Villmergen

Schweizergardist von 1948: «Man muss katholisch sein, aber nicht fromm»

Die Ex-Schweizergardisten feierten am Sonntag in Villmergen den 50. Geburtstag ihrer Vereinigung. Besonders freute sich das 91-jährige Gründungsmitglied Josef Fischer.

Andrea Weibel
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Die Ex-Gardisten mit ihren Frauen auf der Treppe vor der Kirche.
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Ex-Schweizergardisten feierten den 50. Geburtstag
«Die Messe war sensationell. Das hätte auch Nicht-Kirchgängern gefallen», sagte OK-Chef Gery Brunner.

Die Ex-Gardisten mit ihren Frauen auf der Treppe vor der Kirche.

zvg/Stefan Meier

Rot, Gelb, Blau – am Sonntag erstrahlte die Villmerger Kirche in den Farben der Schweizergarde. Von der Uniform der Ehrengarde über den Blumenschmuck der Kirche bis hin zum Dessert samt Schoggi-Helebarde war alles farblich abgestimmt. Grund dafür war der 50. Geburtstag der Vereinigung der Ex-Gardisten Sektion Argovia, die damals in Wohlen gegründet worden ist.

Gründungsmitglied und der allererste Präsident des Vereins, der 91-jährige Josef Fischer, war sogar noch anwesend und freute sich sichtlich über die Feier. «Wir haben den Verein der Ex-Gardisten im Wohler Bären gegründet. Damals waren wir um die 20 Leute. Und heute darf ich dabei sein, wenn er 50 wird. Das ist einmalig», sagte er strahlend. «Und dass der Verein mittlerweile schon 99 Mitglieder hat, freut mich gleich noch mehr.»

Neben unzähligen anderen, die ihm die Hand schütteln wollten, gratulierte auch der Villmerger Gemeindeammann Ueli Lütolf dem zum Ehrenpräsidenten ernannten Fischer: «Da haben Sie etwas sehr Schönes gegründet vor 50 Jahren.» Fischer war der Stolz anzusehen, und auch seine Frau Margrith strahlte glücklich.

«Katholisch, nicht fromm»

Josef Fischer ist vor 67 Jahren, 1948, für zwei Jahre in den Dienst des damaligen Papstes Pius XII. getreten. «Ich bin in Boswil aufgewachsen, dort wohnte ein Exgardist aus Fribourg, der hat mich darauf aufmerksam gemacht. Und in Rom habe ich unglaublich viel gelernt. Rom ist die Welt, es ist Weltgeschichte und Weltgeschehen. Ich würde jedem jungen Mann raten, sich das zu überlegen.» Schmunzelnd fügte er an: «Man muss nur katholisch sein. Nicht fromm, aber katholisch.»

Auf die Frage, was er sich noch mehr wünschen könnte vom Verein, schüttelte Fischer lächelnd den Kopf und zeigte auf die Feiernden, die beinahe die ganze Kirche ausgefüllt haben: «Mehr kann man nicht machen.»

«Sensationelle Messe»

Auch OK-Chef Gery Brunner, der von 1979 bis 1981 in der aktiven Garde war und die Ex-Gardisten später 13 Jahre lang präsidierte, zeigte sich glücklich: «Es ist genau so gelaufen, wie ich gehofft habe. Und die Messe war sensationell, so etwas habe ich noch nie gehört. Das hätte auch Nicht-Kirchgängern gefallen.» Der verstärkte Cäcilienchor Villmergen führte zusammen mit einem Orchester und Solisten die Krönungsmesse Mozarts auf. Ausserdem schwenkte die Ehrengarde in der Gardistentracht ihre Fahne und stand während der Messe neben dem Altar – wie es die aktive Garde noch heute im Vatikan tut.

Beim anschliessenden Apéro wussten die Gardisten viele alte Geschichten aus ihrer Zeit beim Papst zu erzählen. Fischer beispielsweise weiss noch heute, wie er damals Papst Pius XII. erstaunte, als er dessen Fragen zu politischen Themen spontan beantworten konnte. «Ich war erst 24 Jahre alt, aber das hat mich halt interessiert», erklärte der ehemalige Wohler Dorfpolizist.

Für ihn hat die Ex-Gardisten-Vereinigung noch immer einen wichtigen Stellenwert. «Es ist schön, wenn man immer wieder zusammenkommen und Leute treffen kann, die ebenfalls bei der Garde gewesen sind. Aber mir ist es auch wichig, ab und zu zurück nach Rom zu gehen und den Kontakt mit der aktiven Garde zu halten. Gerade vor vier Wochen war ich nochmals mit meiner Frau und den Töchtern in Rom – mit 91 Jahren bin ich da runter geflogen. Es war wunderbar.»