entstanden. Es wurde beispielsweise über die Raumgestaltung und über die Nutzung zukünftiger Generationen gesprochen», so Zussy. Sie und Cabane agieren im Verlaufe dieses Projektes hauptsächlich als Vermittler.

«Es ist unsere Aufgabe, die Testplanung mit den Anliegen der Bevölkerung zu füttern und umgekehrt die Ergebnisse der Expertinnen und Experten an die Begleitgruppe weiterzuleiten», erklärt Cabane.

So sollen in den kommenden Monaten erste Eckpfeiler für die Richtplanung gesetzt werden, auf deren Basis später ein städtebaulicher Wettbewerb mit konkreten Projekten stattfinden wird. «Jetzt gilt es, Schlüsselfragen zu klären. Zum Beispiel jene, welche Bedeutung das Bahnhofsareal für die Gemeinde haben soll. Konkrete Details, wie die Anzahl Sitzbänke, kommen erst später.»

Die Bevölkerung ist sich sicher: Dieses Projekt realisieren sie gemeinsam

Solche Fragen würden bei städtebaulichen Projekten oft vergessen gehen. «In Muri sind dazu viele schöne Statements eingegangen. Beispielsweise, dass der Bahnhof die Visitenkarte oder möglicherweise auch ein Treffpunkt für jüngere Generationen sein soll.» Genau solche Inputs würden den Fachkräften bei der Planung eine Vorstellung geben, in welche Richtung sich dieses Gebiet entwickeln soll.

Im März trifft sich die Begleitgruppe zum ersten Mal physisch zu einem Workshop – sofern dies die Pandemie bis dahin zulässt. Auf diesen direkten Dialog freuen sich Zussy und Cabane besonders. In Muri herrsche eine kooperative Stimmung. «Der Gemeinderat pflegt einen offenen Umgang mit der Bevölkerung und betont, dass er dieses Projekt gemeinsam realisieren will», sagt Zussy lächelnd.