Ringerstaffel Freiamt
Erhoffte Topleistung nicht abgerufen: Freiämter Ringer scheitern im Nationalliga-A-Halbfinal mit 30:32 Punkten gegen Kriessern

Die St.Galler Rheintaler verwalteten in einem packenden Fight vor 700 Zuschauerinnen und Zuschauern die Dreipunktereserve aus dem Hinkampf. Auf die Aargauer Ringerhochburg wartet nun im Kampf um Bronze. Gegner ist Einsiedeln.

Wolfgang Rytz
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Joel Meier (links) erlebte im letzten Kampf gegen Marc Dietsche eine 0:10-Abfuhr, womit Freiamts Schicksal besiegelt war.

Joel Meier (links) erlebte im letzten Kampf gegen Marc Dietsche eine 0:10-Abfuhr, womit Freiamts Schicksal besiegelt war.

Wolfgang Rytz

Die Freiämter Ringer sind im Nationalliga-A-Halbfinal mit 30:32 Punkten gegen Kriessern gescheitert. Der 16:15-Auswärtserfolg war ein schwacher Trost. Die St.Galler Rheintaler verwalteten in einem packenden Fight vor 700 Zuschauerinnen und Zuschauern die Dreipunktereserve aus dem Hinkampf. Auf die Aargauer wartet nun im Kampf um Bronze Einsiedeln.

Wie im ersten Duell spielte das Kampfrichtertrio aus Freiämter Sicht eine mitentscheidende Rolle. Michael Bucher, der anstelle des gesperrten Marcel Leutert coachte, zeigte sich als fairer Verlierer und resümierte:

«Umstrittene Kampfrichterentscheide summierten sich in diesem Halbfinal gegen uns, aber wir scheiterten nicht deswegen.»

Stattdessen musste Bucher, der aus gesundheitlichen Gründen nicht auf der Matte stand, eingestehen, dass sein Team auch in Kriessern nicht die erforderliche Topleistung abrief.

Christian Zemp musste unten durch und verlor gegen Ramon Betschart nach umstrittener Kampfrichterbewertung 0:4

Christian Zemp musste unten durch und verlor gegen Ramon Betschart nach umstrittener Kampfrichterbewertung 0:4

Wolfgang Rytz

Schon mit der Aufstellung düpierte Kriessern die Aargauer

Bereits mit der Aufstellung düpierte Kriessern die Aargauer. Der auf diese Saison in die Ostschweiz gezogene Walliser Dimitar Sandov, ein gebürtiger Russe, hungerte unerwartet in die 57-Kilo-Klasse ab und fegte Freiamts Flurin Meier 15:0 von der Matte. «Ich bin enttäuscht, dass ich überhaupt nicht in den Kampf kam», haderte der 22-jährige Ringer aus Muri mit sich.

Die 0:4 Mannschaftspunkte wogen umso schwerer, weil auch Ringerschwinger Roman Zurfluh bis 130 Kilo Freistil unerwartet verlor. Damian Dietsche punktete in der letzten Minute von 1:2 auf 6:3. Freiamt forderte eine Viererwertung für ihren Athleten vergeblich ein. Der Chefkampfrichter überstimmte die zwei anderen Unparteiischen. Die Aargauer fühlten sich insbesondere in dieser Situation betrogen.

Konsternation bei Joel Meier (links): Sein Bezwinger Marc Dietsche jubelt über die definitive Halbfinalqualifikation für Kriessern.

Konsternation bei Joel Meier (links): Sein Bezwinger Marc Dietsche jubelt über die definitive Halbfinalqualifikation für Kriessern.

Wolfgang Rytz

Klare Siege, doch diese reichten nicht zur Wende

Wohl feierten die Leutert-Zwillinge Nils und Nino sowie Pascal Strebel, Marc Weber und Tanguy Darbellay klare Siege, doch diese reichten nicht zur Wende. Kriesserns Topathleten agierten auch unter Druck abgeklärt. Die Internationalen Dominik Laritz, Marc Dietsche und Ramon Betschart gaben nichts Zählbares preis und führten die Ostschweizer erstmals nach dem Titelgewinn von 2018 wieder in den Final.

Bei der Ringerstaffel Freiamt hätte es nach der harzigen ersten Hälfte einen Exploit gebraucht. Aber bei einer 16:12-Führung nach neun Einzelkämpfen war zuletzt Joel Meier gegen Profi Marc Dietsche weit davon entfernt. Der Niederwiler kämpfte willig, aber verlor in der überfüllten Mehrzweckhalle trotzdem erwartet klar 0:10, womit sich Freiamts Finaltraum definitiv auflöste.

Freiamts Alttrainer Adi Bucher analysierte: «Wir traten heute Abend zu wenig arrogant auf.» Er nannte als Beispiel Laritz, der den ehemaligen EM-Medaillengewinner Randy Vock zur Verzweiflung trieb. Bucher vermutet ein mentales Problem:

«Nach drei Finalniederlage fehlt uns in solchen wichtigen Matchs die Überzeugung, gewinnen zu können.»

Urs Neyer, ebenfalls ein früherer Freiamt-Trainer, glaubt, dass das Selbstvertrauen mit dem unnötig eingehandelten Rückstand im Heimkampf geschrumpft sei. «Der Kampf in Kriessern stand zwar auf Messers Schneide, aber letztlich war der Gegner cleverer.»