Eggenwil
Neuer Ammann Roger Hausherr: «Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch»

Roger Hausherr ist überzeugt, dass die Gemeinde investieren muss, wenn sie selbstständig bleiben möchte. Privat fährt er alles, was einen Motor hat und gibt gerne Gas.

Christian Breitschmid
Merken
Drucken
Teilen
Roger Hausherr ergreift gerne das Steuer, sei es im Auto, auf dem Motorrad, dem Schiff, im Flugzeug oder ab 1. Januar dann im Gemeinderat.

Roger Hausherr ergreift gerne das Steuer, sei es im Auto, auf dem Motorrad, dem Schiff, im Flugzeug oder ab 1. Januar dann im Gemeinderat.

Christian Breitschmid

Sein Wahlergebnis am 24. September liess keine Zweifel aufkommen. Mit 322 Stimmen führte er die Liste der fünf Gemeinderatskandidaten deutlich an, und seinen Herausforderer um das Amt des Gemeindeammanns, Michael Stoll, liess er um 100 Stimmen hinter sich. Roger Hausherr, 45, parteilos, machte das Rennen und freut sich nun auf die neue Herausforderung als Gemeindeammann nach zwölf Jahren im Gemeinderat von Eggenwil.

«Ich brauche es, immer viel zu tun zu haben», antwortet Hausherr auf die Frage, wie er mit der Mehrbelastung durch das neue Amt umzugehen gedenke. «Unter Druck funktioniere ich besser. Bei mir muss immer etwas laufen, sonst wird mir schnell langweilig.»

Um der Langeweile zu entgehen, engagiert sich der Regionalleiter Baumanagement bei Fust neben der Arbeit seit Jahren in der Gemeinde. Er war 20 Jahre aktives Mitglied der Feuerwehr und während acht Jahren auch deren Kommandant. Als er 2006 in den Gemeinderat eintrat, legte er sich über längere Zeit in dieser Funktion und als Feuerwehrmann ins Zeug. «Es gab dann schon mal Zeiten, wo es etwas viel wurde», erinnert sich Hausherr, «aber ich bin ein belastbarer Mensch, und zum Glück habe ich noch viele Hobbys, die helfen mir beim Regenerieren.»

Seit zwei Monaten auch Pilot

Hausherr erzählt, er sei ein leidenschaftlicher Taucher. Darum habe er auch einen Wohnwagen am Vierwaldstättersee: «Da bin ich nur ‹de Roger›. Es ist nicht weit weg, aber ich kann da wunderbar abschalten, mit allem, was ich brauche: Berge, Wasser und See.» Das Wasser durchpflügt er gerne mit einem Motorboot. Die Binnenschifffahrtslizenz hat er nämlich ebenso im Portefeuille wie das Auto- und Töffbillett. «Ich fahre alles, was einen Motor hat», sagt der agile Mittvierziger und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Seit zwei Monaten ist er überdies im Besitz des Privatpilotenscheins.

Der Zuhörer staunt, was Hausherr so alles unter einen Hut bringt, aber der zukünftige Gemeindeammann winkt ab: «Das ginge alles nicht, wenn meine Familie nicht hinter mir stände. Als ich in die Feuerwehr wollte, auch mein Engagement im Gemeinderat und jetzt die Aufgabe als Gemeindeammann, das habe ich alles vorher mit Silvia, meiner Frau, und mit unserer Tochter Jessica besprochen. Sie unterstützen mich in allem, was ich tue.» Es sei schon so, dass er unter der Woche nicht viel zu Hause sei, aber das habe auch etwas Positives: «Wenn ich dann heimkomme, freuen sich alle. Und am Wochenende, da bin ich bei der Familie.»

Für die Gemeinde will er ein Ammann sein, «der es schafft, für die Mehrheit der Bevölkerung die richtigen Entscheide zu fällen». Er wünscht sich dabei ein klares Bekenntnis der fast 1000 Eggenwiler zur Selbstständigkeit und Nachhaltigkeit. Die wichtigsten Geschäfte der nächsten Legislatur sind bekannt: die Revision der Bau- und Nutzungsordnung, die Modernisierung der Verwaltung, die Überarbeitung des Leitbildes in Richtung wirkungsorientierter Verwaltungsführung, dazu die Projekte zum Hochwasserschutz und zur Kantonsstrasse sowie die Pendenzen betreffend Wasserversorgung.

Lohnende Investitionen

«Wir tätigen gerade hohe Investitionen in unserer Gemeinde. Die wirken sich durch ihre Nachhaltigkeit aber langfristig wieder positiv auf die Finanzen aus», sagt Hausherr. «Wenn wir selbstständig bleiben wollen, dann müssen wir in die Zukunft investieren. Wie wir es bei der Schule gemacht haben mit der neuen Heizung und dem Erweiterungsbau. Ich kann da nur zitieren: Es ist nicht teuer, in Bildung zu investieren, aber es wird teuer, nicht in Bildung zu investieren.» (frei nach John F. Kennedy, Anm. d. Red.)

Für Hausherr ist der ideale Ammann einer, der seine Repräsentationspflichten erfüllt, eine gewisse Autorität ausstrahlt, ein Teamplayer ist, viel Erfahrung hat, gut zuhören kann, in Diskussionen zurückhaltend ist, aber dann führt, wenn es nötig ist. Entspricht er diesem Bild? – «Natürlich!», er lacht spitzbübisch, «ich hätte diese Punkte ja nicht aufgezählt, wenn ich sie nicht leben würde.»