Troubadour

Profimusiker aus Muri erfüllt sich einen lang gehegten Traum

Der Murianer Erich Strebel hat sich vom Klavierschüler zum vielseitig begehrten Profimusiker und glücklichen Troubadour geackert.

Rosmarie Mehlin
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Erich Strebel, das Multitalent aus Muri, ist wieder einmal in der Region zu hören – am Mittwoch in Wohlen.

Erich Strebel, das Multitalent aus Muri, ist wieder einmal in der Region zu hören – am Mittwoch in Wohlen.

zvg

Als Pianist hat er nebst vielen anderen Pippo Polina begleitet, als Komponist Musik für Hörspiele, Filme, Theater geschrieben, als Arrangeur, musikalischer Leiter, Pianist unter anderem «Die kleine Niederdorf-Oper» mitgeprägt. Nun hat sich Erich Strebel, Murianer von Geburt und Musiker aus Leidenschaft, einen lang gehegten Traum erfüllt: «Zwüschewälte», die erste CD mit seinen eigenen schweizerdeutschen Liedern ist aus der Taufe gehoben.

Angefangen hatte alles vor 38 Jahren: Erich war sieben, als seine Mutter ein Klavier kaufte, «wieso weiss ich bis heute nicht», schmunzelt er. Weil er nach Ansicht der Musiklehrerin in Muri noch zu jung war, bekam der Bub Klavierunterricht in Wohlen. Nach der Volks- und Sekundarschule schickten ihn seine Eltern nach Zug in die Weiterbildungs-Schule, in der geisteswissenschaftliche Pädagogik grossgeschrieben war. «Diese Schule verdankte ich dem Tipp von Philipp Galizia. Der spielte damals noch Gitarre und wir sind Mitte der 80er-Jahre zusammen mit selbst komponierten Liedern in einem Jungwacht- und Blauring-Varieté aufgetreten.»

WG mit lauter Musikern

Eigentlich hatte er Fotograf werden wollen, aber statt als 17-Jähriger eine entsprechende Lehre anzutreten, gründete Strebel eine Band: «Ebenfalls auf der Schule in Zug hatte ich mich mit Lukas, dem Sohn von Franz Hohler angefreundet. Er spielte Schlagzeug, und gemeinsam mit Yves Ferrand, Stefano Butti und André Gärtner haben wir die Terry-Fick-Fusion-Band auf die Beine gestellt, die überregional erfolgreich wurde.» Die Weichen waren gestellt, Erich Strebel sass in einem Zug, der in ansehnlichem Tempo in Richtung Berufsmusiker fuhr. Er zog nach Wohlen in eine WG mit lauter Musikern. «Dort erhielt ich einen Anruf von Düde Dürst, Schlagzeuger von ‹Les Sauterelles›. Er lud mich nach Zürich an eine Audition ein.» Und fortan verschrieb sich Strebel Anfang 90er mit «Jo Geilo Hearbreakers» dem Soul-Funk.

«Sozusagen über Nacht war ich Profimusiker. Doch nach vier Jahren, während denen ich bekannte Grössen der Lieder- und Song-Szene begleitet hatte, wurde mir bewusst, dass mir eine tiefere musikalische Ausbildung fehlte.» Er verkaufte sein Hab und Gut und finanzierte so sein erstes Studienjahr am Boston Berklee College of Music in den USA. «Während der Semesterferien hatte ich vier Monate lang in Köln die musikalische Leitung von Marco Rimas Musical ‹Keep Cool› inne.» Mit der Gage finanzierte Strebel sich ein zweites Studienjahr in Boston, hauste aus Spargründen aber vier Monate in einer Garage.

Haigis, von der Heide, Vock

Nach dem zweiten Studienjahr in den Staaten mit den Schwerpunkten Arrangieren, Harmonielehre und Klavier zog es Strebel erneut nach Köln, nunmehr der Liebe wegen. Er blieb sieben Jahre, gründete mit seiner Partnerin ein Tonstudio und begleitete die Sängerin Anne Haigis auf mehreren CDs und Tourneen. Nachdem die Beziehung in Brüche gegangen war, kehrte Strebel zurück und wohnt heute in Zürich. Er wurde Mitbegründer einer Audio-Design-Firma für neue Medien, war von 1998 bis 2003 musikalischer Begleiter von Michael von der Heide und hob das erste Solo-Programm von Erich Vock – «Vock yourself» – aus der Taufe.

«Daraus hat sich eine fruchtbare und interessante Zusammenarbeit mit meinem Namensvetter Erich ergeben.» Für Vock und dessen Partner Hubert Spiess hat Strebel in den vergangenen Jahren «Die kleine Niederdorfoper», «La Cage aux Folles», «Emil und die Detektive» sowie «Stägeli uf – Stägeli ab» arrangiert, war musikalischer Leiter und sass am Klavier.

Konzert in Wohlen

Und jetzt hat sich – als weiterer Höhepunkt – sein lang gehegter Traum einer CD mit eigenen Dialektliedern erfüllt: 2013 hatte ihm das Aargauer Kuratorium für dieses Projekt einen dreimonatigen Aufenthalt in London ermöglicht. «Nach so vielen Jahren im Dienste von anderen war die Zeit reif, auch mal eigene Gedanken, Ideen, Melodien zu verarbeiten.» Unter den zehn Liedern auf der «Zwüschewälte»-CD finden sich Titel wie «Glück», «Wenn de Ofe us isch» und auch eine musikalische Neuadaption von Mani Matters «Eskimo». Er habe immer erst die Musik komponiert, «die Texte zu schreiben, ist mir sehr viel schwerer gefallen.» Neun weitere Musiker haben, in unterschiedlichen Formationen, bei den Aufnahmen mitgewirkt. Mit einem Kontrabassisten, einem Schlagzeuger und ihm am Klavier sowie einem dreiköpfigen Chor gibt er als Troubadour auch Konzerte. Am Mittwoch gastiert er mit «Zwüschewälte» live in der Kulturbeiz Chappelehof Wohlen.

Konzert in der Kulturbeiz Chappelehof in Wohlen am Mittwoch, 29. März, ab 22:00 Uhr, Eintritt Fr. 20.–, Essen 18.30–21.30 Uhr, Party: bis 4 Uhr. Reservationen: 056 621 33 20, kultur@chappelehof.ch. Infos: www.chappelehof.ch, www.erichstrebel.ch.