Wohlen

Ortsbürger geben 400'000 Franken: Schlössli soll Schmuckstück werden

Die Ortsbürgergemeinde stellt 400'000 Franken für Umbau und Erneuerung des Schlössli, des ältesten Steinhauses von Wohlen, zur Verfügung. Für die Rettung muss der Schlössli-Verein nun noch weitere Geldgeber suchen.

Jörg Baumann
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Das Schicksal des Schlössli entfachte bei den Ortsbürgern eine leidenschaftliche Debatte und mehrheitlich Zustimmung.

Das Schicksal des Schlössli entfachte bei den Ortsbürgern eine leidenschaftliche Debatte und mehrheitlich Zustimmung.

Jörg Baumann

Leidenschaftlich diskutierten die Ortsbürgerinnen und Ortsbürger über ein altes Haus, über das Schlössli. Dies mit einem guten Ende. Die Ortsbürgergemeinde gewährte dem Verein Schlössli mit 94 gegen 58 Stimmen und bei 6 Enthaltungen einen Beitrag von 400 000 Franken an den Umbau in ein Mehrspartenhaus für die ganze Bevölkerung – allerdings mit der Auflage, dass sich die Ortsbürger nicht an den Betriebskosten beteiligen werden, wie Gemeinderat Ruedi Donat in seinem beherzten Votum für das Schlössli ausführte.

Ein guter Tag für Wohlen

«Das ist ein guter Tag für Wohlen», sagte Fabian Furter, der Präsident des Vereins Schlössli, nachdem der Bann gebrochen war. Furter brachte das Vorhaben auf eine einfache Formel: «Ein Schandfleck soll in ein Schmuckstück verwandelt werden.»

250 Vereinsmitglieder und aktuell 130 Schlossdamen und Schlossherren, die je 1000 Franken an den Umbau bezahlen, sofern die Finanzierung gelingt, ständen hinter dem Schlössli. Im ältesten Steinhaus von Wohlen stecke viel Geschichte und vermutlich auch ein mittelalterlicher Wohnturm, dessen Existenz endlich geklärt werden sollte. Furter verwies auf die alte Trotte in Villigen und das «Gelbe Haus» in Flims, die ebenfalls erhalten wurden – «zum Glück».

Der Schlössli-Verein müsse nun noch weitere Geldgeber suchen, wenn das Schlössli tatsächlich gerettet werden sollte, sagte Furter. Die Ortsbürgergemeinde sei nach ihrem Zweckartikel auch für das Ortsbild verantwortlich. Das Schlössli steht laut Ruedi Donat unter Substanzschutz. «Die Gemeinde könnte mit einem guten Beispiel brillieren.» Auch die Einwohnergemeinde sollte sich beim Schlössli mit einem Beitrag von 100 000 Franken engagieren.

Peter Räber-Donat fand hingegen, dass sich die Ortsbürgergemeinde raushalten sollte und der Verein selber «mehr bringen» müsse – «wie beim FC Wohlen». «Mit der Villa Isler reicht es». Urs Stäger bezeichnete das Schlössli als «alten Steinhaufen». Vor dem Haus habe es keine Parkplätze. Dafür bräuchte es eine Baubewilligung. «Die Parkplätze könnten wir auf dem IBW-Platz auf Ortsbürgerland erstellen», teilte Gemeinderat Donat mit.

Die Geschäftsprüfungskommission des Einwohnerrates sei mit zwei zu fünf Stimmen gegen den Beitrag der Einwohnergemeinde, sagte Stäger weiter. Fabian Furter wies den Vorwurf zurück, dass er sich am Schlössli «bereichern» wolle. Maja Meier, Andreas Weber, Urs Müller und Heini Stäger stiegen für das Schlössli auf die Barrikaden. «Wir stecken das Geld besser in ein altes Haus als in eine Dorfzeitung, die es wohl bald nicht mehr gibt», meinte Stäger mit Blick nach Villmergen.

Martin Kuhn forderte «etwas Mutiges». Dafür wären uns unsere Nachfahren dankbar, meinte Josef Muff. Stephan Stäger sah im Schlössli die zukünftige «Beiz» für die Besucher des Strohmuseums. Patrick Isler fand, hier erhalte man zu wenig für viel Geld. Kurt Meyer, Schlossers, ebenfalls ein Gegner, meinte: «Ein Neubau mehr und ein altes Haus weniger».

Der jungen Generation schenke er sein Vertrauen, wandte Beat Koch ein, sekundiert von Yvonne Amsler. Sie stellte die geschichtliche Bedeutung des Schlössli in den Vordergrund. «Das abgebrochene alte Gemeindehaus ist schon ein Schandfleck», meinte sie.

Keine geheime Abstimmung

Dieter Stäger wollte das Geld der Ortsbürger lieber in die lebendige Kultur als ein Haus stecken. Damit war die Diskussion erschöpft. Ein Antrag auf geheime Abstimmung wurde abgelehnt und der Beitrag ans Schlössli gutgeheissen. Er hoffe, dass gegen das Schlössli nicht das Referendum ergriffen werde, teilte Fabian Furter nach der Versammlung im Schlössli-Newsletter mit. Neu geregelt wurden auch die Fuss- und Fahrwegrechte beim Schlössli.

Rechnung 2015: Gefallene Holzpreise wirken sich aus

Die Ortsbürgergemeinde erlebte mit 162 Stimmberechtigten einen Rekordaufmarsch. Das Quorum wurde nur um zwei Stimmen verpasst. Die Ortsbürgerrechnung 2015 wird laut Gemeinderat Ruedi Donat schlechter abschliessen als budgetiert, weil die Holzpreise nochmals um 10 bis 20 Prozent gefallen sind. Der Holzschnitzelverkauf rette das Ergebnis einigermassen, sagte Donat. Im Budget 2016 sind keine Lohnerhöhungen für das Forstpersonal eingeplant, hingegen aber ein Beitrag an die Siedlungsgenossenschaft Bünz an die Neugestaltung des Kinderspielplatzes. Die Verlegung der Wetterstation zum Gemeindehausplatz wird 10 000 Franken teurer als erwartet. Donat wies auch auf den alljährlichen Betriebsbeitrag der Ortsbürger von 130 000 Franken an das Strohmuseum hin. Die Versammlung genehmigte zudem den Kauf und Verkauf von Waldparzellen im Althau, Chüestellihau und Baanhau und nahm die neuen Ortsbürger Doris Forster und Martin Laubacher auf. (BA)