Prix Rotary: Drei Arbeiten mit vielen Blickwinkeln

Zum zehnten Mal wurden die besten Maturaarbeiten mit dem Rotary-Preis ausgezeichnet. Diese behandelten etwa das afrikanische Land Eritrea aus der Sicht eritreischer Flüchtlinge in der Schweiz.

Dominic Kobelt
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Die stolzen Preisträger (v.l.): Leon Schwitter, Elias Luisoni, Lucien Born und Daniela Neudecker.

Die stolzen Preisträger (v.l.): Leon Schwitter, Elias Luisoni, Lucien Born und Daniela Neudecker.

Dominic Kobelt

Eritrea aus der Sicht von Flüchtlingen, ein Sehtest zur Früherkennung von Rot-Grün-Blindheit bei Kindern und ein Kurzfilm über einen Postboten, der heimlich Briefe öffnet – unterschiedlicher könnten die Themen der gestern präsentierten Maturaarbeiten kaum sein. Und doch findet man bei genauerer Betrachtung einige Gemeinsamkeiten. Alle behandeln ein Thema aus verschiedenen Perspektiven, hinter allen steckt enorm viel Arbeit und Durchhaltevermögen, und alle wurden mit dem Rotary-Preis ausgezeichnet, den der Rotary Club Freiamt dieses Jahr zum zehnten Mal vergeben hat. Die drei Arbeiten wurden gleichrangig ausgezeichnet und mit 1000 Franken prämiert. Die Auswahl war schwierig: Der Notendurchschnitt aller Maturaarbeiten an der Kanti Wohlen liegt in diesem Jahr bei 5,2. Nicht weniger als 24-mal wurde die Bestnote vergeben.

Zwei konträre Meinungen

Lucien Born und Elias Luisoni berichten in ihrer Arbeit über das unbekannte Eritrea aus der Sicht eritreischer Flüchtlinge in der Schweiz. Ihnen ist aufgefallen, dass in den Medien zwar häufig über das Drama der Flucht und über die Integration und den damit verbundenen Schwierigkeiten berichtet wird, aber wenig über das Land selbst. Sie haben mit vielen Flüchtlingen Interviews geführt, aber auch einen Vertreter des Regimes befragen können. «Wir sind auf zwei komplett konträre Meinungen gestossen», erklärten die beiden Maturanden. So waren sich die Flüchtlinge einig, dass der obligatorische Militärdienst, der immer wieder verlängert werden kann, von Willkür geprägt ist. Der Vertreter des Regimes bezeichnete es als Mittel, um das Land wieder aufzubauen – Militärdienst ist in Eritrea auch Arbeitsdienst. «Die Lage muss schlimm sein, die tatsächlichen Begebenheiten sind aber schwer abzuschätzen», so Elias. Thomas Widmer, der die Arbeit betreut hat, lobte, dass die beiden die Sicht von Flüchtlingen, Regime und Forschung in ihrer Arbeit darstellen und viel recherchiert haben.

Kinder zu testen, ist anders

Auch in der Arbeit von Daniela Neudecker geht es um verschiedene Sichtweisen. Genauer gesagt um die unterschiedliche Wahrnehmung von Farben. «Farbe ist physikalisch nicht messbar, sie entsteht im Gehirn», erklärte Neudecker. Sie hat einen Sehtest zur Früherkennung von Rot-Grün-Blindheit bei Kindern entwickelt. «Beim klassischen Test für Erwachsene geht es darum, in grün-roten Bildern Formen zu erkennen. Wenn ein Kind aber nichts erkennt, kann das hundert Gründe haben – zum Beispiel fehlende Motivation.» Im Test von Neudecker gibt es deshalb immer etwas zu erkennen, nur dass farbenblinde Personen etwas anderes sehen als «normale». Mit der Entwicklung des Tests gab sich die Maturandin aber nicht zufrieden. Mit 90 Kindergartenkindern hat sie ihre Arbeit dem Praxistest unterzogen. «Daniela ist es schlussendlich durch ihren sehr grossen Einsatz gelungen, einen Test zu entwickeln, der funktional als auch schnell und einfach anzuwenden ist», lobte Betreuerin Anna von Ins die Arbeit.

Ein Film über Einsamkeit

Mit Blickwinkeln und Perspektiven musste sich schliesslich auch Leon Schwitter auseinandersetzten, der den Kurzfilm «Viktor» produzierte. Ein Film, in dem es um Einsamkeit geht und um einen Postboten, der heimlich Briefe öffnet, aber selbst keine bekommt. Schwitter hat damit nicht nur die Jury des Rotary Clubs Freiamt überzeugt, er hat bereits den Publikumspreis an den Jugendfilmtagen abgeräumt. «Ich habe oft Bildgestaltungen verwendet, bei denen Viktor nur als kleine Person zu sehen ist, um die Einsamkeit darzustellen», erklärte Schwitter. «Das Charakterdrama überzeugt durch den hohen Grad an professioneller Umsetzung und die umfassende Sorgfalt in Bezug auf die visuelle Darstellung von Charaktereigenschaften, Stimmung und Atmosphären», heisst es in der Begründung. Oder wie es Betreuerin Barbara Aabid Benz in ihrer Laudation ausrückte: «Leon hat sich mit einer unglaublichen Leidenschaft dem Projekt hingegeben. Leon ist Film.»