Wohlen

Nach Umbau: das Schlössli ist noch schöner als geplant

Das älteste Steinhaus der Gemeinde und Stammsitz der Herren von Wohlen wird nach einjährigem Umbau am Samstag eingeweiht. Jetzt kann es bald wieder genutzt werden.

Andrea Weibel
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Das älteste Steinhaus ist wiederbelebt: Vereinspräsident Fabian Furter, Betriebsleiter Roger Waeber und Architekt Hans Furter (von links) freuen sich.

Das älteste Steinhaus ist wiederbelebt: Vereinspräsident Fabian Furter, Betriebsleiter Roger Waeber und Architekt Hans Furter (von links) freuen sich.

Andrea Weibel

Einige Teile des Gemäuers haben 800 Jahre überstanden, andere immerhin knapp 500. Und doch hätte das älteste Steinhaus der Gemeinde Wohlen wohl bald abgerissen werden müssen.

Hätte, denn heute erstrahlt es in moderner Pracht und kann schon bald für alle möglichen kulturellen, politischen und sozialen Anlässe genutzt werden. Es ist ein wahres Bijou geworden.

So schön hat es sich nicht einmal Architekt Hans Furter vorgestellt, denn beim Bau hatte er immer wieder schlaflose Nächte und die Befürchtung, die Wände könnten doch nicht so stabil sein, wie sie von aussen den Anschein machten. Heute ist er mehr als glücklich. Doch von vorne.

Grundriss: nur 10 Mal 10 Meter

Das Schlössli war nie ein echtes Schloss. Der Grundriss des Gebäudes, das wohl vor rund 800 Jahren von den Herren von Wolen errichtet wurde (siehe Artikel unten), beträgt kümmerliche 25 Quadratmeter.

Später wurde es auf 10 Mal 10 Meter erweitert. Seinen Namen erhielt das älteste Wohler Haus vermutlich aufgrund der Treppengiebel, die auf alten Abbildungen zu erkennen sind, aber schon Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurden.

Es war schon in den 1920ern baufällig. «Wo im Mittelalter die lokale Oberschicht gewohnt hat, hausten gegen Ende nur noch Arme, Sozialfälle und Flüchtlinge», weiss Schlösslivereinspräsident Fabian Furter.

In den letzten Jahrzehnten war das dreistöckige Haus komplett unbewohnbar, sodass die Eigentümer es im Jahr 2000 abreissen wollten. Dagegen wehrte sich der neu gegründete Verein, der ursprünglich ein Ortsmuseum im alten Gemäuer unterbringen wollte.

Doch nach drei Bränden in zwei Jahren (2005 und 2007) war es vom Feuer und Löschwasser so stark beschädigt, dass die drei Stockwerke abgebrochen werden mussten. Es wurde klar, dass nur die Aussenwände gerettet werden konnten. Aber sie sind ja auch das Historische am Schlössli.

Zimmermann arbeitete sehr gut

Da kam Hans Furter ins Spiel. Gemeinsam mit der Baukommission des Schlösslivereins entwarf er aus dem dreistöckigen Gebäude ein Einraumhaus mit Einbau, der sowohl Küche und Toiletten beherbergt, als auch als Empore genutzt werden kann.

Dieser Einbau, den der Architekt «Möbel» nennt, war ursprünglich in knalligem Rot angedacht. Fabian Furter erklärt: «Aber der Zimmermann hat so schön gearbeitet, dass wir eine spontane Sitzung einberufen mussten. Wir entschieden uns, auf Farbe zu verzichten.»

Überraschung unter dem Verputz

Zurück zum Bau: Die Steinwände sind unten 75 Zentimeter dick und verjüngen sich gegen das Dach hinauf auf 55 Zentimeter. Doch nun kamen die schlaflosen Nächte: «Man kann sich nicht vorstellen, was uns unter dem Verputz erwartet hat», berichtet Architekt Hans Furter.

«Man kannte zur Bauzeit des Hauses noch keinen Zementmörtel, sondern benutzte Kalkmörtel. Den konnte man an einigen Stellen wie Sand mit den Fingern herauskratzen.»

Die Hauptzeit des einjährigen Umbaus wurde darum vom Wohler Steinmetz Raphael Häfliger und seinem Team darauf verwendet, die Wände innen und aussen zu erneuern, indem sie den alten Mörtel abtrugen, neuen einspachtelten und ihn abbürsteten, «damit die alten Steine wieder zur Geltung kommen».

Doch auch wenn die Steinmetze ganze Arbeit leisteten, überkam Hans Furter plötzlich die Angst, die Mauern könnten einem Sturm nicht standhalten. Also wurden sie durch Metallträger stabilisiert, die nun gleichzeitig die drei Stockwerke zu symbolisieren scheinen.

«Anfangs fand ich, die Metallträger stören das Bild furchtbar», so Hans Furter. Mittlerweile ist er begeistert: «Wir konnten die Lichtführung in die Träger integrieren. Durch das Streiflicht kommt das Mauerwerk noch viel besser zur Geltung.» Den Charme des Schlössli machen auch die 37 Fenster aus, die weder gleich gross noch auf gleichmässiger Höhe angebracht sind.

Und als Dach runden Solarzellen das moderne historische Gebäude ab, das vom Schandfleck zum Kleinod geworden ist. Und das Sahnehäubchen: Sogar der Kostenvoranschlag von 900 000 Franken konnte eingehalten werden.

Tag der offenen Tür Samstag, 24. Februar, 11 bis 16 Uhr. Mehr Infos und Raumvermietung unter www.schloessli-wohlen.ch