Bremgarten

Raubüberfall als «Party-Gag» endet mit Gefängnisstrafe

Zwei junge Männer wurden vom Bezirksgericht zu 30 Monaten Haft verurteilt. Sie hatten auf dem Heimweg von einer Goa-Party in Unterlunkhofen einen Überfall verübt.

Dominic Kobelt
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Zwei Jugendliche hatten an einer Goa-Party anderes als Feiern im Sinn. (Symbolbild)

Zwei Jugendliche hatten an einer Goa-Party anderes als Feiern im Sinn. (Symbolbild)

Der Abend begann harmlos. Vier Jugendliche, die zusammen kochten und am PC Spiele spielten. Dann kam einer auf die Idee, an eine Goa-Party in Unterlunkhofen zu gehen und dort «Leute auszunehmen», wie sich die Angeklagten ausdrückten. Teilweise mit Messern bewaffnet machten sie sich auf den Weg, verweilten auf der Party etwa eine Stunde. Dann folgten sie drei jungen Männern, die sich auf den Nachhauseweg machten. Als diesen bewusst wurde, dass sie sich in Gefahr befanden, rannten zwei davon, einer blieb stehen. Er wurde von einem der Angreifer festgehalten, ein anderer bedrohte ihn mit dem Messer, ein dritter beleuchtete die Szene mit dem Natel.

Mittäter oder nur Gehilfe?

Die Täter waren schnell ermittelt. Zwei von ihnen waren zur Tatzeit minderjährig, die anderen beiden standen am letzten Donnerstag vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Marco und Halim (Namen geändert), waren geständig, nur in zwei Punkten waren sich Anklage und Verteidigung uneins: Marco habe das Messer nur in der Hand gehalten, etwa einen halben Meter vom Opfer entfernt, behaupteten die Angeklagten. Der junge Mann, der überfallen wurde, hatte jedoch mehrmals ausgesagt, er habe an seinem Hals «das kalte Metall auf der Haut gespürt».

Die Täter stritten ebenfalls ab, aus dem Portemonnaie 200 Franken entwendet zu haben – es sei leer gewesen. Erbeutet hätten sie nur ein Natel und eine Schachtel Zigaretten.

Trotz der Klarheit über den Tathergang lagen die geforderten Strafen weit auseinander. Die Staatsanwaltschaft ging von einem qualifizierten Raub aus, für die eine «besondere Gefährlichkeit» notwendig ist. Sie forderte 36 Monate teilbedingte Freiheitsstrafe für Marco, der das Messer hielt und 24 Monate teilbedingt für Halim, der das Opfer festhielt. Der Verteidiger von Halim dagegen erklärte, sein Mandant sei nicht einmal Mittäter, sondern lediglich ein Gehilfe gewesen und forderte eine Geldstrafe. Halim hatte ausgesagt, er habe zwar gehört, man wolle «Leute ausnehmen», habe das aber nicht ernst genommen. Das Opfer habe er nur kurz festgehalten und danach losgelassen, sei dann nur dagestanden und habe auch nichts entwendet.

Diese Strategie ging nicht auf: «Straferschwerend fällt ihr Aussageverhalten ins Gewicht, dass man nur als katastrophal bezeichnen kann. Sie haben immer nur zugegeben, was man Ihnen beweisen konnte, und Ihre Beteiligung bei jeder Gelegenheit kleingeredet», sagte Peter Turnherr zum Angeklagten bei der Urteilsverkündung. Darüber, dass die Verteidigung lediglich eine Gehilfenschaft weismachen wolle, «kann das Gericht nur staunen», so der Richter. «Eine Gehilfenschaft wäre es, wenn sie das Auto zur Verfügung gestellt hätten. Sie hätten aber mehrer Male die Möglichkeit gehabt, auszusteigen, und haben es nicht gemacht.» Auch die besondere Gefährlichkeit hielt Turnherr für gegeben: «Ein Angriff spät in der Nacht, mitten im Wald, drei gegen einen, und keine Chance auf Hilfe. Man kann sich vorstellen, dass das für das Opfer grausam war.»

Gericht glaubt dem Opfer

Die Aussagen von Marco befand das Gericht für glaubwürdiger, der Täter habe besser kooperiert. Die Tat an sich war dagegen schwerwiegender, weil Marco dem Opfer das Messer an die Kehle gehalten hat – in diesem Punkt befand das Gericht die Aussagen des Überfallenen am glaubwürdigsten. Zu der Anklage wegen Raubes kamen (unbestrittene) Anklagen für je eine Tat nach besagtem Delikt: Marco hatte sich einen Elektroschocker gekauft, Halim hat sich unter Alkoholeinfluss hinters Steuer gesetzt.

Das Aussageverhalten von Halim und die schwerwiegendere Tat von Marco führten dazu, dass beide Täter gleich bestraft wurden, nämlich mit zweieinhalb Jahren teilbedingt. Ein halbes Jahr müssen sie ins Gefängnis, dürfen die Strafe aber in Halbgefangenschaft absitzen, sodass sie ihren Job nicht verlieren. Die weiteren zwei Jahre müssen sie nur in Haft, wenn sie sich etwas zuschulden kommen lassen.